Wie sehr freuen sich welche Grüne - und welche nicht

08. März 2026
Felix Banaszak und Franziska Brantner (picture alliance/dpa/Christoph Soeder)

Grüne in Berlin: Ein zähes Jahr geht mit einem unerwarteten Erfolg zu Ende. Den Bundesvorsitzenden Franziska Brantner und Felix Banaszak ist eine enorme Erleichterung über den Wahlerfolg von Cem Özdemir schon nach der Veröffentlichung der ersten Prognosen am Sonntagabend anzusehen. Beide heben nicht nur Özdemirs Rolle hervor, sondern sehen sich auch in ihrem Kurs in der Führung der Bundespartei bestätigt. „Eine solche Geschlossenheit gab es bei Bündnis 90/Die Grünen noch nie“, sagt Banaszak. Die Geschlossenheit sei „einzigartig“ gewesen, sagt Brantner.

In der Partei gibt es in beiden Flügeln die Hoffnung, die Geschlossenheit der vergangenen Monate werde halten. Özdemir hat seinen Erfolg mit einem sehr pragmatischen, wirtschaftsnahen Programm erreicht. Vertreter des realpolitischen Flügels sehen darin eine Bestätigung eines „lösungsorientierten Kurses der Mitte“. Aber auch auf der linken Seite heißt es, man müsse „breit in der Gesellschaft anschlussfähig“ sein. Die Freunde Brantners sehen die Vorsitzende gestärkt, die in ihrem Heimatbundesland intensiv Wahlkampf betrieben habe. Brantner selbst hebt immer wieder hervor, sie habe in den vergangenen Wochen jeden Wahlkreis besucht. „Das ist auch Franziskas Erfolg“, sagt einer am Sonntag.

Von Özdemir erwarten viele, dass er sich – stärker als Winfried Kretschmann – bundespolitisch „einbringen“ werde. Özdemir habe selbst die Partei als Bundesvorsitzender geführt und lange in Berlin gelebt. Er sei Bundespolitiker „und wird das auch bleiben“. Banaszak und Brantner betonten vor der Wahl und setzen das auch am Sonntag fort, dass sich der baden-württembergische Kurs nicht auf den Wahlkampf in anderen Bundesländern übertragen lasse. Aus dem linken Berliner Landesverband wird hoffnungsvoll die Erwartung geäußert, Özdemir werde bis zu den Abgeordnetenhauswahlen im September vor allem mit Landespolitik beschäftigt sein.

Vor gut einem Jahr haben die Grünen bei der Bundestagswahl eine schmerzhafte Niederlage erlitten. Nun sei Grün zurück, heißt es. Und die Erfahrungen aus dem Wahlkampf in Baden-Württemberg zeigten, dass der Partei nicht mehr eine breite anti-grüne Stimmung entgegenschlage. Die Stimmung – auch im Südwesten – sei vor einem Jahr eine vollkommen andere gewesen. Genau registriert wurde die Demoskopen-Analyse, auch bei den Jungwählern habe die Partei vorne gelegen. Wenig Mitgefühl gibt es mit der Linkspartei, die an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, und den Grünen im vergangenen Jahr bei den Jungen den Rang abgelaufen hatte. Sven Siebert

Briefings wie Berlin.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 08. März 2026