Aschermittwoch: Wie die Koalitionsspitzen übereinander reden

LB

Aschermittwoch: Wie die Koalitionsspitzen übereinander reden. Die Linken beschimpfen, die Grünen kritisieren und die AfD angreifen – das ist für die Parteichefs von CDU, CSU und SPD an einem Aschermittwoch nicht sonderlich schwer. Der Umgang untereinander dagegen kann heikel werden, weil die Sensibilitäten groß sind und Verwundungen schnell Ärger provozieren. Zumal Friedrich Merz, Lars Klingbeil und Markus Söder eines wissen: dass sie am besten im Frühjahr und spätestens bis zum Sommer eine gemeinsame Agenda 2.0 auf die Beine stellen müssen. Table.Briefings hat sich angesehen, wie die drei Parteichefs in dieser Gemengelage agiert haben.

Markus Söder (picture alliance/SvenSimon/Frank Hoermann)

Söder lobt sich selbst – und kann kleine Spitzen nicht lassen. Der CSU-Chef, darum beneidet ihn selbst der Kanzler, ist in der Lage, selbst größtmögliches Eigenlob als Zeichen seiner Solidarität mit anderen zu verpacken. In Passau hat er noch keine zehn Minuten geredet, da landet er beim Verhältnis zur Schwesterpartei. „Anders als früher sind wir total konstruktiv zur CDU.“ Mit Merz verstehe er sich hervorragend. „Ich bin sowieso wahrscheinlich der bravste CSU-Vorsitzende aller Zeiten.“ Ja, er sei ein großes, aber doch „Schmusekätzchen“.

Doch bevor es nett gemeint sein könnte, verteilt er Watschen – für Armin Laschet, Daniel Günther und die SPD-Linke. Söder berichtet, dass er sich mit Laschet ausgesprochen habe, freundlich, gutgelaunt, in der Staatskanzlei. Dann fügt er unter großem Gelächter hinzu: „Dummerweise habe ich erst am Schluss bemerkt, dass es Boris Pistorius war.“ Dem Kieler CDU-Regierungschef wirft er vor, der wolle mit Sozialisten regieren. „Einer unserer besten Freunde, zum Glück ist er weit weg“. Und die SPD? Für sie gibt es väterliche Worte und eine Kampfansage. Zu ihrer Lage in Bayern sagt Söder: „Viel Glück bei der Fünf-Prozent-Hürde.“ Zur Lage vor den großen Reformen, die die Koalition angekündigt hat, fügt er hinzu, dass klar werden müsse, wer der Stärkere sei in der Koalition: „Die Union hat die Wahl gewonnen und nicht die SPD.“

Lars Klingbeil (picture alliance/dpa/Lukas Barth-Tuttas)

Lars Klingbeil nutzt das „Schmusekätzchen“ als Vorlage für den eigenen Auftritt. Im bayerischen Vilshofen erklärt der SPD-Chef, ihm falle für Söder „verdammt viel“ ein: Schmusekätzchen wäre allerdings „das letzte“. Ansonsten hält sich der Finanzminister mit Seitenhieben gegen den Koalitionspartner aus Bayern zurück. Und auch den Kanzler erwähnt er mit keiner Silbe. Klingbeil spricht lieber über sein Lieblingsthema, die Außenpolitik – und zahlt dafür einen Preis: Der Applaus bei diesem Thema fällt verhalten aus.

Erst am Ende seines Auftritts, der mehr nach Grundsatzrede klingt als nach politischem Aschermittwoch, landet Klingbeil nochmal bei Söder. Er attackiert den bayerischen Ministerpräsidenten aber nicht, sondern appelliert an ihn. Gemeinsam habe man das Bürgergeld verschärft, jetzt müsse man sich um ganz andere Betrüger kümmern. „Ich schlage Markus Söder vor, dass wir uns im Jahr 2026 mal um die kümmern, die den Missbrauch am anderen Ende machen.“ Damit meint er Steuer- und Finanzbetrüger. Als zuständiger Minister habe er viel vor in diesem Bereich. „An keiner Stelle darf es Betrug auf Kosten des Staates geben“, sagt er.

Friedrich Merz (picture alliance/dpa/Harald Tittel)

Merz versucht Wahlkampf ohne Angriff und schafft dabei etwas, das bei den eigenen Leuten Eindruck hinterlassen dürfte. Der Kanzler erinnert an das Jahr 1987, als der CDU-Ministerpräsident Bernhard Vogel in Rheinland-Pfalz von der SPD abgelöst wurde. Das sei der Beginn vom Niedergang der Landespartei gewesen – bis jetzt. Mit Gordon Schnieder sei eine neue Zeit angebrochen, die CDU habe endlich wieder eine Chance auf den Wahlsieg.

Kritisches über die Sozialdemokraten kommt Merz in Trier aber nicht über die Lippen. Im Gegenteil: Er lobt die gute Zusammenarbeit in Berlin. Das wünsche er sich auch in den Ländern. Nur einmal macht er einen kleinen Seitenhieb gegen die Grünen, der indirekt auch gegen die SPD gerichtet ist. Wenn die CDU in Rheinland-Pfalz die Landesregierung übernehme, sagt Merz, „dann ist die letzte Ampel der Bundesrepublik Deutschland Geschichte“. Laura Block, Stefan Braun, Sara Sievert

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Letzte Aktualisierung: 18. Februar 2026