CEO.Table Executive Summary

So weitreichend ist die Rüstungsindustrie verknüpft

14. Februar 2026
Setzen Akzente im deutschen Rüstungsbereich: Florian Seibel (Gründer von Quantum und Stark), Investor Peter Thiel, Rheinmetall-Chef Armin Papperger und Investorin Jeannette zu Fürstenberg

Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz wird klar, wie europäische Rüstung funktioniert: nicht (nur) als Wettbewerb, sondern als Netzwerk. Das machen etwa Hensoldt und das KI-Start-up Helsing mit der besiegelten Absichtserklärung zur gemeinsamen Entwicklung des autonomen Kampfflugzeugs CA-1 Europa deutlich – oder Quantum Systems, das gemeinsam mit Frontline Robotics die Drohnenproduktion für die Ukraine startet. Es werden keine Produktdeals sichtbar, sondern ein Strukturprinzip: Kooperationen, Beteiligungen und gemeinsame Firmengründungen nehmen zu, in einem Ausmaß, das andere Industrien kaum kennen. Und sie umfassen Milliardenbeträge.

Hensoldt ist dabei ein Knotenpunkt im Netzwerk. An dem Konzern, der selbst als Ausgründung aus Airbus’ Rüstungselektronik hervorging, halten die staatliche Förderbank KfW und der italienische Konzern Leonardo jeweils rund ein Viertel. Hensoldt selbst ist direkt in Quantum Systems investiert – einen führenden europäischen Anbieter für KI-gestützte Drohnen, zuletzt mit drei Milliarden Euro bewertet (siehe auch CEO.Talk). Gleichzeitig arbeiten Hensoldt, Helsing und der norwegische Konzern Kongsberg an einer gemeinsamen europäischen Satellitenaufklärungskonstellation, die bis 2029 einsatzfähig sein soll.

Unter CEO Armin Papperger betreibt der Dax-Konzern Rheinmetall eine Expansion, die das Unternehmen systematisch in nahezu jede Dimension der europäischen Rüstungsarchitektur bringt. 2025 kaufte der Konzern sich mit der Übernahme von Lürssens NVL ins Marinegeschäft ein. Bei Joint Ventures strebt Rheinmetall meist die Mehrheit an – auch beim deutschen Starlink-Konkurrenten, für den sich der Konzern gerade gemeinsam mit dem Bremer Anbieter OHB in Stellung bringt, könnte das laut Insidern das Ziel sein. Eine wichtige Ausnahme ist das 50:50-Joint Venture Leonardo Rheinmetall Military Vehicles (LRMV).

Doch nicht immer funktioniert die Verflechtung. Im September 2022 kündigten Rheinmetall und Helsing eine strategische Partnerschaft an, um landbasierte Verteidigungsfähigkeiten der nächsten Generation zu entwickeln. Materialisiert hat sich das Vorhaben nicht.

Ein aktiver europäischer Cross-Holder in der Branche ist Leonardo. Der italienische Konzern – der Staat hält rund 30 Prozent – sitzt gleichzeitig mit 25 Prozent bei der Lenkwaffenallianz MBDA, mit 21 Prozent bei der Eurofighter GmbH und jenen 50 Prozent bei LRMV, das Kampf- und Schützenpanzer für den italienischen Markt liefert: Programmvolumen rund 23 Milliarden Euro, Exportpotenzial bis zu 50 Milliarden Euro. Im Oktober 2025 folgte ein Memorandum of Understanding mit Airbus und Thales für ein gemeinsames Raumfahrt-Joint-Venture mit rund 6,5 Milliarden Euro Umsatz und 25.000 Mitarbeitern.

Im Start-up-Ökosystem ist die Verflechtung noch dichter. Quantum-Systems-Mitgründer Florian Seibel gründete 2024 parallel Stark Defence und wurde dabei von denselben Kreisen unterstützt: Peter Thiel ist bei beiden präsent – sein Kapital hat Stark jetzt zum Milliardenunternehmen gemacht, wie am Rande der MSC bekannt wurde und das Unternehmen auf Nachfrage von Table.Briefings bestätigte. Project-A-Mitgründer Uwe Horstmann ist CEO von Stark und war zuvor über Project A in Quantum Systems investiert. Entstanden ist ein dichtes Geflecht aus Ex-Soldaten, Drohnenpionieren und Rüstungsinvestoren rund um die Technische Universität München und die Bundeswehr-Universität: Dieselben Personen gründen, investieren, beraten und kaufen auf.

Den institutionellen Rahmen dieser Szene mitgeprägt hat auch Jeannette zu Fürstenberg. Die Europa-Chefin von General Catalyst sitzt im Board von Helsing und ist damit eine der wenigen, die gleichzeitig Zugang zum deutschen KI-Rüstungs-Start-up und zu dessen US-Vorbild Anduril hat – und die ihre Stimme konsequent auf politischer Bühne einsetzt, gerne auch an der Seite von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Die Konsolidierung läuft bereits auf Hochtouren. Quantum Systems übernahm im Dezember 2025 das autonome Fahrzeug-Start-up Fernride, Helsing kaufte den Unterwasserdrohnen-Spezialisten Blue Ocean. Das Kapital folgt: Schon 2024 sammelten europäische Defence-Tech-Start-ups rund eine Milliarde Euro ein – für 2025 schätzt Dealroom die Summe auf mehr als das Doppelte.

Das verändert auch die Investorenlogik grundlegend. Rund 43 Prozent der europäischen ESG-Fonds hält laut Morningstar mittlerweile Anteile an Verteidigungsunternehmen. Die Anpassung der ESG-Regeln ermöglichten unter anderem den 150 Millionen Euro schweren Kredit, den das Drohnen-Start-up Quantum Systems nun von EIB, KfW und Hausbanken erhalten hat. Was lange als Tabu galt, ist zum attraktiven Investitionsfeld geworden – mit einer strukturellen Besonderheit: Wer hier investiert, investiert fast zwangsläufig mehrfach in dasselbe Netzwerk.

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Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2026