Miles-CEO: Bisherige Autobesitzer erreicht Carsharing kaum

Miles-CEO sieht Carsharing als Alternative für Menschen ohne eigenes Fahrzeug. Für bestehende Autobesitzer bietet das Modell kaum Reiz, da Gewohnheiten und bestehende Verträge dominieren.

28. März 2026

Der Kampf um das Privatauto wird nicht bei derzeitigen Autobesitzern gewonnen. Das ist die zentrale Überzeugung von Oliver Mackprang, CEO von Miles, Deutschlands größtem konzernunabhängigen Carsharing-Anbieter. Wer bereits mehrere Leasingverträge hinter sich hat und regelmäßig zum Händler seines Vertrauens geht, den erreicht Carsharing kaum. Anders sieht es bei Menschen aus, die noch kein eigenes Auto besitzen – und die erstmals nüchtern durchrechnen, was ein Kleinwagen inklusive Zulassung, Versicherung und Wartung tatsächlich kostet: „Diese Menschen nehmen Abstand vom eigenen Auto“, sagt Mackprang im Gespräch mit Table.Today.

Das Potenzial dieser Gruppe ist groß – aber die Geduld muss es auch sein. Die durchschnittliche Haltedauer eines Pkw liegt bei sieben Jahren. Wer heute ein Auto kauft, kommt frühestens 2032 wieder an diesen Entscheidungspunkt. Bis dahin müsse vieles stimmen, erklärt Mackprang: „In den Städten muss auch der ÖPNV stark ausgebaut sein – diese Sachen müssen auch passen“, damit jemand in diesem Moment sagt, er erneuere nicht. Über 40 Millionen Pkw sind in Deutschland zugelassen.

Rund 26 Prozent aller Führerscheinbesitzer in Berlin nutzen Miles bereits jährlich. Das Unternehmen hat knapp 15.000 Fahrzeuge auf der Straße, will dieses Jahr im zweistelligen Prozentbereich wachsen und hat Anfang März 2.500 neue Opel-Hybride für die Flotte angekündigt. Abgerechnet wird nach Kilometern, nicht nach Minuten – was für jene gut ist, die langsam durch die Stadt fahren.

Dass E-Autos den Umstieg beschleunigen, glaubt Mackprang nicht – zumindest nicht kurzfristig. Bei Tagesmieten werden Elektrofahrzeuge bei Miles schlechter gebucht als Verbrenner. „Die Leute haben Angst – man möchte vielleicht nicht mit einem E-Auto an die Ostsee fahren, weil man nicht weiß, wo man laden kann“, beschreibt er das Nutzerverhalten. Die Preise hat Miles trotz gestiegener Benzinkosten bislang nicht angepasst – Mackprang schließt es aber nicht aus. Alex Hofmann

Wie Mackprang den Algorithmus hinter dem Geschäftsgebiet erklärt, warum E-Autos bei Tagesmieten schlechter laufen als Verbrenner und ob Miles auf dem Weg zur Profitabilität ist – hören Sie in der CEO-Edition des Podcasts Table.Today.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 28. März 2026