Ludwig-Erhard-Gipfel: Fehlendes Programm, prominente Absagen, wachsende Zweifel

Die Kritik am Ludwig‑Erhard‑Gipfel reißt nicht ab: Nach dem Rückzug prominenter Politiker bleiben in diesem Jahr auch viele Wirtschaftsvertreter fern. Ende April soll das Treffen starten, doch Programm, Rednerliste und Ausrichtung sind noch offen.

11. April 2026
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche fehlt diesmal beim Gipfel (picture alliance / SVEN SIMON | Frank Hoermann / SVEN SIMON)

In rund zwei Wochen, vom 28. bis 30. April, startet der Ludwig‑Erhard‑Gipfel am Tegernsee und noch immer halten sich die Organisatoren bedeckt, was das konkrete Programm und die Rednerliste betrifft. Auf Nachfrage von Table.Briefings heißt es: „Ein offizielles Programm inklusive Speakernamen liegt aktuell noch nicht vor.“ Auch Hintergrundgespräche für Journalistinnen und Journalisten im Vorfeld des Gipfels, die ursprünglich geplant waren, soll es nun doch nicht geben. Offizielle Einladungen, die Table.Briefings vorliegen, enthalten ebenfalls keine Angaben zu Top-Gästen. Dort heißt es lediglich: „Mit Ihrer Zusage lösen Sie unser Versprechen ein, dass unsere Gäste im Publikum nicht minder interessant sind als die auf der Bühne“. Und selbst Redner, die eine Teilnahme planen, kennen die Details des Programms noch nicht.

Die Veranstaltung der Weimer Media Group geriet zuletzt in den Fokus, weil angeblich mit exklusivem Zugang zu Bundesministern geworben wurde. Die Weimer Media Group wies die Vorwürfe zurück. Infolge der Berichterstattung über die Kritik an der Veranstaltung erklärte der parteilose Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, seine Anteile an der Weimer Media Group vorläufig ruhen zu lassen. Die Geschäftsführung hatte er bereits vor seinem Amtsantritt niedergelegt.

Dennoch haben inzwischen mehrere prominente politische Gäste ihre Teilnahme abgesagt. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche wird ebenso wenig teilnehmen wie Vizekanzler Lars Klingbeil und Forschungsministerin Dorothee Bär. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat darüber hinaus seine Schirmherrschaft für den Ludwig‑Erhard‑Gipfel 2026 ausgesetzt und seine Teilnahme abgesagt.

Auch aus der Wirtschaft bleiben frühere Teilnehmer der Veranstaltung fern. Siemens‑Chef Roland Busch, der 2024 noch am Ludwig‑Erhard‑Gipfel teilgenommen hatte, wird in diesem Jahr nicht vor Ort sein. Siemens teilt auf Anfrage mit: „Eine Teilnahme von Herrn Busch oder von anderen Mitgliedern des Vorstands der Siemens AG am diesjährigen Ludwig‑Erhard‑Gipfel ist derzeit nicht geplant.“ Ebenso werden Stefan Kapferer, CEO des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, sowie Stefan Rummel, CEO der Messe München, die im vergangenen Jahr am Gipfel teilgenommen hatten, in diesem Jahr nicht an den Tegernsee reisen. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen rieten Mitarbeiter mehrerer Dax‑CEOs ihren Chefs von einer Teilnahme am Gipfel ab. Ein Auftritt sei aus ihrer Sicht wenig vorteilhaft. In den Chefetagen habe man einen Reputationsgewinn durch eine Teilnahme nicht erkannt.

Hinzu kommt eine wachsende Zurückhaltung auf Sponsorenseite. „Wir haben bei der Festlegung unserer Sponsoringaktivitäten für 2026 bereits im vergangenen Oktober den Ludwig‑Erhard‑Gipfel nicht erneut in unsere Pläne aufgenommen“, erklärt die Unternehmensberatung Roland Berger. Andere Unternehmen verweisen hingegen auf bestehende Vertragsbindungen. Die Warburg Bank teilt mit: „Wir sind auf Basis eines mehrjährigen Vertrags auch 2026 Partner des Ludwig‑Erhard‑Gipfels.“ Auch Audi betont eine bestehende Zusammenarbeit: „Im Rahmen einer bereits bestehenden Kooperations‑ und Mobilitätspartnerschaft unterstützen wir die diesjährige Veranstaltung mit Fahrzeugen für den Shuttleservice.“

Ob und wie sich die prominenten Absagen, das fehlende Programm und die Zurückhaltung von Sponsoren auf die Nachfrage auswirken, bleibt bislang unklar. Zum Stand des Ticketverkaufs äußern sich die Organisatoren ebenfalls nicht. Alexander Wiedmann

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Letzte Aktualisierung: 11. April 2026