Das Interesse am Neubau ist perdu

Die LEG Immobilien hat das Jahr 2025 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Und weil viele Sozialwohnungen demnächst aus der Preisbindung herausfallen, werden die Gewinne auch weiterhin sprudeln

06. März 2026

Mit dem Neubau von Wohnungen will sich die LEG Immobilien, Deutschlands zweitgrößtes Wohnungsunternehmen, auch in absehbarer Zeit nicht beschäftigen. CEO Lars von Lackum hatte den Rückzug bereits vor über einem Jahr angekündigt, dabei soll es vorläufig bleiben. Der Grund: Die Baukosten mit Kostenmieten von 18 bis 22 Euro pro Quadratmeter sind zu hoch – und Hochpreiswohnungen passen nicht ins Portfolio des Konzerns. Das verkündete von Lackum bei der Vorstellung des Jahresberichts 2025 am Donnerstag in Düsseldorf. Dazu passt, dass die LEG im Begriff ist, das über 30 Hektar große Glasmacher-Areal im Düsseldorfer Osten, das sie erst 2024 erworben hatte, an einen Projektentwickler weiterzureichen.

Das gute Konzernergebnis mit einem Rekordertrag von 220 Millionen Euro (plus zehn Prozent) ist nicht zuletzt den Mieterhöhungen im vergangenen Jahr geschuldet. In den frei finanzierten Wohnungen stieg der durchschnittliche Mietertrag pro Quadratmeter von 7,15 auf 7,44 Euro. Mittelfristig erwartet der Konzern, so ist dem Geschäftsbericht zu entnehmen, sogar Mietsteigerungen von 15 bis 20 Prozent. Dazu sollen nicht zuletzt die 16.000 Wohnungen beitragen, die derzeit mit einer Durchschnittsmiete von 5,41€/qm noch der Sozialbindung unterliegen, die aber 2028 endet. Dann soll eine „Heranführung der bisherigen geförderten Mieten an die Marktmieten im frei-finanzierten Bereich“ erfolgen, wie es im LEG-Jargon heißt. Konkret heißt das: Mieter von zuvor geförderten Wohnungen müssen dann mit einem Aufschlag von bis zu 12 Prozent rechnen.

Was Käufe und Verkäufe angeht, bleibt die LEG – im Unterschied zum Neubaugeschäft – durchaus rührig. Im vergangenen Jahr stieß sie rund 3.100 Wohnungen ab, in diesem Jahr sollen weitere 5.000 Einheiten dazu kommen, davon 1.400 in Ostdeutschland. Unter Druck sieht sich das Unternehmen dabei nicht. Ausdrücklich heißt es: Verkäufe unter Buchwert schließt das Unternehmen unverändert aus.

Erkennbar ruppiger ist der Ton im Umgang mit den Mietern und ihren Interessenvertretern geworden. Kaum lag der Geschäftsbericht vor, meldete sich der Deutsche Mieterbund zu Wort: Er kritisierte den Rekordgewinn, der sich „aus den kräftigen Mieterhöhungen und verantwortungsloser Zurückhaltung bei Instandhaltungen“ speise. Die LEG hole „das Maximale aus ihren Beständen für die Aktionäre raus. Die Mieterinnen und Mieter zahlen die Zeche“. Die Politik müsse sich demonstrativ vor die Mieter stellen und Druck auf das Unternehmen ausüben.

Und noch ein Vorwurf: Die LEG vernachlässige ihren Wohnungsbestand. O-Ton Mieterbund: „In unseren Beratungen sind Wasserschäden, verschleppte Schimmelbeseitigung, Ungezieferbefall, defekte Heizungen und Aufzüge an der Tagesordnung.“ Häufig würden Mieterinnen und Mieter vertröstet, „und am Ende wird gar nichts getan“.

Bei der LEG sorgte der schroffe Ton für Unverständnis. Er sei „bass erstaunt“ über den Mieterbund, sagte CEO von Lackum. Viele Stunden habe er sich persönlich mit den Mieterverbänden auseinandergesetzt, erklärte Vorstand Volker Weigel und konstatierte „eine Verrohung in der Kommunikation zwischen Mietern und LEG“. Er berichtete von „physischen und psychischen Angriffen“ auf LEG-Mitarbeiter. Mit Kameras beim Publikumsverkehr und zusätzlichem Sicherheitspersonal versucht der Konzern die Mitarbeiter zu schützen. Zudem, so die Unternehmensargumentation, habe die LEG habe zuletzt über 400 Millionen Euro in den Bestand investiert, immerhin 36€/qm. Das soll auch 2026 so bleiben.

Die Aussichten des börsennotierten Unternehmens sind, rein ökonomisch betrachtet, positiv. Der Bestand ist quasi vollvermietet, Leerstand ist ein Zustand aus der Vergangenheit, und wo Kredite im Spiel sind, liegt die durchschnittliche Zinsbelastung bei bescheidenen 1,66 Prozent. Vor allem aber bleibt der Wohnungsmarkt in vielen Lagen auf absehbare Zeit angespannt – und so werden sich auch Mieterhöhungen auch künftig leicht durchsetzen lassen. Keine Hinweise gab es am Donnerstag, in welchen Segmenten und Lagen sich das Unternehmen in Zukunft engagieren will.

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Letzte Aktualisierung: 06. März 2026