Vom Iran-Krieg in die europäische Schuldenkrise?

Kriege waren oft Auslöser für Schuldenkrisen. Der aktuelle Iran-Krieg könnte den ohnehin verschuldeten Euroraum zusätzlich belasten und Inflation sowie Zinsen weiter antreiben.

GS
28. März 2026

Kriege waren immer wieder mit Staatsschuldenkrisen und Inflation verbunden. Der Siebenjährige Krieg und der amerikanische Unabhängigkeitskrieg brachten Frankreich an den Rand des Staatsbankrotts. Die Revolution (1789), die Konfiszierung der Kirchengüter und der Assignaten-Handel führten zu Inflation.

Der Erste Weltkrieg und immense Reparationsforderungen brachten das ausgelaugte Deutsche Reich an den Rand des Bankrotts. Die Besetzung des Ruhrgebiets durch Frankreich und Belgien löste eine Hyperinflation (1923) aus, die die deutsche Mittelschicht enteignete.

Der kostspielige Vietnam-Krieg der USA wurde mithilfe der Zentralbank finanziert, was in die Hochinflationsphase der 1970er-Jahre führte. Weil der Dollar im Zentrum des Weltwährungssystems stand, exportierten die USA die Inflation, die Stagnation nach sich zog.

Auch wenn der Iran-Krieg nur mit Luftangriffen geführt wird, sind die Kosten beträchtlich. US-Präsident Donald Trump will 200 Milliarden Dollar vom Kongress, obwohl die USA schon mit rund 39 Billionen Dollar verschuldet sind. Europa ist zwar nicht beteiligt, doch es hat hohe Lasten durch den Ukraine-Krieg. Allein die Hilfen der EU werden auf bisher über 200 Milliarden Euro geschätzt. Hinzu kommen wirtschaftliche Lasten aus den Sanktionen gegen Russland.

Nachdem der Ukraine-Krieg bereits 2022 einen dramatischen Anstieg der Inflation gebracht hat, steigen die Öl- und Gaspreise wieder. Da Energie ein wichtiger Input für alle anderen Güter und Dienstleistungen ist, droht ein Preisanstieg auf breiter Front.

Aus diesen Gründen steigen deshalb die Zinsen von Staatsanleihen:

Erstens gilt: Nominalzins ist gleich Realzins plus erwartete Inflation. Wenn die Inflationserwartungen steigen, dann ziehen auch die langfristigen Zinsen an.

Zweitens hatten viele Finanzmarktakteure auf konstante Zinsen gesetzt. Da plötzlich steigende Leitzinsen erwartet werden, fallen die Anleihekurse. Manche Anleger müssen Staatsanleihen verkaufen, was die Zinsen zusätzlich nach oben drückt.

Steigende Zinsen auf Staatsanleihen bedeuten für Regierungen höhere Zinslasten. Wegen höherer Ausfallrisiken müssen die Risikoaufschläge wachsen. Zuletzt ist der Zinsanstieg für hoch verschuldete Euroländer wie Italien und Frankreich besonders stark ausgefallen.

Die steigenden Zinsen werden die Strukturprobleme des Euroraums sichtbarer machen. Kostspielige Sozialsysteme schaffen hohe Abgaben- und Steuerlasten, die die Leistungsanreize und das Wachstum dämpfen.

Die Staatsverschuldung von Spanien, Frankreich und Italien liegt bei 100, 117 und 137 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sodass das Ausfallrisiko hoch ist. Ein drohender Staatsbankrott in nur einem Euroland dürfte ausreichen, um den heterogenen Währungsraum wieder ins Wanken zu bringen. Das Risiko einer neuen Schuldenkrise in Europa könnte die EZB trotz steigender Inflation dazu zwingen, wieder Staatsanleihen zu kaufen und die Zinsen zu senken. Statt weniger, gäbe es mehr Inflationsdruck.

Irankrieg treibt Zinsen auf Staatsanleihen nach oben. Zur Darstellung von Grafiken und Karten aktivieren Sie bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings.

Der Iran-Krieg ist ein neuer Belastungstest für den Euroraum, weil er das ohnehin fragile Wachstum weiter bremst. In den bereits politisch stark polarisierten europäischen Gesellschaften schaffen steigende Energiepreise für die Menschen neue Lasten. Wenn die Europäische Zentralbank mit Zinssenkungen und möglichen neuen Staatsanleihekäufen eine neue Krise verhindern muss, dann wird das Vertrauen in den Euro weiter sinken.

Mit etwas Glück wird ein baldiger Waffenstillstand im Nahen Osten für Europa Linderung bringen. Doch der Iran-Schock sollte eine Mahnung sein, zügig die Staatsfinanzen durch ernsthafte Reformen unter Kontrolle zu bringen.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 28. März 2026