E-Autos: Die Förderungen erhöhen die Nachfrage

Hohe Spritpreise und staatliche Förderung geben dem E-Auto-Markt in Deutschland neuen Schwung. Obwohl die Nachfrage steigt, fehlt es insbesondere an privaten und wohnortnahen Ladepunkten.

Elektroautos: Neuzulassungen in Deutschland steigen langsam. Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.

Der jüngste starke Anstieg der Benzinpreise könnte der Elektromobilität in Deutschland neuen Schwung verleihen. „Ich kann mir vorstellen, dass die Aktualität im Moment den einen oder anderen darüber nachdenken lässt, wie das nächste Auto angetrieben sein soll“, sagt Opel‑CEO und Stellantis‑Deutschlandchef Florian Huettl im Podcast Table.Today.

Die neue Kaufprämie verleiht dem E‑Auto‑Markt Rückenwind. Huettl betont, dass die Reaktion auf die Förderung besonders stark ausfalle: „Die Reaktion auf die staatliche Unterstützung, die für kleine und mittlere Einkommen gezielt zur Verfügung steht, die ist sehr, sehr gut, wir haben eine hohe Nachfrage.“ Nach über zwei Jahren ohne Zuschuss hat die Bundesregierung ein neues Förderprogramm aufgelegt, das drei Milliarden Euro für sozial gestaffelte Zuschüsse von bis zu 6.000 Euro umfasst. Die vorherige Streichung des Umweltbonus im Dezember 2023 hatte zu massiven Einbrüchen bei den Neuzulassungen geführt.

Die aktuellen Zulassungszahlen bestätigen nun eine deutliche Erholung des Markts. Bei batterieelektrischen Pkw stiegen die Neuzulassungen nach Angaben des Kraftfahrt‑Bundesamts gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 43,2 Prozent. Mit 545.142 Fahrzeugen erreichten sie einen Marktanteil von 19,1 Prozent (siehe Grafik). Für 2026 erwartet Huettl einen weiteren Zuwachs: „Ich gehe davon aus, dass wir dieses Jahr in Richtung 25 Prozent Mix im Personenwagenbereich in Deutschland gehen werden.“

Die meisten Hersteller zweifeln nicht daran, dass sich der E-Antrieb durchsetzen wird. „Die Elektromobilität wird die überlegene Technologie sein“, sagt Volkswagen-CEO Oliver Blume. „Wir spüren das jetzt schon in der zweiten, dritten Generation – Reichweiten sind da, Ladezeiten werden immer kürzer. Es ist einfach die deutlich smartere Antriebsvariante.“

Ausschlaggebend für den Erfolg ist die Einführung günstigerer Modelle, die den Massenmarkt adressieren. Mit Blick auf die Frage nach dem Verbrenner-Aus fordert der VW-Chef Realismus statt Überregulierung. „Man kann nicht anordnen, welchen CO₂-Verbrauch ein Fahrzeug am Ende haben darf. Man muss realistisch auf die Märkte schauen“, so Blume beim FAZ-Kongress am Freitag. Es brauche Übergangszeiträume – etwa von 2028 bis 2032 – und motivierende Anreize: zum Beispiel „kleinere Elektrofahrzeuge, die erschwinglich sind […] und in Europa produziert werden“.

Tatsächlich gibt es Fortschritte bei bezahlbaren Modellen. Der Thinktank Transport & Environment erwartet, dass in immer mehr Fahrzeugsegmenten in Europa Preisparität erreicht wird. Der Durchschnittspreis neuer Elektroautos sank erstmals; 2025 lag er mit 42.700 Euro um 1.800 Euro beziehungsweise vier Prozent niedriger als im Vorjahr. Für die kommenden Jahre prognostiziert T&E weiter steigende Marktanteile: Für 2026 erwartet der Verband einen Elektroanteil von 23 Prozent, für 2027 von 28 Prozent.

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Neben erschwinglichen Preisen ist auch eine zuverlässige Ladeinfrastruktur entscheidend. „Beim Verbrenner haben wir über Jahrzehnte ein Tankstellennetz aufgebaut, jetzt geht es um die Ladeinfrastruktur, die mittlerweile sehr gut wird auf den Langstrecken. Es geht aber auch darum, Ladeinfrastruktur in die Städte zu bringen, in die regionalen Gebiete“, sagt Blume. Ein entscheidender Faktor seien dabei auch die Energiekosten. „Wenn das alles zusammen gegeben ist, braucht man keine Regulatorik mehr – dann funktioniert es.“ Laut aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur gab es im Februar in Deutschland 196.353 Ladepunkte – ein Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Dennoch fehlen insbesondere Ladestationen an Mietwohnungen und in dicht besiedelten Innenstädten, ein Bereich, der weiterhin als kritischer Engpass gilt.

Um diese Lücke zu schließen, setzt das Bundesverkehrsministerium nun stärker auf den Ausbau privater und wohnortnaher Ladepunkte. Das neue Förderprogramm „Ladeinfrastruktur in und an Mehrparteienhäusern“ stellt dafür bis zu 500 Millionen Euro bereit. Die Förderung umfasst Ladepunkte mit einer Leistung von bis zu 22 Kilowatt.

Parallel unternimmt die Politik Schritte, um die Auswirkungen der hohen Benzinpreise im Zusammenhang mit dem Irankrieg abzufedern. Am Donnerstag hat der Bundestag das Kraftstoffmaßnahmenpaket von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche beschlossen. Künftig dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen, orientiert am österreichischen Modell. Bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 100.000 Euro. Zudem wird die Beweislast im Kartellrecht umgekehrt, sodass Mineralölkonzerne bei Verdacht auf überhöhte Preise deren Rechtfertigung selbst liefern müssen. Die Bundesregierung behält sich weitere Maßnahmen vor: Eine Erhöhung der Pendlerpauschale und eine Senkung der Stromsteuer werden derzeit diskutiert.

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Letzte Aktualisierung: 28. März 2026