Gasspeicher: Warum trotz niedriger Füllstände kein Engpass zu erwarten ist

08. Februar 2026
Deutschlands größter Erdgasspeicher in Rehden (picture alliance/dpa | Hauke-Christian Dittrich)

Gasspeicher: Warum trotz niedriger Füllstände kein Engpass zu erwarten ist. Das hohe Tempo, mit dem sich die deutschen Gasspeicher im Januar geleert haben, hat vielerorts zu Besorgnis geführt – oft verbunden mit Kritik an der Bundesregierung, die angeblich zu schlecht vorgesorgt habe. Ein Blick auf die Zahlen und die Rechtslage zeigt aber, dass beides nicht wirklich berechtigt ist. Zwar ist der Füllstand der Gasspeicher in den letzten Wochen tatsächlich mit hohem Tempo gefallen: Lag er zu Jahresbeginn noch bei 56 Prozent, waren es Mitte der Woche nur noch 29 Prozent. Pro Tag ist er damit um knapp 0,8 Prozentpunkte gesunken. Wenn die Entnahme unverändert bliebe, wären die Speicher demnach rechnerisch Mitte März komplett leer.

BMWE und Bundesnetzagentur sehen dennoch keinen Grund zur Besorgnis. Zum einen ist es sehr unwahrscheinlich, dass die nächsten fünf Wochen ebenso kalt bleiben wie die vergangenen fünf Wochen, in denen die Temperaturen deutlich unter dem langjährigen Mittelwert lagen. Und wie groß der Einfluss der Temperatur ist, zeigt sich am Blick auf die vorangegangenen Monate: Im Dezember leerten sich die Speicher im Schnitt nur um 0,34 Prozentpunkte pro Tag, im November waren es 0,28 Prozentpunkte. Sofern die Temperaturen sich in den nächsten Wochen eher auf diesem Niveau bewegen, reichen die Speicher rechnerisch mehr als doppelt so lange – und damit über das Ende der Heizsaison hinaus, wenn der Gasbedarf weiter sinkt und die Speicher wieder gefüllt statt geleert werden.

Auch weiterer Dauerfrost würde nicht automatisch zu einem Engpass führen. Zum einen könnten die Importe, die im Januar fünf Prozent niedriger lagen als im Dezember, wieder gesteigert werden. Vor allem über die deutschen LNG-Terminals, die zuletzt im Schnitt nur zu 50 Prozent ausgelastet waren, könnte mehr Gas importiert werden – wenn auch zu hohen Preisen, die bei kurzfristigen Bestellungen fällig würden. Zudem ist davon auszugehen, dass bei drohendem Gasmangel die Exporte zurückgehen würden. Denn die drei Länder, in die Deutschland das meiste Gas weiterleitet – Österreich, Polen und Tschechien –, verfügen über Gasspeicher, die derzeit deutlich höhere Füllstände aufweisen als die deutschen. Gefährdet wäre die Versorgung dagegen, wenn eine der drei Pipelines aus Norwegen, über die Deutschland mehr als 40 Prozent seines Gases importiert, durch einen Sabotageakt ausfallen würde. Oder wenn die USA ihre LNG-Lieferungen in die EU, die zuletzt 28 Prozent der EU-Importe ausmachten, aus politischen Gründen einstellen würden.

Dass die Speicher so leer sind wie noch nie um diese Jahreszeit, liegt auch an veränderten staatlichen Vorgaben. Nach dem Wegfall der russischen Lieferungen war seit 2022 vorgeschrieben, dass die Speicher zum 1. November zu 90 Prozent gefüllt sein müssen. 2025 wurde dieser Wert für die meisten Speicher auf 80 Prozent und für sechs Porenspeicher auf 45 Prozent gesenkt; im Schnitt ergibt sich daraus ein Sollwert von 75 Prozent. Während einzelne Speicher den Wert Anfang November 2025 unterschritten, wurde der Gesamtwert knapp eingehalten. Schon zu Beginn des Winters war der Füllstand somit 15 Prozentpunkte niedriger als in den Vorjahren.

Beschlossen wurde die Absenkung noch in den letzten Tagen der Rest-Ampel-Regierung unter Robert Habeck. Begründet wurde sie mit der verbesserten Versorgungslage sowie mit den Kosten, die durch die vorherigen Vorgaben entstanden. Wenn mehr Gas eingespeichert wird, als es die Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen tun würden, müssen die dadurch entstehenden Kosten erstattet werden; das geschah durch die Gasspeicherumlage, die zunächst durch die Gaskunden und zuletzt aus dem Klima- und Transformationsfonds bezahlt wurde. Malte Kreutzfeldt

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Letzte Aktualisierung: 08. Februar 2026