Schwarz-Gruppe hat große Hoffnung auf deutsch-kanadisches „AI-Powerhouse“

Hinter der Fusion steckt mehr als ein privater Deal. Mit politischer Rückendeckung entsteht ein Anbieter für souveräne KI abseits der US-Dominanz – besonders für Behörden und regulierte Branchen.

25. April 2026
Rolf Schumann (Co-CEO Schwarz Digits) nimmt an der Pressekonferenz zur deutsch-kanadischen Partnerschaft für souveräne KI im Haus der Bundespressekonferenz teil.
Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits, will die Fusion der KI-Firmen unterstützen - mit einem 500 Millionen Euro Invest. (picture alliance/dpa | Michael Kappeler)

Diese Fusion zweier Tech-Unternehmen ist besonders: Zur Bekanntgabe des Zusammenschlusses des kanadischen KI-Unternehmens Cohere mit dem deutschen Aleph Alpha luden Bundesdigitalminister Karsten Wildberger und sein kanadischer Amtskollege Evan Solomon ein. Sie verkündeten den Start eines „deutsch-kanadischen AI-Powerhouse“.

Ziel ist ein eigenes Large Language Modell (LLM) – nicht aus den USA, nicht chinesisch, sondern „souverän“. Eine KI für den öffentlichen Sektor und Unternehmen sowie für alle stark regulierten und sicherheitsrelevanten Bereiche: Behörden, Verteidigung, Finanzbranche, Energieversorgung, Gesundheitswesen, Telekommunikation. Der „globale AI-Champion“ solle „sicher, souverän, wettbewerbsfähig“ und eine „echte Alternative – made in Germany, made in Canada“ sein, so Wildberger.

Die Erwartungen sind riesig. Auch Aidan Gomez, Gründer und CEO von Cohere, Samuel Weinbach, Co-Founder von Aleph Alpha, und Rolf Schumann, Co-CEO von Schwarz Digits waren in der Bundespressekonferenz. Schwarz Digits, die IT- und Digitalsparte der Schwarz-Gruppe (u.a. Lidl, Kaufland), hält als strategischer Ankerinvestor seit Anfang des Jahres rund 20 Prozent der Anteile von Aleph Alpha.

Es sei eine Fusion, kein Exit, betont Schumann im Gespräch mit Table.Briefings. „Wir freuen uns hier finanziell unterstützen zu dürfen“, formuliert Schumann es. Im Rahmen einer bevorstehenden Finanzierung von Cohere wird Schwarz Digits als Lead-Investor 500 Millionen Euro in Form einer strukturierten Finanzierung geben. „Für uns war das einfach der nächste logische Schritt.“

Schwarz Digits sehe sich hier nicht als ein klassischer VC-Investor, sagt Schumann. Es geht ihm um mehr. „Wir haben von Anfang an die Vision erkannt: Wir brauchen unabhängige KI-Exzellenz und souveräne Digitalität.“ Aleph Alpha sei mehrfach totgesagt worden. Trotzdem hätten sie immer wieder Geld gegeben. „Weil wir den USP klar gesehen haben.“ Das, und das große Talent, das am deutschen KI-Pionier arbeitet. „Eine zentrale Frage war für uns immer: Wie können wir die Talente hier halten?“

Für die Schwarz Digits ist das Investment in die Verschmelzungs-Firma auch strategisch. Um die viel beschworene Souveränität und Unabhängigkeit von US-amerikanischen Tech-Firmen zu garantieren, soll die transatlantische KI-Firma auf Stackit setzen – die Cloud-Plattform der Schwarz-Gruppe. Stackit werde das „technische Rückgrat dieser transatlantischen KI-Initiative“, so Schumann.

Bei der Fusion kommen ungleiche Partner zusammen. Cohere wurde im Rahmen der letzten Finanzierung im Sommer 2025 mit 6,8 Milliarden Dollar bewertet, Aleph Alpha bei der letzten Runde vor zwei Jahren mit 446 Millionen Euro. Nicht bestätigt ist die in den Medien kursierende Bewertungssumme des deutsch-kanadischen Powerhouse von 20 Milliarden Dollar. Dennoch: „Das ist keine Geschichte, in der ein Unternehmen das Land verlässt“, beteuert Kanadas KI-Minister Solomon. Das fusionierte Unternehmen habe eine „doppelte Staatsbürgerschaft“, erklärt sein deutscher Amtskollege Wildberger.

Was einerseits ein privatwirtschaftlicher Deal ist, hat anderseits politische Tragweite. Man könnte aus den Entwicklungen der vergangenen Woche herauslesen: Er wurde sogar von der Politik eingefädelt. Schumann bestätigt das nicht: „Es war viel mehr so, dass alle mit allen gesprochen haben und klar war, was als Nächstes passieren musste.“

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Letzte Aktualisierung: 25. April 2026