Quantencomputing am Wendepunkt: Wie weit Deutschland bei der Umsetzung der Hightech-Agenda ist

Eine neue McKinsey-Studie sieht Quantencomputing am kommerziellen Kipppunkt. Doch während Investitionen explodieren, zeigt ein Blick auf die Umsetzung der Hightech-Agenda (HTA): Der Weg von Forschung zu Anwendung bleibt Deutschlands kritischer Engpass.

02. Mai 2026

Quantencomputing hat laut einer neuen Studie von McKinsey & Company den Sprung vom Forschungsthema zur strategischen Managementfrage geschafft. Weltweit haben sich die Investitionen in Quantum-Start-ups binnen eines Jahres auf 12,6 Milliarden US-Dollar in etwa versechsfacht, während die Branche – rund 300 Unternehmen weltweit – erstmals mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz erzielt. Die Technologie werde damit vom Zukunftsversprechen zum akuten Wettbewerbsfaktor.

Entscheidend ist die Verzahnung von exzellenter Forschung und wirtschaftlicher Anwendung. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse von Table.Briefings und Elsevier zum Fortschritt, den die Bundesregierung mit der Hightech-Agenda (HTA) in diesem Bereich macht. Das Zwischenfazit: Deutschland zählt zwar in der Quantenforschung zur Weltspitze, beim Transfer in marktfähige Anwendungen hinkt man jedoch noch hinterher. Mit der Hightech-Agenda will die Bundesregierung genau diese Lücke schließen.

Die Fachcommunity bewertet die bisherige Umsetzung der Hightech-Agenda gemischt. Die wettbewerbliche Ausrichtung der im April veröffentlichten Quantum Computing Initiative wird gelobt, zugleich gilt die klassische Förderlogik als zu wenig wirksam für den industriellen Wettbewerb. Robert Axmann, Leiter der DLR Quantencomputing-Initiative, gibt im Gespräch mit Table.Briefings zu bedenken: „Zur Frage, welches Vergabeinstrument der Markt braucht, gibt uns die Industrie eine klare Antwort: Sie braucht Aufträge.“

Die Priorisierung von Quantentechnologien wird positiv gesehen, doch die starke Ausrichtung auf Skalierung und große Demonstratoren greift laut Experten zu kurz. „Wichtiger als ein Wettbewerb der Standorte ist ein Wettbewerb der Ideen“, betont der Berliner Quantenforscher Jens Eisert. Entscheidend seien nicht allein Größe und Hardware, wo US-Techgiganten wie Alphabet oder IBM führend seien, sondern das Zusammenspiel von exzellenter Grundlagenforschung, kreativen Ideen und engen Kooperationen. Gerade darin liege eine besondere Stärke Deutschlands.

Die Ziele der Hightech-Agenda halten die Experten für ambitioniert, aber nicht unrealistisch. Bis 2030 sollen unter anderem zwei leistungsfähige, fehlerkorrigierte Quantencomputer auf europäischem Spitzenniveau realisiert werden und auch für industrielle Anwendungen bereitstehen. Gleichzeitig setzt die Strategie auf den Ausbau von Software-Ökosystemen und konkreten Use Cases in Spezialfeldern. Nach eigenen Angaben hat das BMFTR für die laufende Legislaturperiode 2,2 Milliarden Euro für die Förderung im Bereich Quantentechnologien eingeplant. Tim Gabel

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Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2026