Grüne in Stuttgart: Überbordender Jubel, aber ein Rest Vorsicht

08. März 2026
Cem Özdemir (picture alliance/dpa/Bernd Weißbrod)

Grüne in Stuttgart: Überbordender Jubel, aber ein Rest Vorsicht. Es vergeht keine Sekunde nach Verkündung der ersten Hochrechnung, da springt der halbe Saal bereits in die Luft. Spitzen- wie Basisgrüne fallen sich um den Hals, Jubelrufe hallen durch die Staatsgalerie in Stuttgart. „Baden-Württemberg wird wieder Geschichte schreiben. Einfach schon jetzt, mit diesem Ergebnis“, sagt Umweltministerin Thekla Walker Table.Briefings. „Ich hätte mir das nicht vorstellen können, aber ich habe in den letzten Tagen ein immer besseres Gefühl gehabt.“ Auch Finanzminister Danyal Bayaz spricht von einer „wahnsinnigen Sensation“, mit der viele nicht gerechnet hätten.

Özdemirs Persönlichkeit strahle weit über das grüne Spektrum hinaus. Er sei „ein Teufelskerl im allerbesten Sinne.“ Dass auch das Loslösen von den Grünen ihm geholfen haben könnte, sieht Bayaz anders. „Cem Özdemir muss die Sonnenblume nicht in lebensgroßer Größe darstellen, weil jeder weiß: Der macht seit fast 40 Jahren Politik für Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg.“

Freuen konnten sich die Südwest-Grünen schon vorher. Das ist an diesem Abend auch vor 18 Uhr zu spüren gewesen. Viele Grüne kamen mit Fan-Schals von Özdemir. Und das vor allem, weil sie unabhängig vom Endergebnis besser abschneiden würden als sie es noch vor kurzem für möglich hielten. Mit einem Ergebnis über 30 Prozent wollten gleichwohl die wenigsten rechnen. „Eine sensationelle Aufholjagd, die Cem Özdemir, aber auch der Partei gelungen ist“, so Bundesvorstand Heiko Knopf Table.Briefings. Allerdings rechnet er mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss. Und das zurecht.

Selbst mit der Aussicht, als Juniorpartner mit der CDU zu koalieren, hatten sich viele Grüne schon halbwegs angefreundet. Auch Özdemir hätte sich dann kaum rausgezogen; im Wahlkampf hat er immer wieder betont, dass er „kein Rückfahrticket nach Berlin“ habe. Noch am Abend und lange bevor das endgültige Ergebnis feststeht, baut er Brücken zur CDU. „Es gilt das, was ich vor der Wahl versprochen habe“, kündigt er in seiner ersten Rede an. Man habe viele Erwartungen geweckt bei den Menschen, „dass es ums Landeswohl gehen soll, nicht ums Parteiinteresse.“ Daran habe er nichts zurückzunehmen.

Wer einem künftigen Kabinett angehören wird, zeichnet sich teilweise ab. Umweltministerin Walker etwa bejaht gegenüber Table.Briefings klar, dass sie weitermachen will. Finanzminister Bayaz äußert sich vorsichtiger. Wenn er gebraucht werde, sei er erreichbar und werde auch ans Telefon gehen, sagt er. Andere Personen wie etwa Boris Palmer werden als mögliche Kandidaten gehandelt. Franziska Klemenz

Briefings wie Berlin.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 08. März 2026