Mosambiks Infrastrukturminister Rafael: Wollen LNG schneller erschließen

Im März sorgte Mosambik für eine Riesenüberraschung: Das Land bezahlte seine Schulden beim IWF vollständig und weit vor Zeitplan. Mosambiks Infrastrukturminister Fernando Rafael erklärt im Gespräch mit Table.Briefings, was dahintersteckt und welche Geschäftsfelder sein Land künftig fördern will.

16. April 2026
Fernando Rafael, Mosambiks Minister für öffentliche Arbeiten, Wohnungsbau und Wasserkraftressourcen. (MORPH)

Erst kürzlich hat Mosambik alle Schulden beim IWF zurückgezahlt. Welche Botschaft wollen Sie damit an mögliche ausländische Investoren senden?

Mosambik ist ein Land mit einer jungen und resilienten Bevölkerung. Wir wissen, dass der IWF eine der strategischen Institutionen ist, die das Land unterstützen können. Deshalb war es aus Sicht unserer Finanzministerin entscheidend zu zeigen, dass wir bereit sind, die Schulden zu begleichen. Wir haben große Anstrengungen dafür eingesetzt, die Schulden zu tilgen, um unseren Spielraum zu vergrößern. Wir haben einen steigenden Bedarf beim Ausbau der Infrastruktur, denn wir müssen etwas für die wachsende Bevölkerung tun. Das Signal, das wir mit der Schuldentilgung senden wollen, ist also: Wir sind auf dem richtigen Weg.

Sie haben in dieser Woche den Zukunftstag Mittelstand in Berlin besucht. Warum haben Sie sich bei Ihrem Besuch auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) konzentriert?

In Mosambik liegt unser aktueller Schwerpunkt auf Energie, technologischen Neuerungen, Infrastruktur sowie auf Landwirtschaft und Bewässerung. Für uns ist es deshalb wichtig, hier zu sein, weil wir den KMU aus Deutschland signalisieren wollen, dass Mosambik offen ist und wir bereit sind, den Unternehmern volle Unterstützung zu bieten. Wir haben dafür eine Vereinbarung zwischen der deutschen und der mosambikanischen KMU‑Organisationen unterzeichnet, weil wir so eine starke Plattform für den Austausch von Informationen schaffen können. Auf diese Weise können KMU in Deutschland in Echtzeit Informationen erhalten – über die politische Lage und über wirtschaftliche Chancen. Dadurch können sie sich gezielt auf bestimmte Geschäftsbereiche konzentrieren, die zu den Bedürfnissen unseres Landes passen.

Sie haben bereits Ihre Bedarfe beim Thema Infrastruktur erwähnt. Was wollen Sie konkret ausbauen?

Wir müssen unsere Anbindung verbessern: Schienenwege und Straßen. Wir glauben, dass Entwicklung genau dort beginnt. Wir brauchen eine Verbindung zwischen dem Süden und dem Norden des Landes. Zudem leiden wir in Mosambik sehr oft unter Überschwemmungen. Deshalb konzentrieren wir uns auch darauf, Staudämme zu bauen. Im Bereich Energie arbeiten wir daran, weitere Wasserkraftwerke zu entwickeln. Denn derzeit haben wir im zentralen Teil des Landes einen großen Wasserkraft‑Staudamm, der Strom für die meisten südafrikanischen Länder, insbesondere für Südafrika, liefert. Aber das reicht nicht aus. Als Regierung arbeiten wir daran, einen weiteren Damm zu bauen, den Mphanda-Nkuwa-Staudamm, um die Nachfrage der Nachbarländer zu bedienen. Wir befinden uns noch in der Phase der Machbarkeitsstudien. Wir sind schon weit fortgeschritten dabei und suchen nach einer Finanzierung für den Bau.

Mosambik verfügt über das größte LNG-Potenzial in Afrika. Bis Ende der 2020er-Jahre sollen planmäßig die ersten Exporte der großen Onshore-Projekte erfolgen. Sind Sie noch auf Kurs mit diesem Zeitplan?

Ja, auf der Exportseite sind wir auf Kurs. Wir haben das Projekt wieder angekurbelt und unser Präsident, Daniel Chapo, setzt alles daran, die Erschließung des LNG zu beschleunigen.

Führt auch der Iran-Krieg und die steigende Nachfrage zu einer Beschleunigung des Ausbaus?

Alle Herausforderungen schaffen auch Chancen. Denn wir sind als Land geografisch günstig gelegen. Ja, wir können eine Option für die Welt sein, was die Erschließung und den Export dieser Erdgasvorkommen angeht.

Nach den US-Sanktionen gegen das ruandische Militär ist unsicher, ob ruandische Truppen zur Sicherheit in Cabo Delgado stationiert bleiben können. Welche Auswirkungen hätte ein Abzug?

Unsere Regierung bekämpft die Terroristen in Cabo Delgado mit Unterstützung aus den SADC-Ländern. So können die Investitionen dort gesichert werden. Derzeit ist die Lage unter Kontrolle. Deshalb kommen die spezialisierten LNG‑Unternehmen jetzt zusammen, um die Erschließung dieser natürlichen Ressourcen zu beschleunigen. Wir können heute sagen, dass wir politisch sehr stabil sind, und in Cabo Delgado breitet sich das, was dort passiert, nicht aus. Wir beobachten es, kontrollieren es und werden es unter Kontrolle halten, bis wir diese hohe Risikolage dort beseitigt haben.

Also spielt die Präsenz der ruandischen Truppen keine entscheidende Rolle?

Sie spielen seit Beginn eine gute Rolle, zusammen mit der SADC‑Kooperation. Wir stärken diese Beziehung und glauben weiterhin, dass es sehr wichtig ist, sie dort zur Unterstützung zu haben. Denn die Ressourcen dort sind für unsere Entwicklung von entscheidender Bedeutung.

Letzte Aktualisierung: 17. April 2026