Berlin.Table – Ausgabe 763

Merz und Europas Comeback + Debatte um Nuklearschirm + Termin der Bundesversammlung

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Talk of the Town

Wertebasierte Interessenpolitik: Wie Merz Europas Comeback vorantreiben will

Die Münchner Sicherheitskonferenz ist ohne Eklat zu Ende gegangen, die Comeback-Story Deutschlands als ökonomische und militärische Führungsmacht Europas soll spätestens jetzt beginnen. In diesem Modus reiste Friedrich Merz am Sonntag nach Hause. Wer sich im Umfeld des Kanzlers umhört, vernimmt einen Aufbruchswillen, eine Festigkeit, dass Deutschland seinen Weg gefunden habe, wie man mit dem unbequemen Partner jenseits des Atlantiks umgehen muss und was mit Europa zu tun ist.

Die Vorgaben an sich selbst sind klar: im Ton souverän und selbstbewusst, aber nicht anklagend. Auf der Welt neue Partner suchen, ohne die alten zu verprellen. Nicht auf jede öffentliche Wendung des US-Präsidenten gleich empört reagieren. Und: Zuerst die eigenen Hausaufgaben machen. Die äußere Stärke folgt der inneren. Erst wenn Deutschland als Wirtschaftsmacht zulegt und die EU als Binnenmarkt schneller, dynamischer und auch attraktiver für internationale Investoren wird, kann Europa bei geopolitischen Konflikten auf Augenhöhe mit den Großmächten verhandeln. Dann, so sieht es Merz, könne Deutschland die Führungsrolle übernehmen, die er als „Leadership in Partnership“ bezeichnet.

Man könnte dies als wertebasierte Interessenpolitik bezeichnen. In seiner Rede in München hob der Kanzler hervor, dass das moralisierende Element in der Außenpolitik vorbei sei, aber das Grundgesetz, die Geschichte und die Geografie Deutschland aufgeben würden, „unsere Ziele immer europäisch zu denken“. Europa sei die Richtschnur. Dieses Europa müsse aber „militärisch, politisch, wirtschaftlich und technologisch stärker“ werden. Europas Wiederaufstieg – das soll die Überschrift über der Amtszeit des Kanzlers werden.

Das Fundament dafür ist: Wirtschaft, Wirtschaft, Wirtschaft. Auch deshalb hat Merz darauf gedrängt, den informellen EU-Gipfel zur Wettbewerbsfähigkeit vor die Sicherheitskonferenz zu legen. Und Merz wollte einen Fahrplan verabreden. Die Maßnahmen zum Bürokratieabbau (Sunset-Klausel) und die Reform des CO₂-Zertifikatehandels zur Senkung der Energiepreise sollen nun schon im März vom Rat beschlossen werden. Europa stehe vor der Aufgabe, die eigenen Arbeiten zu erledigen. „Dann werden wir ganz von selbst eine stärkere Position in der Welt haben“, sagte Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker im Podcast von Table.Briefings. Die EU komme aus einer Wirtschaftsunion, dessen müsse man sich bewusst werden. „Der Rahmen ist jetzt gesetzt. Nun müssen wir umsetzen“, ergänzt einer aus Merz’ Umfeld.

Die Freihandelsabkommen mit Indien und Mercosur hätten „ein neues Momentum für Europa“ gebracht, sagt etwa der CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt. „Die Welt sortiert sich neu. Ich will, dass wir ein starkes Europa haben“, machte Vizekanzler Lars Klingbeil in München klar. In dieser Linie reist Kanzler Merz Ende Februar mit der bisher größten Wirtschaftsdelegation seit fast 20 Jahren nach China. Dazu passt auch, dass Merz zwar öffentliche Kritik an Donald Trump und seiner Regierung meidet, aber auch in München durchaus Zeichen setzt. Beispielsweise mit dem Treffen des im Trump-Lager verhassten Gouverneurs aus Kalifornien, Gavin Newsom. Und als US-Außenminister Marco Rubio im Hauptsaal spricht, trifft der Kanzler in einem Hinterzimmer Vertreter von Defence-Start-ups.

Mit dem Abschluss der Sicherheitskonferenz ist das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA endgültig von Romantik und Nostalgie befreit. Die emotionale Freundschaft ist einer kollegialen Nüchternheit gewichen. Das muss nicht schlecht sein. Wenn Deutschland seine Führungsrolle annimmt und ökonomisch aufholt, würden die USA ohnehin wieder anders mit Deutschland umgehen, soll Merz Teilnehmern zufolge in einer Runde mit Unionspolitikern am Freitagabend gesagt haben.

Zur Souveränität gehört auch eine engere Rüstungskooperation. Ein Thema, bei dem mancher in der deutschen Delegation seufzte und mit dem Finger auf Frankreich zeigte. Das deutsch-französische Flugzeugprojekt FCAS gilt intern als beerdigt. Ein Neuanfang soll nun mit den Briten und den Italienern gelingen. Man habe das offizielle Aus nur nicht während der MSC verkünden wollen. Die einst schwierige Partner stehen nun an Merz‘ Seite: Giorgia Meloni und Keir Starmer. Wie die EU-Beistandsklausel nun ausgestaltet werden soll, lesen Sie im Europe.Table.

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Rüstung: Rheinmetall-CEO will mehr Waffen an die Ukraine liefern. Der Vorstandsvorsitzende der Rheinmetall AG, Armin Papperger, glaubt nicht, dass der Krieg in diesem Jahr zu Ende gehen wird. „Russland hat daran kein Interesse“, sagte Papperger im Podcast Table.Today. Die Ukraine müsse weiter unterstützt werden, das notwendige Material dazu sei vorhanden. „Wir können in vielen Bereichen helfen. Wir produzieren derzeit mehr Munition als wir Verträge haben“, so Papperger. „Es fehlt an der einen oder anderen Stelle Finanzierung.“ Man könne mehr „Flugabwehrgeschütz, mehr Munition und sogar mehr Panzer liefern“.

Der Rheinmetall-CEO sieht konkrete Fortschritte bei einer einheitlichen europäischen Verteidigungsunion. „Die Konsolidierung und Standardisierung hat bereits stattgefunden. Wir haben bei der großkalibrigen Munition einen Marktanteil in Europa von 70 Prozent”, sagte Papperger. Gleichzeitig seien die Preise durch die größeren Stückzahlen erheblich gesunken. Bei den Fahrzeugen, etwa den Schützenpanzern, werde Deutschland ebenfalls den Standard setzen, glaubt der Manager. Das Problem bei der deutsch-französischen Flugzeugkooperation FCAS: Es sei versucht worden, die Angelegenheit ohne eine „industrielle Beteiligung“ politisch zu lösen. Das Gespräch mit Papperger hören Sie im Podcast Table.Today ab 5 Uhr hier. Michael Bröcker

TableToday mit Armin Papperger. "Wie lange hält die Ukraine durch, Herr Papperger?"
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News

Europäischer Nuklearschirm: Was Frankreich und Deutschland planen. Bundeskanzler Friedrich Merz und der französische Präsident Emmanuel Macron haben einen strategischen Dialog darüber begonnen, ob es auch im Bereich der nuklearen Abschreckung mehr Unabhängigkeit von den USA braucht. Zustimmung gibt es dafür aus der SPD. Die Trump-Administration stelle zwar die nukleare Teilhabe noch nicht in Frage, allerdings seien „angesichts der Turbulenzen, durch die das transatlantische Verhältnis geht, Zweifel an der Verlässlichkeit entstanden”, sagte die stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Siemtje Möller Table.Briefings. Möller hält es daher für „sinnvoll, mit Frankreich zu diskutieren, wie eine Europäisierung der nuklearen Abschreckung stattfinden könnte“.

Macron will wohl Anfang März in einer sicherheitspolitischen Rede die französische Nukleardoktrin nachschärfen. Frankreich nimmt anders als Großbritannien nicht an den Planungen der nuklearen Planungsgruppe der Nato teil. Dabei dürfte es auch bleiben. Die stellvertretende französische Verteidigungsministerin Alice Rufo erklärte bei der MSC aber, dass die Ankündigung zu einem strategischen Dialog eingebettet in die nukleare Teilhabe innerhalb der Nato nicht im Widerspruch zur Autonomie der französischen Nuklearstreitkräfte stehe.

Zunächst dürfte es um praktische Schritte gehen, wie sich Deutschland beteiligen kann. „Für Deutschland ist es bereits ein großer Schritt nach vorn, als Nicht-Atomwaffenstaat überhaupt über Nuklearpolitik mitdiskutieren zu können“, sagt Emil Archambault von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Wie genau diese Schritte aussehen könnten, was Nato-Generalsekretär Mark Rutte davon hält und inwiefern auch innerhalb der Bundesregierung unterschiedliche Töne gesetzt wurden, lesen Sie im Security.Table. Gabriel Bub, Wilhelmine Stenglin

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Resilienz als gesellschaftliche Aufgabe: Wie der Schutz vor Sabotage und Drohnen gelingen soll. Generalleutnant Alexander Sollfrank sieht Deutschland in Sachen Resilienz noch nicht ausreichend aufgestellt. Im Interview mit Table.Briefings  drängt er auf umfassende Vorbereitungen in Friedenszeiten. Auf der MSC wurde deutlich, dass Abschreckung gegenüber Russland nicht mehr als alleinige Aufgabe des Militärs wahrgenommen wird. Gesellschaft und Wirtschaft müssten widerstandsfähiger, Netze und kritische Infrastruktur gegen hybride Angriffe gehärtet werden, hatte Friedrich Merz in seiner MSC-Eröffnungsrede konstatiert. Die deutsche Wirtschaft befindet sich derzeit noch in der Orientierungsphase, wie sich ein effektiver Schutz vor Sabotage, Drohnen und Desinformation gestalten lässt. Wie sich Resilienz als neuer „Sub-Verteidigungsindustrie“ etablieren könnte, lesen Sie im Security.Table. Lisa-Martina Klein

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Wir sind die Weitblick-für-die-Pflege-Versicherung. Weil wir für eine generationengerechte Pflege vorsorgen. Ein Großteil aller Einnahmen fließt in die PKV-Nachhaltigkeitsreserve. Dieses Geld legen wir gewinnbringend am Kapitalmarkt an. Mit den Erträgen sind die Leistungen der Pflegeversicherung komplett abgedeckt – auch wenn die Zahl der Pflegebedürftigen weiter ansteigt. (mehr auf pkv.de)

Energiegeschäfte: Was Rubio in Bratislava und Budapest vorhat. US-Außenminister Marco Rubio wollte nach der MSC die EU-kritischen und Trump-freundlichen Regierungen in der Slowakei und in Ungarn treffen. Dabei geht es nicht nur um die Beziehungspflege zu politisch Gleichgesinnten, sondern vor allem um Energiegeschäfte. Rubio will Europa mehr US-Atomtechnologien und LNG verkaufen. Dass die USA das fossile Energiezeitalter gerne verlängern wollen, machte Rubio in seiner MSC-Rede deutlich. Er sprach abfällig vom „Klimakult“ der vergangenen Jahre und meinte damit die Klimaschutzbemühungen westlicher Staaten.

Die US-Regierung unter Donald Trump setzt auf das Gegenteil. Und die Interessen von Gas- und Öl-Konzernen aus den USA spielen auch bei Verhandlungen über den Frieden in der Ukraine eine Rolle. Russland und die USA wollen gemeinsam Öl- und Gasprojekte vorantreiben, die wegen des Krieges auf Eis liegen. Wie die USA auch die Atomenergiegeschäfte vorantreiben, lesen Sie im Security.Table. Viktor Funk

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18. Bundesversammlung: Wahl des Staatsoberhaupts voraussichtlich am 14. Februar 2027. Dieser Termin zeichnet sich nach Informationen von Table.Briefings ab. Überlegungen, die Bundesversammlung aus Rücksicht auf eine mögliche Terminkollision mit der Münchner MSC eine oder zwei Wochen früher einzuberufen, wurden offenbar verworfen. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner beruft das Gremium zur Wahl für die Nachfolge von Frank-Walter Steinmeier zu einem Termin „spätestens dreißig Tage vor Ablauf der Amtszeit des Bundespräsidenten“ ein. So schreibt es das Grundgesetz vor. Offiziell ist eine Terminentscheidung noch nicht gefallen. Das werde „in den nächsten Wochen passieren“, teilt der Bundestag mit.

Steinmeiers Amtszeit endet am 18. März 2027. Seit der 7. Bundesversammlung im Mai 1979 treten die Bundestagsabgeordneten und ebenso viele Delegierte der Länder stets in der Woche vor Beginn der 30-Tage-Frist zusammen. Abweichungen von dieser Tradition gab es nur nach den Rücktritten von Horst Köhler und Christian Wulff. Bei einer Wahl deutlich vor Beginn der 30-Tage-Frist steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine Situation eintritt, in der der amtierende Bundespräsident eine schwerwiegende Entscheidung treffen muss – beispielsweise zur Auflösung des Bundestages –, während bereits ein Nachfolger gewählt ist.

In der Bundesversammlung 2027 werden Union und SPD wahrscheinlich eine gemeinsame Mehrheit der 1.260 Delegierten stellen. Das ergibt sich aus einer Berechnung der Sitzverteilung vonTable.Briefings auf der Basis der jüngsten Umfragen von Infratest dimap in den fünf Bundesländern, die im laufenden Jahr noch neue Landesparlamente wählen. CDU und CSU könnten rechnerisch auch ohne die AfD gegen die SPD eine Kandidatin oder einen Kandidaten durchsetzen – beispielsweise in einem Jamaika-Bündnis. Die SPD hätte hingegen nicht die Möglichkeit, eine Kandidatin oder einen Kandidaten ohne Stimmen der Union oder der AfD durchzusetzen. Michael Bröcker, Sven Siebert

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Bahn-Sicherheit: Hoher Handlungsdruck, geringe Zahlungsbereitschaft. Ein Sicherheitsgipfel und neue Zahlen – es wird immer deutlicher, dass auf Bahnhöfen und in Zügen Handlungsbedarf besteht. Beim Gipfeltreffen am Freitag erklärte sich die Bahn bereit, alle Zugbegleiter mit Kameras auszustatten. Auch Tonaufnahmen sollen nun möglich sein. Die private Konkurrenz, die bundesweit rund 30 Prozent des Regionalverkehrs abwickelt und bisher eher zögerlich beim Thema Kameras war, wird wohl nachziehen. Neue Zahlen der Bundespolizei, über die Bild berichtet, sprechen für 2025 von 5.660 Attacken in Zügen und auf Bahnhöfen nur auf Polizeibeamte. Hinzu kommen 2.200 Sexualdelikte und 980 Messerattacken.

Politisch ist der Handlungsbedarf offenbar erkannt. Die MPK wird sich mit dem Thema befassen. Das kündigte Ministerpräsident Alexander Schweitzer am Abend an. Im Saarland, in Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Hessen wollen die Regierungen die Bahn-Sicherheit in den nächsten Tagen mit Personalvertretungen und Verbünden beraten. In NRW soll im März eine Sicherheitskonferenz in Essen stattfinden. Der strittigste Punkt am Freitag war aber wieder einmal das Geld. Weder Bund noch Länder wollen zusätzliche Mittel bereitstellen. Der Vorschlag, die Zahl der Verkehrsverbünde zu reduzieren und so Hunderte von Millionen einzusparen, stieß wiederum auf heftigen Widerstand, insbesondere des bayerischen Verkehrsministers. Hintergrund: Allein dort verdienen sich zwei Dutzend Landräte mit Aufsichtsratsposten in den Verkehrsverbünden ein Zubrot. Horand Knaup

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Energie-Zuschüsse für Pflegeeinrichtungen: Rechnungshof kritisiert Verfahren. Weil 2022 wegen des russischen Überfalls auf die Ukraine die Energiepreise stark stiegen, wollte der Bund Pflegeeinrichtungen durch Ergänzungshilfen entlasten. Auszahlung und Antragsprozess seien jedoch zu kompliziert und zeitintensiv gewesen, heißt es in einem Bericht des Bundesrechnungshofs (BRH), der Table.Briefings vorliegt. Von den bereitgestellten zwei Milliarden Euro wurden nur etwa 430 Millionen ausgezahlt. Prüfungen der Pflegekassen ergaben: Die Einrichtungen müssen einen großen Teil der Zuschüsse zurückzahlen.

Der bürokratische Aufwand habe in keinem angemessenen Verhältnis zum tatsächlichen Nutzen gestanden, so der BRH. Das BMG hätte trotz des Zeitdrucks berücksichtigen müssen, dass sich Energiekosten kurzfristig ändern können und deutliche Unterschiede zwischen Sommer und Winter bestehen. Bundesmittel sollten „künftig nur dann an Pflegeeinrichtungen vergeben werden, wenn und solange hierfür ein nachweisbarer Bedarf besteht“. Magdalena Latz

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Kanzler-Reise nach China: Was Peking von Merz erwartet. Der bevorstehende China-Besuch von Friedrich Merz wird in Peking aufmerksam verfolgt. Der Politikexperte Wang Huiyao, Präsident des Thinktanks Center for China and Globalization (CCG) in Peking, hofft, dass Merz „eher wirtschaftliche als ideologische Interessen in den Vordergrund stellt.“ Für Wang sind Besuche wie jener von Keir Starmer ein Paradigmenwechsel. „Es geht nicht mehr um China gegen den Westen.“ Die USA versuchten, die EU aus den sogenannten traditionellen westlichen Bündnissen herauszudrängen, sagt Wang Table.Briefings. „Jetzt suchen sie nach einem stabilen Anker.“ Wie chinesische Fabriken bald in der ganzen Welt tätig werden könnten, lesen Sie im China.Table. Angela Köckritz

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Alexandria Ocasio-Cortez in Berlin: Lehrstunde für die deutsche Sozialdemokratie. Am Sonntagabend sprach die US-Demokratin an der TU Berlin vor rund 1.000 Studentinnen und Studenten mit der SPD-Abgeordneten Isabel Cademartori. Das Gespräch zeigte: Ocasio-Cortez ist das, was die SPD gerne sein möchte – authentisch und mit klaren Botschaften. Regierungen hätten sich zu weit davon entfernt, auf die Bedürfnisse der Arbeiterklasse einzugehen, sagte sie. Ein Grund für den anhaltenden Populismus, den Ocasio-Cortez nicht per se negativ sieht. Es komme auf die Erzählung an. Die Rechten würden Migranten und Arbeitslosen die Schuld an der Entwicklung geben. Das alles diene nur dazu, „von der Wahrheit abzulenken: nämlich, dass es die Wirtschaftseliten sind, die sich den Löwenanteil des Wachstums sichern und der Arbeiterklasse nur Krümel übrig lassen“, sagte sie weiter.

Während Ocasio-Cortez in den USA als linke Politikerin wahrgenommen wird, gelten ihre Forderungen hierzulande als sozialdemokratisch mehrheitsfähig. Umso interessanter war für die anwesenden SPD-Politiker wie den Berliner SPD-Spitzenkandidaten Steffen Krach, Franziska Giffey und den Bundestagsabgeordneten Adis Ahmetovic, dass Ocasio-Cortez es in rund 90 Minuten schaffte, die Studenten und potenziellen SPD-Wähler für ihre Thesen zu begeistern. Die US-amerikanische Politikerin wird derzeit als mögliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten für 2028 gehandelt. Ein Indiz dafür war für US-Medien ihre Teilnahme an der Münchner Sicherheitskonferenz. Laura Block

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Innovationen: Gemeinnützige Initiative startet Startup-Zentrum in Berlin-Brandenburg. Unter dem Namen JUNI startet am Montag eine neue Initiative zur Förderung von Startups im Tech-Bereich. Das Ziel sei es, ein Leuchtturm für sogenannte Deeptech-Gründungen zu werden. Die Förderung soll alsbald beginnen; Ziel ist es, ab 2030 jährlich 365 Startups zu gründen – ein Startup pro Tag – und 3.500 neue Arbeitsplätze in der Region zu schaffen. Am Mittwoch trifft sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner mit 150 Gründern. Hinter JUNI steht ein Netzwerk aus 38 Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie zahlreichen Gründern. Der langjährige Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann hat mit Partnern gut 25 Millionen Euro für die Initiative mobilisiert. JUNI ist inspiriert von erfolgreichen Modellen aus München und Stanford. Stefan Braun

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Einladung: Volkes.Stimmen – Demokratie in Bewegung. Wie blicken Menschen in diesem Land auf Politik, Medien und die Zukunft des Journalismus. 04. März um 18:30 Uhr. Jetzt anmelden.

Heads

John Hurley könnte neuer US-Botschafter in Deutschland werden. Laut FT gilt der bisher im US-Finanzministerium für Terrorismusbekämpfung und Finanzanalysen zuständige Beamte als Kandidat für den Posten. Er spielte demnach eine zentrale Rolle bei Sanktionen gegen Russland und in den Gesprächen mit der Ukraine. Außerdem sei er maßgeblich an der Ausarbeitung von Sanktionen gegen Drogenkartelle in Lateinamerika sowie an der Bekämpfung des iranischen Ölhandels beteiligt gewesen, schreibt ein Autorenteam. (Financial Times)

Ralph Wollburg ist Partner der Großkanzlei Linklaters und gelte als „Vertrauter vieler Wirtschaftsbosse“, schreiben Nadine Bös und Marcus Jung. Der Anwalt war in den vergangenen Jahrzehnten an vielen aufsehenerregenden Fällen beteiligt – beispielsweise beriet er VW im Dieselskandal und musste als Zeuge im Mannesmann-Prozess aussagen. (FAZ)

Alysa Liu hat bei den Olympischen Spielen Gold im Team-Wettbewerb gewonnen. Der chinesische Vater der 20-jährigen US-Eiskunstläuferin kam nach den Studentenprotesten 1989 in die USA. Liu und ihre vier Geschwister wurden von Leihmüttern auf die Welt gebracht. Mehr zur außergewöhnlichen Geschichte der Familie, zu der ein Spionagefall gehört, lesen Sie im China.Table. Amelie Richter

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Best of Table

Europe.Table: Industriepolitik rund ums Meer entscheidet über Wohlstand. Im Gegensatz zu China habe Europa beim Schiffbau stark abgebaut und sich abhängig gemacht, schreibt Reinhard Lüken vom Verband für Schiffbau und Meerestechnik.Warum es aus seiner Sicht gezielte Investitionen in die maritime Industrie braucht, lesen Sie hier.

Europe.Table: Zusammenarbeit mit USA bei Methan-Verordnung. Im Mai wollen Forscher der Universität Texas ein Prüfprotokoll für die Verifizierung der Emissionsberichte von Gasexporteuren veröffentlichen. Welche Ziele die EU damit verfolgt, lesen Sie hier.

Security.Table: Rekordzahlen bei Startup-Förderung der Nato.Der Defence Innovation Accelerator of the North Atlantic (DIANA) will seine Zusammenarbeit mit Deutschland ausbauen. Was geplant ist, lesen Sie hier.

China.Table: Chinas und Indiens wachsendes Selbstbewusstsein. Chinas Außenminister Wang Yi hat auf der MSC intensiv um Partner geworben. Indien positioniert sich indes zunehmend als strategischer Akteur und baut seine Beziehungen zu Europa aus. Welche Botschaften die beiden Staaten bei der Konferenz sendeten, lesen Sie hier.

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Bereit für den Spannungsfall? Wie es um Deutschlands Gesamtverteidigung steht und was wir tun müssen. Table.Forum.

Time.Table

Highlights der Woche

Von Dienstag bis Freitag nimmt Karsten Wildberger mit einer Wirtschaftsdelegation am AI Action Summit in Neu-Delhi teil. Dabei geht es unter anderem darum, eine Alternative zur Dominanz der USA und Chinas in Sachen KI zu finden.

Am Mittwoch finden die traditionellen Veranstaltungen zum Politischen Aschermittwoch statt. Die SPD ist an mehreren Orten vertreten, darunter Lars Klingbeil in Vilshofen (Bayern) sowie Bärbel Bas und Anke Rehlinger in Rehlingen-Siersburg (Saarland). Ähnlich ist es bei der CDU: In Apolda (Thüringen) treten Friedrich Merz und Mario Voigt auf sowie in Fellbach (Baden-Württemberg) Manuel Hagel und Boris Rhein. Bei den Grünen sprechen Winfried Kretschmann, Cem Özdemir und Ricarda Lang in Biberach (BW), bei der CSU Markus Söder und Generalsekretär Martin Huber in Passau (BY).

Am Freitag und Samstag findet der CDU-Parteitag in Stuttgart statt. Knapp drei Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg werden dort Bundesvorstand und Vorsitzender neu gewählt. Eine Sammlung der Anträge finden Sie hier.

16. Februar

Außenpolitik: Frank-Walter Steinmeier besucht den Libanon und trifft Präsident Joseph Aoun, Parlamentspräsident Nabih Berri und Ministerpräsident Nawaf Salam. Beirut

Demokratie: Bill Clinton und Hillary Clinton eröffnen das World Forum am Brandenburger Tor. Bis 17. Februar. Mehr Informationen

Sicherheit: Daniel Günther und Oleksandr Prokudin, Gouverneur der Oblast Cherson, eröffnen die zweitägige Konferenz „Von der Ukraine lernen“. Kiel

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Must Reads

Le Monde: Wie Frankreich und Deutschland auf Europa schauen. Friedrich Merz und Emmanuel Macron hätten unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft Europas, schreiben Elsa Conesa und Claire Gatinois. Frankreich plädiere für ein souveränes Europa mit „strategischer Autonomie“. Der Kanzler befürworte einen Mittelweg: eine Stärkung der Unabhängigkeit der EU bei Aufrechterhaltung der historischen Bindung an die USA. („A Munich, la France et l’Allemagne exposent deux visions de l’Europe, Marco Rubio veut ‚construire un nouveau siècle occidental‘“)

NYT: Europa zeigt seine Stärke. Kein anderer Redner aus Europa habe so deutlich eine europäische Unabhängigkeit von den USA thematisiert wie Emmanuel Macron, so Mark Landler. Auch wenn er den Namen Donald Trump nicht aussprach, habe Macron in nahezu jeder Aussage Bezug auf ihn genommen. Zudem habe der französische Präsident eine Botschaft europäisches Stolzes überbracht: Europa tue mehr als jedes anderes Land für die Ukraine. („Macron urges Europe to step up on the global stage and stresses unity on major issues, particularly Ukraine.“)

Rossijskaja Gaseta: Zynischer Blick Moskaus auf die MSC. Das Organ der russischen Regierung schenkt der MSC besondere Aufmerksamkeit. In seinem Text macht sich Jewgenij Schestakow über Mark Rutte lustig. Hauptsächlich versucht er aber, den Graben innerhalb der EU bezüglich der Ukraine-Hilfe zu vertiefen und unterstellt Wolodymyr Selenskyj, er erschrecke „weiterhin Europa mit einer nicht vorhandenen russischen Bedrohung”. Außerdem setzt er Sanktionen der EU mit Angriffen von deutschen U-Booten im Zweiten Weltkrieg auf sowjetische Handelsschiffe gleich.

WSJ: Breuers „Mehrfronten-Kampagne“. Generalinspektor Carsten Breuer versuche, Politik, Wirtschaft und Öffentlichkeit vom Sinn der Aufrüstung Deutschlands zu überzeugen, schreibt Gordon Fairclough. Seine größte Herausforderung sei der Umgang mit den Spannungen im transatlantischen Bündnis. Zwischen den Armeen seien die Beziehungen weiterhin gut, sagt Breuer. („A German General Prepares His Country for War—and the Clock Is Ticking“)

Handelsblatt: SPD stellt Bedingungen zu Linnemann-Vorstoß. Eine Verschiebung der Schwelle für den Spitzensteuersatz könne „als Teil eines Maßnahmenpakets kann mit Blick auf mittlere Einkommen“ sinnvoll sein, sagte Sebastian Roloff. Zugleich betonte der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD, die höchsten Einkommen müssten mehr zahlen als bisher. („CDU will Reform der Einkommensteuer – SPD stellt Bedingungen“)

Reuters: Stellantis setzt auf Diesel. Der Konzern führt angesichts niedriger E-Auto-Verkaufszahlen bei sieben Modellen wieder Diesel-Versionen ein. Da diese günstiger und chinesische Firmen in dem Segment nicht vertreten seien, bringe das in der derzeitigen Wirtschaftslage einen Wettbewerbsvorteil, so Gilles Guillaume. Dem Verband ACEA zufolge machten Diesel-Fahrzeuge 2025 nur 7,7 Prozent der Neuwagen-Verkäufe in Europa aus, bei vollelektrischen waren es 19,5 Prozent. („Stellantis resurrects diesel cars across Europe amid EV retreat“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

Caren Miosga, 21:45 Uhr: Armin Laschet, Nicole Deitelhoff, Gordon Repinski, Christian Mölling

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Christoph Kuckelkorn, Festkomitee Kölner Karneval: Karneval in angespannten Zeiten

7:15 Uhr: Johann Wadephul, Außenminister (CDU): MSC

8:10 Uhr: Antonio Krüger, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz: Wie weit ist die KI?

ZDF

7:08 Uhr: Ines Schwerdtner, Linken-Vorsitzende: Debatte über Sozialreformen

8:05: Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende Verteidigungsausschuss im Europaparlament (FDP): MSC

Welt TV

7:30 Uhr: Jürgen Hardt, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion: Ukraine-Verhandlungen in Genf

8 Uhr: Nico Lange, Sicherheitsexperte: MSC

8:30 Uhr: Heiko Teggatz, Vizevorsitzender der Polizeigewerkschaft (DPolG): Bahnhöfe als Gewalt-Hotspots

9 Uhr: Benjamin Höhne, Parteienforscher: Vorwurf der Vetternwirtschaft bei der AfD

9:30 Uhr: Armin Laschet, Vorsitzender Auswärtiger Ausschuss (CDU): MSC und Ukraine-Verhandlungen in Genf

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Geburtstage von morgen

Steffen Bilger, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion (CDU), 47

Bodo Ramelow, Vizepräsident des Bundestags (Linke), 70

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu politischen Floskeln. Im Lexikon-Format listet Hamburgs früherer Erster Bürgermeister Ole von Beust Phrasen, Rituale und bekannte Redewendungen auf – darunter die „ganze Härte des Rechtsstaats“, die „100-Tage-Bilanz“ und „Koch und Kellner“. Dabei übt er auch Selbstkritik und erzählt von seiner eigenen Amtszeit, inklusive seiner Erfahrungen mit Ronald Schill und Olaf Scholz. Zudem kritisiert von Beust, Politik und Medien würden sich sprachlich bisweilen gegenseitig hochschaukeln – mit negativen Folgen für die Demokratie. Okan Bellikli

Ole von Beust: Am Ende des Tages | Herder

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben Okan Bellikli, Laura Block, Stefan Braun, Michael Bröcker, Gabriel Bub, Damir Fras, Daniel Friesen, Viktor Funk, Lisa-Martina Klein, Horand Knaup, Angela Köckritz, Magdalena Latz, Vincent Mikoteit, Amelie Richter, Sven Siebert und Wilhelmine Stenglin mitgewirkt.

Der Berlin.Table ist das Late-Night-Briefing für die Table.Media-Community. Wenn Ihnen der Berlin.Table gefällt, empfehlen Sie uns bitte weiter. Wenn Ihnen diese Mail weitergeleitet wurde: Hier können Sie sich kostenlos anmelden.

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