Berlin.Table – Ausgabe 739

Unterstützung für Iran + Wadephuls Washingtoner Freundlichkeit + Die Nato und Grönland

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Talk of the Town

Proteste in Iran: Wie Deutschland und die EU jetzt helfen können

Seit fast zwei Wochen gehen die Menschen im Iran gegen das Regime auf die Straßen. Präsident Massud Peseschkian warnt im Staatsfernsehen vor weiteren Unruhen. Er sei gewillt sich die Sorgen der Menschen anzuhören, allerdings dürfe nicht zugelassen werden, dass „eine Gruppe von Randalierern“ die gesamte Gesellschaft zerstöre. Doch längst geht das Regime mit voller Härte gegen die Demonstranten vor. Aktivisten haben nach eigenen Angaben den Tod von über 200 Demonstranten dokumentiert.

Friedrich Merz verurteilt die Gewalt gegen die Demonstranten als „unverhältnismäßig“ und „brutal“. Sie sei ein Zeichen der Schwäche und kein Zeichen der Stärke. „Und diese Gewalt muss enden.“ Außenminister Johann Wadephul nennt das Vorgehen „inakzeptabel“. SPD-Fraktionschef Matthias Miersch sagte Table.Briefings: „Europa darf nicht wegsehen und muss deutlich machen, dass wir an der Seite der demokratischen Kräfte stehen. Es braucht ein klares Signal für eine friedliche, selbstbestimmte Entwicklung des Landes.“ Nur, haben Deutschland und die EU am Ende mehr als wärmende Worte des Zuspruchs für die Demonstranten im Angebot?

In der deutschen Diplomatie schlagen zwei Herzen. Einerseits hat absolut niemand Sympathie mit dem Regime, das alle im Auswärtigen Amt für verbrecherisch und menschenverachtend halten. So gesehen gibt es die Hoffnung, dass die klerikale Führung des Iran stürzt. Zugleich aber gibt es die Sorge, dass ein Eingreifen von außen näher rückt, ohne dass man weiß, was den Demonstranten tatsächlich helfen könnte. Nicht wenige unter den Diplomaten fürchten, dass ein Eingreifen von amerikanischer oder gar israelischer Seite vor allem die iranischen Sicherheitskräfte erneut hinter dem Regime versammeln könnte. Also genau jene, die sich von dem Regime lösen müssten, um es wirklich zu stürzen.

Die USA haben mit Saddam Hussein schon einmal einen Diktator in der Region weggebombt. Im historischen Gedächtnis vieler Diplomaten ist eingebrannt, dass dieses militärische Unternehmen in einer Katastrophe endete: Der Irak zerfiel, der IS erstarkte – und bis heute ist das Zwei-Strom-Land politisch instabil. Die Sorge, dass ähnliches im Iran passiert, ist deshalb groß. Zumal es eben gerade nicht den oder die eine Bewegung oder Person gibt, die das Regime in kurzer Zeit übernehmen könnte. Experten halten die Hoffnung, dass der Schah-Sohn Reza Pahlavi eine solche Figur sein könnte, für unbegründet

Dennoch sucht man sowohl in Deutschland als auch auf EU-Ebene Wege, um die Demonstranten jenseits verbaler Solidaritätsadressen in ihrem Aufstand zu unterstützen. So ist man sich in Berlin mittlerweile einig, die iranischen Revolutionsgarden offiziell als Terrororganisation zu listen. Das soll nun in Brüssel durchgesetzt werden, so wie die Revolutionsgarden im EU-Sanktionsregime zu Massenvernichtungswaffen bereits gelistet sind. Markus Töns, europapolitischer Sprecher der SPD, geht noch einen Schritt weiter. Er spricht sich für das Einfrieren des gesamten Vermögens der Revolutionsgarden aus.

Zudem unterstützt der SPD-Politiker den Vorstoß aus den USA, die Demonstranten notfalls mit militärischem Einsatz unterstützen zu wollen. „Solange die USA statt Flächenbombardements gezielte Schläge planen, lässt sich nicht pauschal sagen, dass dies der falsche Weg ist“, sagt Töns. „Wir erleben derzeit ein Momentum, das wir nutzen sollten. Eine Entmachtung des iranischen Regimes würde die gesamte Region spürbar sicherer machen.“

Im Visier für weitere Sanktionen sind laut Diplomaten Exponenten des Regimes in Teheran, die für die blutige Niederschlagung der jüngsten Proteste verantwortlich sind. In Brüssel diskutieren am Donnerstag Botschafter der Mitgliedstaaten über die Lage in Iran. Die EU müsse endlich die Verantwortlichen für die immer härtere Repression treffen, sagt Hannah Neumann, Vorsitzende der Delegation für die Beziehungen mit dem Iran Table.Briefings. Sie begrüßt, dass Kaja Kallas das Thema der Sanktionierung der Revolutionsgarde auf die Agenda des Auswärtigen Rates setzen wolle. Für den Fall, dass einzelne Regierungen weiterhin eine Aufnahme der Revolutionsgarde auf die EU-Terrorliste blockieren, fordert Neumann volle Transparenz darüber, wer sich querstellt: „Denn ich bin überzeugt: Das wird bei der Bevölkerung in keinem EU-Land auf Akzeptanz stoßen.“ Welche Voraussetzungen für die Einstufung der Revolutionsgarden als Terrororganisation vorliegen müssen, lesen Sie im Europe.Table.

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News

Wadephuls Strategie in Washington: Freundlich bleiben, allen Demütigungen zum Trotz. Nach anderthalb Tagen in der US-Hauptstadt lässt sich für den deutschen Außenminister festhalten: Marco Rubio verschiebt Termine, wie es ihm gefällt. Und auch sonst wollte oder konnte den Gast aus Berlin kaum jemand treffen. Stundenlang wurden mögliche Gesprächspartner im Kongress geprüft, am Ende ist nicht viel geblieben. Als Bilanz stehen knapp 30 Minuten mit dem US-Außenminister, ein kurzes Treffen mit dem Weltbankpräsidenten Ajay Banga (den Wadephul eigentlich gar nicht auf der Liste hatte) und ein Mini-Besuch bei António Guterres in New York – als Zeichen demonstrativer Solidarität, nachdem Donald Trump vor wenigen Tagen die Zusammenarbeit mit 66 internationalen Organisationen beendete, ein Teil davon unter dem Dach der Vereinten Nationen.

Die Reiseerfahrungen des Außenministers zeigen, wie fragil das Verhältnis inzwischen geworden ist. Wadephul mühte sich, die Trump-Administration in den Regularien und Gesprächsfäden der Nato zu halten. Das Wort von der „Auflösung“ der transatlantischen Partnerschaft, das Finanzminister Lars Klingbeil gerade in einem Zeit-Interview benutzt hat, wollte sich Wadephul nicht zu eigen machen. Wohl auch, weil er Trumps Bedrohung Grönlands irgendwie unter Kontrolle halten möchte. Mehr als einmal betonte der Außenminister, man sei immer zu Gesprächen bereit, aber „bitte im Nato-Rahmen“. Ob er an der Stelle von Rubio irgendwelche Zeichen des Entgegenkommens erhalten hat, blieb aber zunächst ebenso offen wie die Frage, ob es neben oberflächlicher Freundlichkeit überhaupt etwas von Substanz gegeben hat.

Zutage getreten ist, dass sich Reisen wie diese immer weniger an die US-Regierung und immer mehr an alle anderen richten. Wadephul wird zu einem Kämpfer für das Unerreichbare, aber mag nicht aufgeben. Nach dem Motto: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitermachen. Das ist nicht schmerzfrei zu haben, aber macht in alle Richtungen deutlich, dass er sich nicht abschrecken lässt, sondern dranbleiben wird. Immer bemüht darum, die eigenen Interessen (und Sorgen) vorzutragen, und sei die Atmosphäre noch so ungemütlich. Seine Hoffnung: dass seine Worte und Argumente im US-Kongress Schrittchen für Schrittchen doch hängen bleiben – und allen Partnern in Europa (oder auch in Island) kontinuierlich Sicherheit geben. Dass er dabei, jedenfalls in Washington, immer mehr an Sisyphus erinnert, gehört in Trump-Zeiten wohl einfach dazu. Stefan Braun

Table.Today mit Michael Bröcker und Helene Bubrowski. "Wie tief ist der atlantische Graben?"
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Grönland: Nato will Präsenz in der Arktis erhöhen. Europäische Nato-Staaten befassen sich mit Plänen für eine neue Überwachungsmission Arctic Sentry (Arktische Wache) im Hohen Norden. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich optimistisch gezeigt, dass sich auch die USA an Gesprächen über einen verstärkten Nato-Schutz für die dänische Arktis-Insel beteiligen. „Ich gehe davon aus, dass die Amerikaner sich daran auch beteiligen. In welchem Umfang, das werden die Gespräche der nächsten Tage und Wochen zeigen“, sagte Merz am Montag während seines Besuchs in Indien. Am Mittwoch will sich der Nordatlantikrat in Brüssel erneut mit dem Thema befassen. Die Nato-Staaten haben Generalsekretär Mark Rutte vergangene Woche beauftragt, ein internes Papier zur arktischen Sicherheit aus dem September zu überarbeiten, das bereits in dieser Woche diskutiert werden könnte.

Die Bundeswehr könnte einen signifikanten Beitrag zu einer solchen „enhanced vigilance activity“ leisten, heißt es aus Regierungskreisen. Schiffe und Seeraumüberwachungsflugzeuge der Deutschen Marine oder Flugzeuge der Luftwaffe könnten teilnehmen, das Heer in Übungen in der Region eingebunden werden. Die Deutsche Marine hat mit solchen Missionen bereits Erfahrung: Seit einem Jahr führt sie die Überwachungsmission „Baltic Sentry“ zum Schutz kritischer Infrastruktur in der Ostsee. Lisa-Martina Klein, Wilhelmine Stenglin

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Wartezeiten auf Arzttermine: vergleichbar kurz – und doch zu lang? Neulich wurde wieder über Wartezeiten auf Arzttermine diskutiert. Studien zeigen: Im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da. Doch auch hierzulande gibt es Faktoren, die Termine "verknappen". Dazu zählen die vielen Arztkontakte der Deutschen sowie die Budgets der gesetzlichen Krankenkassen. (mehr auf pkv.de)

Indien: Autobauer wittern Riesenmarkt durch Freihandel. Indien ist die nächste Wachstumshoffnung für deutsche Unternehmen. Besonders die krisengeschüttelte Automobilbranche sieht das Land als zentralen Partner und wichtigen Zukunftsmarkt. Doch Zölle und andere Handelsbarrieren stehen bislang im Weg. Beispiel Mercedes: Bei einigen Modellen, die der Konzern einführt, schlägt Indien Importzölle von 70 Prozent auf. Für einen Stern auf der Motorhaube müssen Kunden dann sehr tief in die Tasche greifen.

Genau solche Hindernisse soll das geplante Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien beseitigen. Die Industrie setzt deshalb große Erwartungen in Friedrich Merz, der seit Sonntag in Indien ist. Der Kanzler äußerte sich am Montag vorsichtig optimistisch, dass eine Unterzeichnung des Abkommens Ende Januar möglich sei. Knackpunkte sind noch immer der CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) für Importe aus Ländern ohne harte Umweltauflagen, die Stahlpolitik sowie Kontingente für die Automobilindustrie. Wo deutsche Autobauer die besten Chancen für Wachstum sehen, lesen Sie im China.Table. Julia Fiedler

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Europa: Sewing befürwortet Gemeinschaftsschulden für Rüstungsprojekte. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Christian Sewing, hat die Koalition zu mutigen Reformen aufgefordert. Sonst drohe ein weiteres Erstarken des Rechtspopulismus. „Wir brauchen eine radikale Reformagenda für Deutschland“, sagte Sewing beim Neujahrsempfang in Berlin. Dazu gehöre konsequenter Bürokratieabbau, mehr Flexibilisierung am Arbeitsmarkt und nachhaltige Reformen in den Sozialversicherungen. Außerdem Investitionen in Infrastruktur, Verteidigung und Technologie.

„Konzentrieren Sie sich auf die Zukunftsthemen, lassen Sie das politische Klein-Klein hinter sich. Denken Sie groß“, forderte Sewing die Koalitionäre auf. Die Menschen seien veränderungswillig. Spürbare Veränderungen im Land könnten neues Vertrauen in die Demokratie bringen. „Ein weiteres Erstarken der populistischen Kräfte wäre ein verheerendes Signal in die Welt“, so Sewing. Nur dauerhaftes Wachstum könne die Demokratie sichern. Seine Kunden schauten derzeit ganz genau auf Deutschland und schätzten vor allem die demokratische Stabilität als Standortfaktor.

Überraschend sprach sich der Deutsche-Bank-Chef aber auch für gemeinschaftliche Schulden auf europäischer Ebene aus, wenn diese zielgerichtet für den Aufbau einer europäischen Rüstungsindustrie verwendet würden. In keinem Bereich sei eine gemeinsame europäische Finanzierung sinnvoller als in der Rüstungsindustrie. Europa müsse noch stärker zusammenrücken. Michael Bröcker

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Table.Briefings Neujahrsempfang. Jetzt noch Partner werden.

CDU Sachsen-Anhalt: Fraktion und Landesvorstand stellen sich hinter Sven Schulze. Der amtierende Ministerpräsident Reiner Haseloff hatte Schulze am Montag zunächst während einer Fraktionsklausur sowie später im Landesvorstand für seine Nachfolge vorgeschlagen. Er selbst werde das Amt noch in diesem Monat abgeben. Wie Table.Briefings aus Teilnehmerkreisen erfuhr, sprachen sich die Gremien in beiden Fällen einstimmig für Schulze aus. Michael Müller, Bundestagsfraktions-Vize und ebenfalls Mitglied im Landesvorstand Sachsen-Anhalt, sagte Table.Briefings: „Ich habe mit Überzeugung für Sven Schulze gestimmt!“ Schulze bringe Regierungserfahrung, Anstand und Zukunftsvision mit. Es gehe bei der Landtagsentscheidung um „eine Richtungsfrage für unser Land“.

Die Landesvorstände beider Koalitionspartner SPD und FDP tagten am Montagnachmittag offenbar parallel. Beide sollen bereits im Vorfeld ihre Zustimmung signalisiert haben – allerdings wird im Landtag geheim gewählt. Schulze will sich Ende Januar dem Parlament zur Wahl stellen. Sara Sievert

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Parteispenden: Über 1,5 Millionen Euro für die CDU, die SPD geht leer aus. Aufschlussreich ist einmal mehr die Übersicht der Bundestagspräsidentin über die Großspenden an die Parteien in den Monaten von September bis November 2025. Dabei sticht insbesondere die 500.000-Euro-Überweisung der Intershop-Stiftung, der Stiftung des e-commerce-Pioniers Stephan Schambach, an die CDU hervor. Überhaupt konnte sich die CDU-Schatzmeisterin an mehr als 1,5 Millionen Euro erfreuen, die ihr Großspender in den drei Monaten überwiesen.

Die SPD verbuchte im gleichen Zeitraum keine einzige Großspende. Auch von der AfD sind keine sogenannten Zuwendungsanzeigen eingegangen. Generös zeigte sich auch die Deutsche Vermögensberatung, die der CDU 180.000 und der CSU 100.000 Euro zukommen ließ. Auch die Beteiligungsgesellschaft neoshare Holding ließ der CDU 200.000 Euro zukommen. Der NRW-Landesverband der Metall- und Elektroindustrie gönnte der CDU 95.000, der FDP 50.000 Euro.

Nicht in gleicher Größenordnung, aber auch im links-ökologischen Lager floss Spendengeld. Vom Bonner SolarWorld-Gründer Frank Asbeck gingen den Grünen 50.000 Euro zu, von dem Frankfurter Beteiligungsunternehmen Kajo Neunkirchen erhielten sie 100.000 Euro. Mäzen und Vielspender Thadaeus Friedemann Otto gönnte Volt Deutschland 100.000 Euro. Das BSW konnte weitere 35.100 Euro von Thomas Stanger verbuchen, der sein Vermögen einst mit computergesteuerter Lichttechnik gemacht hat und die Wagenknecht-Partei bereits mit mehreren Millionen unterstützt hat. Horand Knaup

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Klimaschutzprogramm: Wirtschaftsverbände fordern mehr Protektionismus. In ihren Stellungnahmen zum Ende März erwarteten Klimaschutzprogramm der Bundesregierung fordern Wirtschaftsverbände mehr Schutz vor Importen aus Staaten mit geringeren Klimaschutzvorgaben. Die Stiftung Klimawirtschaft betont beispielsweise, es brauche „wirksame Handelsschutzmechanismen“ gegen „subventionierte Überkapazitäten aus Drittstaaten“. Die Bundesregierung müsse die Nachfrage nach CO2-neutralen Produkten anreizen, fordert der Verband der Chemischen Industrie (VCI).

Umweltverbände kritisieren die Abhängigkeit von fossilen Energien als „massives Risiko“ für Deutschlands „Sicherheit und Freiheit“. Mit welchen Maßnahmen die Klimaschutzlücke geschlossen werden soll und warum der BDI bei der Gebäudesanierung einen sozialen Fokus fordert, lesen Sie im Climate.Table. Nico Beckert

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BMZ: Entwicklungspolitik orientiert sich an deutschen Interessen. Reem Alabali Radovan will künftig entlang klarer Ziele auf Basis deutscher Interessen Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit vergeben. Das sagte die Entwicklungsministerin am Montag, als sie ihren Reformplan zur Neuausrichtung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit vorgestellt hat. Der Kampf gegen den Hunger, Frieden und Sicherheit, wirtschaftliche Zusammenarbeit und neue strategische Allianzen wie mit den Golfstaaten sollen dabei im Mittelpunkt stehen. Was der Plan im Detail vorsieht und welche Reaktionen er hervorruft, lesen Sie im Africa.Table. David Renke

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Kernfusion: Bund und Länder machen Tempo auf dem Weg zum Kraftwerk. Der Koalitionsvertrag von Schwarz-Rot formuliert den Anspruch, das weltweit erste kommerzielle Fusionskraftwerk in Deutschland zu realisieren. Bundesregierung und mehrere Bundesländer suchen dafür nun den Schulterschluss mit der deutschen Fusionsforschung und -industrie. Das zeigte sich am Montag im bayerischen Garching beim 7. Fusionsforum.

Ein Eckpunktepapier sieht die Gründung von drei Innovationshubs und einen industriegeführten Ansatz mit ambitioniertem Zeitplan vor. Das hatte das Bundesforschungsministerium im Vorfeld veröffentlicht. Als weiteres positives Signal wird der Beitritt von Baden-Württemberg zur Fusions-Länderallianz gewertet. Warum dieser Schritt wichtig war, lesen Sie im Research.Table. Tim Gabel

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Länderfinanzen: Stabilitätsrat sieht kritische Lage in Berlin. Die finanziellen Kennziffern für Berlin weisen auf eine „drohende Haushaltsnotlage“ hin. Das stellte der Stabilitätsrat in seiner letzten Sitzung fest. Der Bundestag veröffentlichte am Montag dazu eine Unterrichtung der Bundesregierung. Auslöser sei die Inanspruchnahme der seit 2025 für die Länder möglichen Verschuldungsmöglichkeit, „ohne die keine Auffälligkeit vorläge“. Im vergangenen Jahr machten demnach sieben Länder davon Gebrauch (Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein). 2026 werden es laut Rat voraussichtlich elf Länder sein (neben den genannten noch Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Saarland, Thüringen). Wegen einer Ausnahmeregelung mit Blick auf diese neue Option setzt der Rat für Berlin – anders als sonst – aber keinen Evaluationsausschuss zur Überprüfung der Haushaltslage ein. Okan Bellikli

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Table.Documents

Unterrichtung der Bundestagspräsidentin über Parteispenden

Antwort auf Kleine Anfrage zur Cyber-Resilienz von Unternehmen

Protokoll der Sitzung des Stabilitätsrats im Dezember 2025

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Heads

Sigrid Kuhlmann gilt als „Mutter der Infanterie“ und setzt sich seit mehr als 35 Jahren als Vorsitzende des Freundeskreises „Bürger für die Bundeswehr“ und für ein engeres Band zwischen Truppe und Gesellschaft ein. Sie sammelt Spenden für das Trauma-Zentrum der Bundeswehr, den „Raum der Stille” im Bundeswehrkrankenhaus oder sie organisiert Fahrten von Soldaten und ihren Angehörigen zum Oktoberfest. An diesem Montag überreichte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius ihr und weiteren Persönlichkeiten, Vereinen und Institutionen den Preis „Bundeswehr und Gesellschaft“ für besonderes Engagement beim Bau von Brücken zwischen Bundeswehr und Gesellschaft, wie Pistorius sagte. Es gehe um Menschen, die in sicherheitspolitisch fragilen Zeiten nicht fragten, „Was muss ich tun?“, sondern „Was kann ich beitragen?“, so Pistorius. Außerdem prämiert: die Stadt Düsseldorf für die Organisation der Invictus Games 2023, ein sportliches Großereignis für verwundete Soldaten, der Förderverein des Militärhistorischen Museums und der Marinechor aus Bremerhaven. Michael Bröcker

Nina Krüger wird zum 1. März neue DGB-Bundesjugendsekretärin. Ihr Amt als Stadträtin in Gladbeck (NRW) legt sie Ende Januar nieder. Seit 2022 ist sie Geschäftsführerin des dortigen SPD-Stadtverbandes. Für diese Position tritt sie im April 2026 nicht erneut an. (DGB)

Yu Liang warnte schon 2010 vor großen Herausforderungen für den chinesischen Immobilienmarkt. Entsprechend umsichtig lenkte Yu viele Jahre als Vorstandschef und Chef des Verwaltungsrates die Geschicke des Immobilienentwicklers Vanke. Trotzdem steht nun auch das teilstaatliche Unternehmen vor der Pleite – wenn auch erst Jahre nach dem gefallenen Riesen Evergrande, der die Krise der Branche ausgelöst hatte. Yu war es gelungen, die Umsätze von Vanke über Jahre anzukurbeln und das Image des Unternehmens lange positiv zu gestalten. Weshalb Yu in der vergangenen Woche zurückgetreten ist, lesen Sie im China.Table. Jörn Petring

Michael Lüders und Alexander King führen das BSW als Spitzenkandidaten in die Berlin-Wahl am 20. September. Der Nahost-Experte Lüders ist Publizist, Islamwissenschaftler und Vize-Parteichef. Von 2015 bis 2022 war er Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, zur Bundestagswahl Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt. King hatte im Oktober 2023 die Linkspartei verlassen, um Sahra Wagenknecht zum BSW zu folgen. Er gilt als ihr Vertrauter, ist Co-Vorsitzender des Berliner BSW, sitzt derzeit fraktionslos im Abgeordnetenhaus. (Spiegel)

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Best of Table

Europe.Table: Kommunen fordern Konnexitätsprinzip für EU-Vorgaben. Der Städte- und Gemeindebund pocht darauf, dass Bund und Länder den Umsetzungsaufwand finanziell ausgleichen. Bei welcher Verordnung inländische Ziele aus seiner Sicht den Anforderungen diametral entgegenstehen, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Flasbarth besorgt um Naturschutz-Finanzierung. Reformpläne der EU-Kommission für die EU-Agrargelder könnten Naturschutzmaßnahmen in der Landwirtschaft in Gefahr bringen, sagt BMUKN-Staatssekretär Jochen Flasbarth im Interview. Welche Nachbesserungen er gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium erreichen will, lesen Sie hier.

Agrifood.Table: Agrarnaturschutz als Antwort auf Deregulierung. Um Umweltstandards in Zeiten fortschreitender Deregulierung hochzuhalten, schlägt Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger kooperativen Agrarnaturschutz vor. Betriebe arbeiten dabei zusammen, um Naturschutz effektiver umzusetzen. In welchen Bundesländern es bereits Beispiele gibt, lesen Sie hier.

Research.Table: Allianz der Wissenschaftsorganisationen mit strukturellen Schwächen. Am Beispiel der geplanten Plattform für Forschungssicherheit zeigt sich, dass der Allianz-Verbund einer strategischen Neujustierung bedarf. Warum die Organisationen proaktiver werden müssen, lesen Sie hier.

Africa.Table: Wie Sambia die starke Kupfernachfrage zugutekommt. Kupfer ist unverzichtbar für die globale Energiewende. Der preisliche Höhenflug des Metalls ist bisher ungebremst. Das hochverschuldete Sambia will durch Kupferexporte aus der Misere kommen. Welche Faktoren für diesen Plan entscheidend sind und was einen möglichen Erfolg durchkreuzen könnte, lesen Sie hier.

Climate.Table: Was der US-Rückzug aus UNFCCC und IPCC bedeutet. Auch wenn rechtliche Details noch unklar sind, ist absehbar, dass der Austritt der USA aus den internationalen Klima-Organisationen einen großen Rückschlag für Finanzierung und Wissenschaft darstellt. In welchen Gremien die USA weiter Einfluss ausüben wollen, lesen Sie hier.

China.Table: Alle 20 Monate ein neuer Flugzeugträger. Das Pentagon warnt vor einem massiven Ausbau der chinesischen Flugzeugträger-Flotte. Damit wolle China die Dominanz der USA im Pazifik brechen – auch mit Blick auf eine mögliche Eroberung Taiwans. Wie viele neue Flugzeugträger die Volksrepublik angeblich plant, lesen Sie hier.

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Agrifood.Table Live Briefing. 22. Januar 2025. "Faire Handelspraktiken entlang der Wertschöpfungskette Lebensmittel". Kostenlos anmelden.

Time.Table

Außenpolitik: Friedrich Merz besucht zum Abschluss seiner Indien-Reise in der Hightech-Metropole Bangalore eine Produktionsstätte von Bosch (7 Uhr) und ein Zentrum für Nanoforschung (9 Uhr)

Bundestag I: Pressegespräch der SPD-Fraktion zur Erbschaftsteuerreform. Mit Wiebke Esdar, Frauke Heiligenstadt, Parsa Marvi und Tim Klüssendorf. 9:15 Uhr

Bundestag II: Julia Klöckner empfängt den polnischen Parlamentspräsidenten Włodzimierz Czarzasty. 11:30 Uhr

Bundestag III: Sitzungen der Fraktionen und Statements von Britta Haßelmann (12:30 Uhr), Heidi Reichinnek und Sören Pellmann (13:45 Uhr), Matthias Miersch und Wiebke Esdar (14:30 Uhr), der AfD-Fraktionsspitze (14:30 Uhr) sowie von Jens Spahn und Alexander Hoffmann (14:45 Uhr)

Europa: Antrittsbesuch der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas in Berlin. Empfang mit militärischen Ehren durch Boris Pistorius, 13:15 Uhr. Gemeinsames Statement, 14:35 Uhr. Gespräch mit Reem Alabali Radovan, 15:15 Uhr

Neujahrsempfang: Frank-Walter Steinmeier lädt alle in Deutschland akkreditierten Diplomaten ins Schloss Bellevue ein. 11 Uhr

Justiz I: Auftaktveranstaltung zum Deutschen Anwaltstag unter dem Motto „Anwaltschaft im Aufbruch – Zukunft gestalten“ mit Stefanie Hubig. Deutscher Anwaltsverein, Berlin, 12:30 Uhr

Justiz II: Digitale Talkshow zum Thema „Wehrhafte Demokratie im KI-Zeitalter: Wie schützen wir unsere Werte im digitalen Raum?“ mit Stefanie Hubig. 18 Uhr. Anmeldung

Buchvorstellung: „Das Versagen“ von Katja Gloger und Georg Mascolo. Mit Olaf Scholz und Wolfgang Ischinger. Landesvertretung Hamburg, Berlin, 18:30 Uhr

Sprache: Bekanntgabe des „Unworts des Jahres“. Philipps-Universität, Marburg, 9 Uhr

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Must-Reads

BR: Söder setzt Schirmherrschaft für Ludwig-Erhard-Gipfel aus. Den hatte die Weimer Media Group veranstaltet, hinter der bis vor kurzem Wolfram Weimer stand. Die „interne Compliance-Prüfung“ der bayrischen Staatskanzlei sei abgeschlossen, so Markus Söder, aber es fehle noch ein Gutachten des Veranstalters. Er wolle „kein Gschmäckle entstehen lassen.“ Im Raum stand, ob sich Unternehmen Zugang zu Spitzenpolitikern erkaufen konnten. Weitere Spitzenleute aus Bayern sagten ab. Ilse Aigner bleibt bei ihrer Teilnahme. („Ludwig-Erhard-Gipfel: Söder setzt Unterstützung aus“)

FT: Einstellungswelle in deutschem Waffensektor. Innerhalb von vier Jahren wuchs die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter um fast ein Drittel, von 63.000 auf knapp 83.000. Viele bei den größten Playern wie Airbus und Rheinmetall, das größte relative Wachstum verzeichnet die Start-Up-Szene. Die Probleme des strauchelnden Auto-Sektors mit rund 700.000 Mitarbeitern kann das nur bedingt ausgleichen. („Defence jobs boom as Germany’s arms companies go on hiring spree“)

Tagesspiegel: Wegner und Spranger nach Berliner Blackout zerstritten. „Manchmal würde ich sie gerne raus…“, soll Kai Wegner (CDU) über Innensenatorin Iris Spranger (SPD) gesagt haben. Ihn soll ihr Ton verärgert haben, sie habe dem Bezirk zu lange nicht geholfen. Zentral ist die Ausrufung der Großschadenslage, die nach Wegners Meinung zu spät erfolgt ist. Spranger stellte Wegners Version infrage und machte öffentlich, ihn nicht erreicht zu haben. Bis vor kurzem galten sie als eng vertraut. („Der Streit zwischen Wegner und Spranger spitzt sich zu“)

Handelsblatt: Gegen US-Notenbankchef Jerome Powell wird ermittelt. Die Vorgängerin Powells an der Spitze der Fed, Janet Yellen, sagte CNBC, die USA seien auf dem „Weg in eine Bananenrepublik“. Sie reagiert auf Ermittlungen gegen Powell. Anlass dafür ist die milliardenschwere Renovierung zweier Gebäude der Fed, die teurer als geplant wird. Powell sehe in dem Vorgang eine Schikane des US-Präsidenten, der sein erklärter Gegner sei. („Märkte fürchten Endspiel um die Unabhängigkeit der Fed“)

NYT: So viel Weimar müssen gegenwärtige Demokratien fürchten. Anders als früher behaupten Wissenschaftler nicht mehr, dass der Niedergang der Weimarer Republik unausweichlich war. Wie heute hätten Anti-Demokraten sie gezielt bekämpft, eigene Wahrheiten über ihre Medien verbreitet und ausgenutzt, dass das Establishment sich an Regeln hält. Demokratien bräuchten ständige Verteidigung – sonst würden sie von innen zerstört. („A Failed State Shaped the 20th Century. Can Today’s Leaders Avoid Its Fate?“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Pinar Atalay, 23:30 Uhr: Armin Laschet, Christian Mölling

unter den linden, 22:15 Uhr: Gitta Connemann, Michael Kellner

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Anatoly Kurmanaev, New York Times: Venezuela

7:15 Uhr: Ralph Brinkhaus, MdB (CDU): Merz in Indien

8:10 Uhr: Birte Holm, Suchtberaterin: Alkoholsteuer

ARD

7:10 Uhr: Till Steffen, MdB (Grüne): Synchronisation der Landtagswahlen 2026

7:35 Uhr: Stefan Marschall, Politologe: Superwahljahr 2026

phoenix

9:05 Uhr: Hannah Neumann, MdEP (Grüne): Proteste im Iran

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Geburtstage von morgen

Julia Monar, Abteilungsleiterin im Auswärtigen Amt, 63

Tamara Mazzi, MdB (Linke), 34

Daniela Rump, MdB (SPD), 30

Armin Willingmann, Umwelt- und Wissenschaftsminister von Sachsen-Anhalt (SPD), 63

Carsten Sieling, ehemaliger Bürgermeister von Bremen (SPD), 67

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute nach London. Im fiktiven „Slough House“ residieren Agentinnen und Agenten, die für den Geheimdienst MI5 nicht mehr gut genug sind – sogenannte Slow Horses. Sie und ihr in der Verfilmung von Gary Oldman gespielter Chef Jackson Lamb stehen im Mittelpunkt einer mehrbändigen Roman-Reihe und dieser Serie. Sie geraten gern mal zwischen die Fronten und bekommen Ärger mit den eigenen Leuten. Die Fälle nehmen mitunter Bezug auf reale Geschehnisse wie den Nowitschok-Anschlag in England 2018. Okan Bellikli

Mick Herron: Slough House | Diogenes

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Nico Beckert, Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Helene Bubrowski, Julia Fiedler, Tim Gabel, Damir Fras, Daniel Friesen, Lisa-Martina Klein, Franziska Klemenz, Horand Knaup, Magdalena Latz, Jörn Petring, David Renke, Sven Siebert, Sara Sievert und Wilhelmine Stenglin mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

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