Umwelttechnologie: Welches Potenzial die unterschätzte Branche für die Volkswirtschaft hat

Im Schatten der kriselnden Automobil- und Elektroindustrie bleibt eine boomende Branche oft übersehen. Umwelttechnologien wachsen seit Jahren überdurchschnittlich und könnten entscheidend für Wirtschaftskraft, Klimaziele und geopolitische Unabhängigkeit sein.

Ein Offshore-Windpark in Küstennähe (picture alliance/Robin Utrecht)

Debatten um die Zukunftsfähigkeit der Industrie sind in Deutschland stark von der Krise der Wirtschaft und der Geopolitik geprägt. Dabei geht es vor allem um die Automobil- und die Chemieindustrie. Verglichen damit finden Umwelttechnologien wenig Beachtung. Dabei ist die Green-Tech-Branche essenziell für Deutschland. Sie sei „seit mehr als 15 Jahren kontinuierlich gewachsen – und zwar schneller als die klassischen Industriezweige“, sagt der Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, Alexander Bonde, Table.Briefings. „Mit Umwelt- und Klimaschutz lässt sich Geld verdienen“.

Von einer Schlüsselbranche der Volkswirtschaft spricht auch Jannis Lambert, einer der Autoren des 2025 erschienenen Green Tech Atlas. Mit fast 315 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung stellt sie einen Anteil von neun Prozent an der Gesamtwertschöpfung. Die Branche beschäftigt mehr als 3,4 Millionen Menschen. „In aktuellen Projekten sehen wir, dass sich die positiven Entwicklungen von 2024 und 2025 fortsetzen, aber etwas abflachen“, sagt Lambert Table.Briefings. Grund sei zum einen die Konkurrenz aus China, zum anderen das Problem, dass die Transformation inzwischen oft in Frage gestellt werde.

Dabei seien die Umwelttechnologien sowohl wirtschaftlich als auch industriepolitisch wichtig für Deutschland. Das sagt Sarah Brückner, Leiterin des Bereichs Umwelt und Nachhaltigkeit beim VDMA. Sie helfen bei der Erreichung der internationalen Klimaziele, „sichern Wertschöpfung, reduzieren Abhängigkeiten bei Energie und Vorprodukten und tragen zur technologischen Souveränität Europas bei“.

Die Branche will das ab Montag unter Beweis stellen. Dann beginnt in München die IFAT. Die „Weltleitmesse“ für Umwelttechnologien und Kreislaufwirtschaft lockt auch die Politik an. Zur Eröffnung werden Umweltminister Carsten Schneider und EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall erwartet. Die 3.400 Aussteller würden vier Tage lang „nichts Geringeres als die Lösungen für die aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen präsentieren“, sagt Stefan Rummel, CEO der Messe, Table.Briefings. Daher wünscht er sich noch einen anderen Gast: Friedrich Merz. Angesichts der „enormen Bedeutung“ der Themen halte er es für angemessen, wenn sich der Bundeskanzler künftig ebenfalls ein eigenes Bild machen würde, so Rummel. Warum sich Umwelttechnologie als neues Innovationsnarrativ eignet, lesen Sie im ESG.Table.

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Letzte Aktualisierung: 30. April 2026