Chemiebranche: Vier Krisenjahre, ein Notfallplan

04. April 2026

Den deutschen Chemieunternehmen droht das vierte Krisenjahr in Folge. Seit dem Rekordjahr 2022 ist der Umsatz der Branche um 22 Prozent eingebrochen, mehr als 13.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Allein 2025 sank der Umsatz um 2,9 Prozent, die Beschäftigung um zwei Prozent. Der Export schrumpfte um drei Prozent – während chinesische Hersteller ihre Lieferungen nach Europa um fast 23 Prozent steigerten, wie das Wirtschaftsprüfungsunternehmen EY analysiert hat. Das Handelsbilanzdefizit der EU mit China bei Chemieprodukten weitete sich von 9,2 auf 22,5 Milliarden Euro aus.

Die Zahlen dahinter sind drastisch: 45 Insolvenzverfahren gab es in der deutschen Chemieindustrie im vergangenen Jahr, 44 im Jahr davor, 48 im Jahr 2023 – die Pleitewelle hat sich auf hohem Niveau eingependelt. Davor lag der Durchschnitt bei 30. Jeder einzelne Ausfall reißt Lücken in Lieferketten, die von der Automobil- bis zur Pharmaindustrie reichen.

Der Iran-Krieg verschärft die Lage und zwingt die Branche zu drastischen Preiserhöhungen. BASF erhöht die Preise für Standard-Amine um rund 30 Prozent, Lanxess verlangt für Flammschutzmittel bis zu 35 Prozent mehr, für Weichmacher-Additive sogar bis zu 50 Prozent. Auch Wacker Chemie, Covestro und Evonik haben Preise angehoben oder Erhöhungen angekündigt. Kurzfristig profitieren einige Hersteller, weil asiatische Wettbewerber stärker von den Lieferunterbrechungen am Golf betroffen sind.

Ende März hat die Bundesregierung gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften die „Chemieagenda 2045“ vorgelegt. Kernpunkte: ein staatlich subventionierter Industriestrompreis, eine Ausweitung der Strompreiskompensation und auf EU-Ebene eine längere Zuteilung kostenloser CO₂-Zertifikate an energieintensive Unternehmen. Zudem will sich die Regierung für Vereinfachungen im EU-Chemikalienrecht einsetzen. Um Erfolgreich zu sein, müssen die Maßnahmen schnell greifen. Alex Hofmann

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Letzte Aktualisierung: 04. April 2026