Wie der Motorenbauer Deutz in die Verteidigungsindustrie investiert

Das Kölner Unternehmen plant, einen wachsenden Teil seines Umsatzes in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu erwirtschaften. Dafür will es mit klassischen Rüstungskonzernen und jungen Defense-Start-ups zusammenarbeiten.

17. April 2026
Deutz AG: Der Motorenbauer will das Rüstungsgeschäft ausbauen.
Deutz AG: Der Motorenbauer will das Rüstungsgeschäft ausbauen. (picture alliance / SvenSimon)

Der Kölner Motorenbauer Deutz will sein Geschäft in der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie weiter gezielt ausbauen. Bis 2030 plant das Unternehmen derzeit mit einem Umsatzbeitrag von rund 300 Millionen Euro in diesem Bereich. „Wir sehen hier erhebliches Wachstumspotenzial“, sagte Marco Herre, CEO der Defense-Sparte von Deutz, gegenüber Table.Briefings. Der Umsatz im Defense-Bereich lag zuletzt im mittleren zweistelligen Millionenbereich. Insgesamt strebt Deutz bis 2030 einen Konzernumsatz von etwa vier Milliarden Euro an.

Lange war das Rüstungsgeschäft für Deutz ein Randthema. Das Unternehmen ist bekannt für Motoren, die in Fahrzeugen der Agrar- und Bauindustrie verbaut werden. Das Defense-Geschäft habe man „vor der Zeitenwende 2022 sehr opportunistisch betrieben“, sagt Herre. 2025 habe die Unternehmensleitung dann beschlossen, aus dem Defense-Geschäft eine eigenständige Go-to-Market-Unternehmenssparte zu gründen. Sie soll das gesamte Produktportfolio des Konzerns – von Verbrennungsmotoren über batterieelektrische Antriebe – in den Verteidigungsmarkt tragen.

Deutz will mit klassischen Rüstungskonzernen und jungen Defense-Start-ups zusammenarbeiten. Die Defense-Strategie steht so auf zwei Säulen. Einerseits positioniert sich das Unternehmen als Zulieferer für die klassische Rüstungsindustrie. Andererseits hat Deutz den wachsenden Markt der Defense-Start-ups im Blick.

Vergangenes Jahr beteiligte sich der Kölner Motorenbauer an Tytan Technologies und Arx Robotics. Zuvor übernahm man mit der Sobek-Gruppe einen Hersteller von Drohnenantrieben. Arx und Tytan steht Deutz als strategischer Partner zur Seite:

  • Für Arx Robotics stellt Deutz Produktionskapazitäten zur Verfügung – und will so bei der Skalierung helfen. Die Bodendrohne Gereon des Münchner Unternehmens wird künftig von Deutz-Mitarbeitern im Werk in Ulm zusammengeschraubt.

  • Tytan hingegen bezieht den Antrieb der eigens entwickelten Abfangdrohnen vom Kölner Unternehmen. Außerdem arbeitet man gemeinsam an Energiesystemen für Launcher-Anwendungen.

Auch die Start-ups profitieren von der Kooperation, sagt der Deutz-Manager. „Für die Start-ups ist es auch ein wichtiges Signal nach außen: Ich habe einen starken Partner im Rücken. Wenn ich beauftragt werde, dann kann ich auch liefern“, meint Herre. Genau diese Glaubwürdigkeit fehle vielen jungen Defense-Tech-Unternehmen noch.

Um die Umsatzziele im Verteidigungsbereich zu erreichen, setzt Deutz auf organisches und anorganisches Wachstum. Man wolle bestehende Antriebe in den Rüstungsmarkt einbringen und weitere Zukäufe oder Beteiligungen tätigen, so Herre. Dabei versteht sich Deutz ausdrücklich nicht als klassischer Venture-Capital-Investor: „Wir werden nicht einfach Kapital investieren, um auf eine hohe Rendite zu hoffen.“ Investitionen wolle das Unternehmen mit einer „Zusammenarbeit auf Produktseite oder eine Industrialisierungspartnerschaft“ verbinden.

An den beiden Start-ups hält Deutz jeweils eine Minderheitsbeteiligung. An Arx Robotics hält Deutz laut dem Unternehmensregister rund vier Prozent der Unternehmensanteile. Die Beteiligung an Tytan bezeichnet das Kölner Traditionsunternehmen auf Nachfrage als „strategische Minderheitsbeteiligung“.

Weitere Teile des Gesprächs mit Deutz-Defense-Chef Marco Herre hören Sie außerdem in der aktuellen Folge des Podcasts Table.Today.

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Letzte Aktualisierung: 17. April 2026