Deutschlands Rechenzentren: Leistung, Lage, internationaler Vergleich

Bis 2030 könnten Rechenzentren in Deutschland eine Leistung von 5.000 Megawatt erreichen. Frankfurt am Main ist der größte Standort – in ganz Europa.

17. März 2026

2026 wird die Leistung aller deutschen Rechenzentren (RZ) erstmals 3.000 Megawatt überschreiten. Das prognostiziert der Branchenverband Bitkom in seiner aktuellen Studie zum Rechenzentrumsmarkt. Die Kapazitäten sind 2025 um 250 Megawatt (MW) auf 2.980 MW gewachsen, ein Anstieg um neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Bis 2030 soll die Leistung 6.000 MW erreichen. Das haben BMWDS und BMWK als Ziel vorgegeben.

Ausschlaggebend für das Wachstum ist der Bau immer größerer Anlagen mit Anschlussleistungen im dreistelligen Megawattbereich: So ist im rheinland-pfälzischen Nierstein ein Projekt mit rund 480 MW IT-Leistung geplant. In Dummerstorf in Mecklenburg-Vorpommern soll ein Rechenzentrum mit 1.200 MW entstehen. Parallel wächst auch das Segment kleiner bis mittelgroßer Rechenzentren (100 Kilowatt bis fünf MW) stark; ihre Kapazitäten haben sich seit 2010 mehr als verdreifacht.

Investitionen in die deutsche RZ-Infrastruktur nehmen weiter zu. Im Jahr 2025 haben Betreiber laut Bitkom zwölf Milliarden Euro in IT-Hardware und 3,5 Milliarden Euro in Gebäude und technische Gebäudeausrüstung investiert. Davon flossen circa 2,5 Milliarden Euro in die Geräte und Anlagen der Klimatechnik, der Stromversorgung und anderer Gebäudetechnik.

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Die Metropolregion Frankfurt am Main ist mit einer installierten Kapazität von über 1.100 MW der größte RZ-Standort Deutschlands – nicht nur wegen seiner geografisch zentralen Lage, sondern auch wegen des dort laufenden Internetknotens DE-CIX. Aus diesem Cluster stammt mehr als ein Drittel der aktuellen Gesamtkapazität. Angekündigt sind dort aber bereits RZ-Kapazitäten von bis zu 1.800 MW. Berlin/Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern ziehen mit Plänen für jeweils 1.000 MW nach. Aktuell sind die Städte Hamburg und München sowie der Raum Köln-Düsseldorf die wichtigsten Standorte. Keine neuen Projekte sind in Bremen, Thüringen und dem Saarland geplant.

London liegt mit seiner RZ-Kapazität im europäischen Vergleich knapp hinter Frankfurt. Die größten europäischen RZ-Standorte werden oft als FLAP-D-Region bezeichnet, ein Akronym für: Frankfurt, London, Amsterdam, Paris und Dublin. Frankreich fördert den Ausbau seiner RZ-Infrastruktur gezielt im Rahmen seiner Digital- und KI-Strategie. Skandinavische Länder könnten mit Standortvorteilen aufholen: Nicht nur haben sie Platz, sondern auch günstigere Energiepreise und natürliche Kühlungsvorteile.

Im Jahr 2025 hatten die Rechenzentren in Deutschland einen Energiebedarf von 21,3 Milliarden Kilowattstunden. Das ist ein Anstieg um mehr als 100 Prozent seit 2010 und übersteigt die Jahresproduktion aller deutschen Wasserkraftwerke.

Aktuell werden 15 Prozent der RZ-Leistung in Deutschland für High-Performance-Computing (HPC) und KI genutzt. 2030 könnten es laut Bitkom 40 Prozent sein. Im Gegensatz zu den USA oder China gibt es hierzulande allerdings noch keine AI-Factories, die ausschließlich für KI-Anwendungen da sind.

GLOSSAR

Rechenzentrum (Data Center)
Gebäude oder Anlage mit Server, Speicher- und Netzwerktechnik, die Daten verarbeitet und digitale Dienste bereitstellt.

Hyperscaler
Große Cloud-Anbieter wie Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud Platform (GCP) mit weltweit verteilten Rechenzentren und großer IT-Infrastruktur.

Edge-Rechenzentrum
Kleineres Rechenzentrum (bis fünf MW) nahe bei Nutzern oder Geräten, um Daten schneller zu verarbeiten und Latenzen zu reduzieren.

Colocation (Colo)
Rechenzentrumsmodell, bei dem Unternehmen ihre eigenen Server in Anlagen eines Betreibers unterbringen, der Strom, Kühlung und Netzwerkanbindung bereitstellt.

KI-Fabrik (AI Factory)
Großskalige Infrastruktur aus Rechenzentren, Daten und Software, die darauf ausgelegt ist, KI-Modelle im großen Maßstab zu entwickeln, zu trainieren und zu betreiben.

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Letzte Aktualisierung: 17. März 2026