Digitale Souveränität: Wie Europa unverzichtbar werden soll

08. Januar 2026

Digitale Souveränität: Wie Europa unverzichtbar werden soll. 2025 markierte digitalpolitisch einen Wendepunkt: Angesichts der wachsenden Macht der US-Tech-Giganten habe Europa seinen Wunsch nach digitaler Unabhängigkeit beteuert. Doch kann das gelingen? Manuel Kilian, Geschäftsführer des Global Government Technology Centre, richtet in seinem Gastbeitrag den Blick vorbei an politischen Absichtserklärungen zur wirtschaftlichen Macht. Kilians These: Souveränität entstehe dort, wo Unternehmen unverzichtbar werden – durch technologische Positionen, an denen andere nicht vorbeikommen. Diese Souveränität, die auf Ersatzlösungen basiert, bleibt bestenfalls defensiv. „Moats“, nachhaltige Wettbewerbsvorteile (ein Begriff, den Warren Buffett prägte), seien längst keine betriebswirtschaftliche Fußnote mehr, sondern geopolitische Hebel. Wer sie besitze, gestalte Abhängigkeiten.

Warum Europa hier hinterherhinkt, erklärt Kilian nicht mit fehlendem Geld oder mangelnder Innovationskraft, sondern mit einer falschen staatlichen Logik. Während andere Mächte früh auf riskante Zukunftstechnologien setzen und Scheitern einkalkulieren, habe Europa sich im Nachbauen und Absichern eingerichtet: „Souveränität, die auf Ersatzlösungen basiert, bleibt bestenfalls defensiv.” Der von Kilian beschriebene „Venture State“ ist deshalb weniger ein neues Industrieprogramm als ein Perspektivwechsel: der Staat nicht als Schiedsrichter bestehender Märkte, sondern als strategischer Mitspieler in den Märkten von morgen. Im August stellte Kilian gemeinsam mit Ansgar Baums zehn Thesen zur digitalen Souveränität unter dem Titel „Better Stack“ auf, die in der Digitalpolitik viel diskutiert wurden. Nun hat Kilian einen zweiten Teil des Essays verfasst, der Table.Briefings exklusiv vorliegt. Wie er plant, die Souveränitätsdebatte vom Moralischen ins Operative zu holen, lesen Sie im Gastbeitrag. Leonard Schulz

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Letzte Aktualisierung: 08. Januar 2026