10. Todestag von Guido Westerwelle: In schweren Zeiten kommen Liberale und Weggefährten zusammen

Trauerfeier für Guido Westerwelle im April 2016 im Auswärtigen Amt (picture alliance/photothek/Michael Gottschalk)

10. Todestag von Guido Westerwelle: In schweren Zeiten kommen Liberale und Weggefährten zusammen. Ausgerechnet jetzt, da die FDP ums politische Überleben kämpft, treffen sich am kommenden Mittwoch, 18. März, in Berlin zahlreiche ehemalige FDP-Politiker und einstige Weggefährten, um dem vor zehn Jahren verstorbenen Guido Westerwelle zu gedenken. Auch die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel wird an der Gedenkfeier teilnehmen, wie ihr Büro auf Anfrage von Table.Briefings bestätigte.

Merkel und Westerwelle hatten trotz der Schwierigkeiten in der schwarz-gelben Koalition von 2009 bis 2013 ein gutes, fast freundschaftliches Verhältnis. Merkel hatte nach Westerwelles Tod gesagt, sie habe ihn „als empfindsamen und nachdenklichen Menschen“ gekannt, als einen verlässlichen und einen treuen Menschen. Sie habe mit ihm gemeinsam lachen können. Er habe es aber auch problemlos geschafft, sie „zur Weißglut zu bringen“.

Der ehemalige FDP-Chef Philipp Rösler hat sich ebenso angekündigt wie Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. Auch Außenminister Johann Wadephul und enge frühere Mitarbeiter Westerwelles, unter ihnen der aktuelle Vorsitzende Christian Dürr, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Cornelia Schmalz-Jacobsen, Steffen Saebisch und Marco Buschmann wollen kommen. Bemerkenswert ist auch, wer laut Organisatoren abgesagt hat: darunter Christian Lindner und Rainer Brüderle.

Der zehnte Todestag Westerwelles fällt zusammen mit der jüngsten Wahlniederlage in Baden-Württemberg. Entsprechend dürfte auch die Frage heftig diskutiert werden, ob die FDP überhaupt noch eine Zukunft hat. Zumal kein Geringerer als Bundeskanzler Friedrich Merz die Partei einen Tag nach der Wahl im Südwesten schon für politisch tot erklärt hat. Dass Merkel nun öffentlich bei der Gedenkfeier auftritt, dürfte auch ein Zeichen dafür sein, dass sie das anders sieht.

Der frühere Justizminister Marco Buschmann hat seit seinem politischen Ausscheiden geschwiegen. Er hatte sich auferlegt, nicht aus dem Off Kommentare zu geben. Nun aber sagte er Table.Briefings zur Lage des Liberalismus im Land: „Deutschland braucht drei Dinge: mehr wirtschaftliche Dynamik, mehr technologische Innovation und vor allem mehr Toleranz.“ Er meine eine Toleranz, „die es ermöglicht, öffentlich konstruktiv über die Lösung der vielen Probleme im Land diskutieren zu können, statt sich nur gegenseitig anzuschreien oder zu bezichtigen“. Sein Appell: „Deutschland braucht dringend mehr Freiheit und Liberalität. Wenn es der FDP gelingt, die Faszination dieser Ideen wieder zum Strahlen zu bringen und ihren Nutzen für das Gemeinwohl zu verdeutlichen, wird sie auch eine Zukunft haben.“ Das klingt wie ein Grußwort und eine Mahnung an alle, die sich am Mittwoch treffen werden. Stefan Braun, Michael Bröcker

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Letzte Aktualisierung: 12. März 2026