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Arktis-Politik: Wie sich wegen Trump der Blick auf den hohen Norden verändert

Donald Trumps Anspruch auf Grönland hat die Arktis ins Zentrum geopolitischer Machtfragen gerückt. Statt Klimaschutz dominieren nun Sicherheitsinteressen, militärische Präsenz und die Frage, welche Rolle Europa und die Nato im hohen Norden spielen.

Russlands Atomeisbrecher Jamal (picture alliance / dpa | Staatsbetrieb Rosatomflot)

Die Arktis ist zum neuen Hotspot der Geopolitik geworden. Seit Donald Trump Ansprüche auf Grönland, die größte Insel der Welt, angemeldet hat, stellt sich die Frage, wer die unwirtliche, aber strategisch wichtige Region im hohen Norden kontrolliert. Dabei hat sich der Blick auf die Arktis grundlegend verändert. War bis zu Trumps Griff nach Grönland der Klimawandel das wichtigste Thema, so geht es nun vor allem um die militärische Sicherheit.

Eisbrecher: Strategisches Ungleichgewicht zugunsten Russlands

Das zeigt sich dieser Tage bei der Arctic-Frontiers-Konferenz in Tromsø im Norden Norwegens. Wenn sich dort in den vergangenen Jahren Politiker und Wissenschaftler aus mehr als 40 Nationen trafen, ging es in der Regel um Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Forschungskooperationen. In diesem Jahr ist das anders. Statt des schmelzenden Eises in der Arktis sei nun die Sicherheitsfrage ein „hot topic“, sagte Norwegens Außenminister Espen Barth Eide am Dienstag.

Trumps Wunsch, Grönland zu übernehmen, hat die Europäer und Kanadier aufgeschreckt. Der US-Präsident begründete seinen Schritt mit der angeblichen Gefahr aus Russland und China für die arktische Region und damit für die Sicherheit der USA. Daraufhin versprachen die Europäer, sich stärker zu engagieren, und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas kündigte in Tromsø an, dass die Europäische Union ihre Arktisstrategie aktualisieren werde. Grönland solle künftig als zentraler Pfeiler des veränderten Sicherheitsumfelds betrachtet werden, sagte Kallas. Sie betonte aber, dass nicht nur Soldaten und Schiffe für Sicherheit sorgten, sondern auch resiliente Gesellschaften, vertrauenswürdige Institutionen und eine sichere Infrastruktur.

Die westlichen Arktis-Anrainer sorgen sich vor allem wegen der militärischen Aufrüstung Russlands und dem wachsenden chinesischen Interesse an Ressourcen. Wie ein gemeinsames Engagement zur Sicherung der Region konkret aussehen soll, ist allerdings derzeit noch offen. Klar ist jedoch: Das wird weniger eine Aufgabe der EU sein als der Nato. Eine Überwachungsmission namens „Arctic Sentry“, über die seit Wochen gesprochen wird, wird immer wahrscheinlicher. Auch Deutschland hat signalisiert, sich mit Seefernaufklärern zu beteiligen. Die Allianz hätte dabei gerne die USA an Bord. Doch noch ist unklar, wie sich Trump dazu verhalten wird.

Bislang haben die Europäer die Arktis nur am Rande in ihre militärischen Strategien einbezogen. Und ohne die Fähigkeiten der USA sind die europäische Nato und Kanada nur eingeschränkt handlungsfähig. Sie könnten zwar Präsenz zeigen, doch bliebe das nur ein begrenztes maritimes Gegengewicht zur russischen Nordmeerflotte.

Was die Europäer zur Sicherung der Arktis beitragen könnten, lesen Sie im Security.Table. Wie die Sicherheitsdebatte chinesische Investitionen in der Region beeinflusst, steht im China.Table. Hören Sie zu dem Thema auch den Podcast ab 5 Uhr hier.

Table.Today mit Michael Bröcker und Helene Bubrowski. "Wer bekommt die Kontrolle über die Arktis?"

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Letzte Aktualisierung: 03. Februar 2026