Banküberfall in Gelsenkirchen: Feuerwehrleute und Polizist kontrollierten, während sich Täter versteckten

13. Januar 2026
Tresorraum der Sparkasse in Gelsenkirchen (NRW) (Polizei Gelsenkirchen)

Banküberfall in Gelsenkirchen: Feuerwehrleute und Polizist kontrollierten, während sich Täter versteckten. Der spektakuläre Einbruch in eine Sparkassen-Filiale in Gelsenkirchen kurz nach Weihnachten wirft neue Fragen auf. Nach dem Auftritt von CDU-Innenminister Herbert Reul im Innenausschuss des Landtags in NRW werden mögliche Fehler der Feuerwehr und der Polizei diskutiert.

Offenbar hatten die Täter Hilfe von Insidern. Den Schilderungen des Ministers zufolge hatten sich die Täter über eine nur durch ein Rolltor abgesperrte Tiefgarage und einen Kellerraum mit einem Spezialbohrer Zugang zum Tresorraum der Sparkasse verschafft und 3.100 Schließfächer aufgebrochen. Informationen aus Ermittlerkreisen zufolge wurde die Alarmanlage abgeschaltet und die erste Tür vom Treppenhaus der Tiefgarage zum Sparkassen-Keller mit Silikon gefüllt, so dass sie nur leicht geschlossen und leicht wieder aufgebrochen werden konnte. Von dort bohrten die Täter mit Spezialgeräten ein Loch durch eine 40 Zentimeter dicke Stahlbetonwand in den Tresorraum. Offenbar wurde durch den Staub eine Brandmeldung ausgelöst. Mehrere Feuerwehrleute und ein sie begleitender Polizist schöpften indes keinen Verdacht, wie Reul im nicht öffentlichen Teil der Sitzung berichtete.

Wahrscheinlich kontrollierten die Beamten nur den Vorraum des Tatorts, während sich die Täter nur wenige Meter weiter im Archivraum versteckten. Auch Mitarbeiter einer privaten Sicherheitsfirma, die eine halbe Stunde später eintrafen, fanden nichts Verdächtiges. Vier Stunden nach dem Feueralarm wurde dann aber das erste Schließfach aufgebrochen, wie aus der integrierten Zeitschaltuhr hervorgeht. „Wir wissen jetzt immer noch nicht, ob es hier um organisierte Kriminalität und möglicherweise Clangelder geht oder ob das ein einmaliger Coup war. Diese Auskunft brauchen wir aber, um den Vorgang politisch bewerten zu können“, sagte Marcel Hafker, innenpolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Table.Briefings.

Die Polizei hat den Tatort noch nicht wieder freigegeben, die Filiale bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Hinweise, dass in einem Fach auch eine Waffe gefunden wurde, wollte das Innenministerium nicht bestätigen. Die Sparkasse wird von ihren Kunden verklagt, im Extremfall muss die Bank knapp 30 Millionen Euro zahlen. Der Inhalt ist je Schließfach nur bis zu einer Summe von 10.000 Euro versichert. Ermittler gehen davon aus, dass die Täter gefunden werden. Sowohl Kleidungsstücke als auch mögliche Tatwerkzeuge seien in dem Raum zurückgeblieben. Michael Bröcker

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Letzte Aktualisierung: 14. Januar 2026