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Der digitale Euro könnte in einen Vertrauensverlust in den Euro münden

Unser Kolumnist zeigt, warum der digitale Euro mehr Misstrauen als Nutzen stiften könnte – und wie ausgerechnet ein Projekt zur Stärkung des Euros dessen Akzeptanz gefährden kann.

GS
14. Februar 2026

Der digitale Euro soll ein elektronisches Pendant zum Bargeld sein. Als offizielles Zahlungsmittel soll er von einer Wallet – einer Geldbörse auf dem Smartphone – zur anderen wandern können. Das Bargeld ersetzen soll er nicht. Darüber hinaus soll der digitale Euro ein besonders vertrauenswertes öffentliches europäisches Zahlungssystem sein. Die EZB verzeichnet die Transaktionen in ihrem Hauptbuch – personenbezogene Daten sollen aber nicht bei der EZB liegen.

Die EZB hat im Jahr 2020 mit einem Bericht zum digitalen Euro die Entwicklung angestoßen. Als Motiv gab die Konkurrenz mit privaten Währungen wie Libra und Bitcoin den Anstoß. Christine Lagarde nannte auch eine leichtere Bekämpfung von Geldwäsche und Steuerhinterziehung. Heute steht die Funktion als grenzüberschreitendes europäisches Zahlungssystems im Vordergrund. In Deutschland wirbt die Deutsche Bundesbank um das Vertrauen der Öffentlichkeit. Bundeskanzler Friedrich Merz will den digitalen Euro möglichst schnell, um den Euro als internationale Leitwährung zu stärken.

Die genaue Ausgestaltung hängt von einer Abstimmung im Europäischen Parlament ab. In der Offline-Variante soll der digitale Euro zeitweise ohne Internetverbindung von Nutzer zu Nutzer wandern können. In der Online-Variante soll er als grenzüberschreitendes Zahlungssystem Europas Souveränität gegenüber den USA stärken. Damit in Finanzkrisen ein schneller Abzug des digitalen Euros von den Geschäftsbanken diese nicht destabilisieren kann, soll es einen Höchstbetrag um die 3.000 Euro geben. Da der digitale Euro Software ist, kann er auch programmiert werden, auch wenn das derzeit nicht vorgesehen ist. Die EZB könnte beispielsweise im Rahmen ihrer Klimapolitik CO₂-intensive Flüge nach Bali teurer machen.

Doch es gibt bereits gut funktionierende elektronische Zahlungssysteme. Nicht nur US-amerikanischen Systeme wie Visa, Mastercard und Paypal, sondern auch die deutsche Girocard. Eine Gruppe europäischer Banken entwickelt derzeit Wero als privates europäisches grenzüberschreitendes Zahlungssystem.

Kritisch ist, dass die EZB in Konkurrenz zu den privaten Banken bei den Zahlungssystemen tritt, obwohl sie bereits die Aufseherin ist. Weil die EZB theoretisch Zugang zu den Informationen über Transaktionen und Kontostände haben kann, könnte der digitale Euro Europa dem gläsernen Bürger ein Stück näherbringen. Insbesondere, wenn eines Tages Bargeld abgeschafft oder sehr teuer gemacht wird.

China ist in der Entwicklung einer digitalen Zentralbankwährung bereits weit vorangeschritten. Dessen Regierung will auch mit sozialen Kreditpunkten das Verhalten der Menschen steuern. In der freiheitsliebenden Schweiz sieht die Zentralbank hingegen in einem digitalen Franken für die Bürger keinen Sinn. In den USA hat der Fed-Vorsitzende Jerome Powell einen digitalen Dollar ausgeschlossen, die Regierung unter Donald Trump hat entsprechende Initiativen gestoppt.

EZB und Deutsche Bundesbank forcieren eine digitale Währung, zu der eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger kein Vertrauen hat. Nicht zuletzt, weil der sehr komplexe digitale Euro schwer erklärt werden kann, könnte die Kampagne in einen weiteren Vertrauensverlust in den digitalen Euro sowie in die EZB und den Euro münden. In den USA könnte hingegen eine Stabilisierung des Dollars unter dem nominierten Zentralbankpräsidenten Kevin Warsh den Vorsprung des Dollar gegenüber dem Euro als internationale Leitwährung nochmals deutlich potenzieren.

Gunther Schnabl ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Direktor des Thinktanks Flossbach von Storch Research Institute. In seiner Kolumne beleuchtet er regelmäßig Themen rund um die internationalen Finanzmärkte.

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Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2026