Berlin.Table – Ausgabe 772

Merz’ neue Töne in China + Zweifel an neuem Heizungsgesetz + Kampf gegen Organisierte Kriminalität

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Talk of the Town

Merz in China: Warum der Kanzler nicht mehr vom systemischen Rivalen spricht

„Dialog“ ist das Wort, das am ersten Tag des Antrittsbesuchs von Friedrich Merz in China am häufigsten fällt. Von Rivalität ist keine Rede mehr. China sei Partner, Wettbewerber und systemischer Rivale – diesen Dreiklang formuliert die EU seit 2019 und Deutschland seit 2023. Merz gehörte in der Vergangenheit stets zu der Gruppe innerhalb der CDU, der den Aspekt des Rivalen im Vordergrund sah. Nun folgt der Kanzler seiner Überzeugung, dass deutsche Außenpolitik zu lange „gemahnt, gefordert, gemaßregelt“ habe. Er will es anders machen, gerade im Verhältnis zu China – dem Land, „an dem niemand mehr vorbei kommt“. Also in den Dialog gehen, das erinnert an Angela Merkel, klingt nach Handel auch ohne Wandel.

Für Merz ist in Peking alles vor allem eine Frage des Tons. Er bedankt sich „von Herzen“ für die Einladung kurz nach dem chinesischen Neujahr und gratuliert bei jeder Gelegenheit zum „Jahr des Feuerpferdes“. Ende dieses Jahres soll die Tradition regelmäßiger Regierungskonsultationen wieder aufgenommen werden. Über das Datum wird noch verhandelt, aber klar ist bereits, dass sie in China stattfinden sollen.

Sogar beim Thema Ukraine bleibt der Kanzler zahm. „Ich habe meine Gesprächspartner heute gebeten, ihren Einfluss geltend zu machen, um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Darauf kann Beijing Einfluss nehmen“, sagt Merz nach seinem Treffen mit Xi Jinping, dem chinesischen Staatschef. Merz ist der Meinung, dass Xi neben Wladimir Putin und Donald Trump einer der drei Männer auf der Welt ist, die den Krieg beenden könnten. Doch Chinas militärische Unterstützung für Russland ist enorm: Peking verschafft Moskau eine wichtige wirtschaftliche Lebensader durch Energieeinkäufe, kritische Mineralien für die Drohnenproduktion sowie einen stetigen Fluss von Dual-Use-Gütern wie Mikroelektronik und Industrieausrüstung.

Mit dem Dialog ist es in der Praxis nicht so einfach. Er kann auch bedeuten, dass beide Seiten ihre Punkte machen, ohne aufeinander einzugehen, ohne zu einem Ergebnis zu kommen. So etwa, als Merz neben dem chinesischen Ministerpräsidenten Li Qiang in der Halle des Volkes sitzt, umringt von den mitreisenden CEOs und Vertretern der chinesischen Wirtschaft. Der Kanzler spricht die zahlreichen Handelshemmnisse an und macht deutlich, dass das nicht ohne Konsequenzen bleiben werde. Er droht nicht offen, sondern zitiert nur Stimmen, die nach Schutz der deutschen und europäischen Wirtschaft riefen. Merz nennt Wege, wie es auch anders gehen könnte: moderate Aufwertung der chinesischen Währung, Behandlung von Rohstoffen nach wirtschaftlichen Erwägungen. Der chinesische Ministerpräsident dankt für die „pragmatischen Empfehlungen“, verlegt sich dann aber auf Floskeln: „Wir nehmen die Probleme sehr ernst.“

So war es auch bei den Besuchen von Lars Klingbeil und Johann Wadephul. Die deutsche Seite pochte auf faire Bedingungen. Die chinesische Seite zeigte öffentlich Verständnis und Problemlösungswillen. Massiv verbessert hat sich seitdem nichts. Die Bundesregierung ist trotzdem hoffnungsvoll, dass die Worte des Kanzlers nun eine Wirkung haben. Immerhin einen konkreten Erfolg gibt es zu vermelden: Peking will 120 Flugzeuge bei Airbus kaufen. Und es gibt ein memorandum of understanding über die Kooperation bei Tierseuchen, um den Handel mit Schweinefleisch und Hühnerfüßen anzukurbeln.

Im Wahlkampf hatte Merz China noch als Teil einer „Achse von Autokratien“ bezeichnet. Zudem hatte er Olaf Scholz dafür kritisiert, dass er die Zeitenwende gegenüber China nicht vollzogen habe. Und jetzt? Das Thema Sicherheit, die Sorge der deutschen Dienste vor chinesischer Spionage und Sabotage spielte in den öffentlichen Äußerungen auf der Reise keine Rolle. Der Begriff „De-Risking“ fiel nicht. Es sollen lediglich die Chinesen gewesen sein, die intern die rechtlichen Beschränkungen chinesischer Investitionen in Schlüsselindustrien angesprochen haben.

Ist der Kanzler nun in der Realpolitik angekommen? Das ist sicherlich ein Teil der Wahrheit. Aber noch am Aschermittwoch hatte Merz Pekings „aggressives“ Gebaren im Südchinesischen Meer öffentlich kritisiert. Von Angesicht zu Angesicht will er die Reizthemen offenbar vermeiden. Der Beziehungsaufbau stehe im Vordergrund, so heißt es. Sein Statement vor dem Abflug in Berlin hatte er sogar noch einmal geändert. Nachträglich fügte er die Betonung der Ein-China-Politik als deutsche Leitlinie ein.
Was Xis Botschaft nach dem Treffen mit Merz war, lesen Sie im China.Table. Wie Bayer-CEO Bill Anderson die Reise mit dem Kanzler erlebt, hören Sie im Podcast ab 5 Uhr hier.

Table.Today. "Das China-Dilemma. Mit Bill Anderson"
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News

Neues Heizungsgesetz: Zweifel an Wirksamkeit und Rechtmäßigkeit. Die von den Regierungskoalitionen am Dienstagabend vorgestellten Eckpunkte für das künftige Gebäudeenergiegesetzes sind in Fachkreisen auf starke Vorbehalte gestoßen. Dass die geplante Grüngasquote dabei hilft, die Klimaziele trotz des weiterhin erlaubten Einbaus neuer Öl- und Gasheizungen zu erreichen, wird vielfach bezweifelt. Auch für eine sich transformierende Industrie seien Wasserstoff und Biomethan „unabdingbare Rohstoffe“, sagte Matthias Belitz, Leiter des Bereichs Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz im VCI, Table.Briefings. „Durch einen großflächigen Einsatz im Gebäudesektor würde der Industrie weniger davon zur Verfügung stehen und die Preise könnten steigen.“ Auch Veit Bürger vom Öko-Institut warnt: Wer grüne Gase „breit im Wärmemarkt einsetzt, bindet knappe Ressourcen dort, wo ihr systemischer Nutzen gering ist“.

Auch für Verbraucher kann die geplante Quote zum Problem werden. Sozialverbände und Wirtschaftsfachleute warnen vor steigenden Heizkosten. Vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen würden durch die Grüngasquote belastet – das besagt eine Prognos-Kurzstudie im Auftrag des Deutschen Caritasverbandes und der European Climate Foundation, die Table.Briefings vorliegt. Wer mit Gas heizt und zu den ärmsten zehn Prozent der Bevölkerung gehört, muss demnach 2029 mit rund 103 Euro mehr Kosten im Jahr rechnen, was einem Prozent des Jahreseinkommens entspricht. Mehr zu den Auswirkungen der Grüngasquote lesen Sie im Climate.Table.

Auch juristisch wirft die Novelle Fragen auf. „Die geplante Reform verstößt gegen Verfassungs-, Europa- und Völkerrecht“, sagt der Nachhaltigkeitsforscher Felix Ekardt, der eine der anhängigen Klima-Verfassungsbeschwerden anwaltlich vertritt. „Sie unterläuft die EU-Gebäuderichtlinie und das Klimaschutz-Verschlechterungsverbot im Verfassungsrecht“ und sei zudem unvereinbar mit völkerrechtlichen Vorgaben. Remo Klinger, der als Anwalt im Auftrag der DUH verschiedene Klimaklagen verantwortet, kündigt an, „entsprechende rechtliche Schritte zu prüfen“. Nach den bisher bekannten Eckpunkten „können wir eine Verfassungswidrigkeit nicht ausschließen“. Worauf sich die Klagen stützen könnten und warum das neue Gesetz auch in Konflikt mit EU-Gebäuderichtlinie geraten könnte, lesen Sie in einer weiteren Analyse im Climate.Table. Nico Beckert, Alexandra Endres

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European Employment & Social Rights Forum. 3.-4. März. Brüssel & Online. European Commission

Organisierte Kriminalität: Wie der frühere Interpol-Chef den Aktionsplan sieht. Jürgen Stock, bis Ende 2024 Chef von Interpol, erkennt in dem Papier der Bundesregierung vor allem eine zentrale Neuerung: „Sollte eine Beweislastumkehr nach Jahrzehnten der Diskussion um dieses Thema gelingen, wäre das tatsächlich eine Zeitenwende im Kampf gegen OK“, sagte er Table.Briefings. Aus internationalen Sicherheitskreisen ist zu hören, dass Deutschland bislang als Geldwäsche-Paradies gilt; die Beweislastumkehr könnte daran etwas verändern. Dem Aktionsplan nach müssen OK-Verdächtige künftig nachweisen, Vermögenswerte legal erworben zu haben.

Beim Datenaustausch sollte laut Stock stärker der private Sektor berücksichtigt werden. „Dort befinden sich regelmäßig wichtige Daten zur Aufdeckung krimineller Wertschöpfungsketten.“ Stock plädiert zudem für mehr global koordinierte Analysen und Operationen der Ermittler unter Einbeziehung von Europol und Interpol; nur so könne man OK zurückdrängen, die selbst meist global agiere. Lars Klingbeil kündigte am Mittwoch an, „komplexe internationale Ermittlungen“ voranzutreiben, wurde auf Nachfrage allerdings wenig konkret. Man wolle die Zusammenarbeit in Lateinamerika sowie auf EU-Ebene stärken, sagte der Finanzminister. Franziska Klemenz

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Wir sind die Bei-Gesundheit-mehr-Mitsprache-Versicherung. Privatversicherte können ihren Schutz individuell zusammenstellen. Diese Leistungen sind garantiert und können auch durch die Politik nicht gekürzt werden. Zudem müssen Ärztinnen und Ärzte bei Privatpatienten nicht auf Budgetgrenzen achten. So können sie ihnen stets die bestmögliche Therapie anbieten. (mehr auf pkv.de)

Hybride Bedrohung: Sachsens Innenminister fordert „Chief Risk Manager“ im Kanzleramt. Dieser soll nach Vorstellung von Armin Schuster (CDU) permanent über einen Stab verfügen. Derzeit sind die Aufgaben des Risikomanagements auf verschiedene Abteilungen respektive Ministerien aufgeteilt. „Wir arbeiten mit einem unglaublich perfiden Gegner“, sagte Schuster am Mittwochabend in der Landesvertretung Sachsens in Berlin mit Blick auf hybride Bedrohungen. Das Grundgesetz kenne nur Krieg oder Frieden, Gegner nutzten aber den Graubereich und die Lücken in den Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern, Bundeswehr und Polizei aus. Man müsse außerdem die Anwendung der Notstandsgesetze konfigurieren, in Zivilschutz investieren und eine breite Informationskampagne für die Bevölkerung fahren, so Schuster. Franziska Klemenz

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Union Investment zur ersten Bundestagslesung:
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Zukunftszentrum Deutsche Einheit: Bau wird deutlich teurer. Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle wird mindestens 277 Millionen Euro statt der geplanten rund 200 Millionen Euro kosten. Das entspricht einem Quadratmeter-Preis von knapp 20.000 Euro, wie aus einem Bericht des BMWSB hervorgeht. Zuerst berichtete die Mitteldeutsche Zeitung. In dem Papier wird der Bau als zentrales Regierungsprojekt in Ostdeutschland bezeichnet. Bund und Parlament hatten die Gründung 2022 beschlossen.

Im Koalitionsvortrag bekennen sich Union und SPD zu dem Vorhaben. Ende 2025 forderte der Bundestag die Bundesregierung auf, „das Erinnern und die Auseinandersetzung mit dem Einigungsprozess ab 1990“ in dem Zentrum zu unterstützen. Das BMWSB verweist darauf, dass Preissteigerungen bis zur vorgesehenen Fertigstellung 2032 bisher nicht einkalkuliert waren. Das sei aber mittlerweile geschehen. Weitere Mehrkosten ergäben sich etwa durch die technische Ausrüstung des Hochhauses. Okan Bellikli

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Entbürokratisierung von Finanzdienstleistungen: Warum die EU-Kommission uneins ist. Die Finanzindustrie sowie die deutsche und französische Regierung erhoffen sich von der EU-Kommission einen Vorschlag, um die Finanzdienstleistungsregulierungen der EU zu vereinfachen. In der Kommission ist das Thema jedoch umstritten. In der zuständigen Generaldirektion DG FISMA will man die begrenzten Ressourcen nicht für einen Entbürokratisierungsomnibus auf EU-Ebene einsetzen, sondern sich auf die Abschaffung der Handelshürden zwischen den Mitgliedstaaten fokussieren. Nach Informationen von Table.Briefings argumentiert der für Simplifizierung zuständige Kommissar Valdis Dombrovskis aber dennoch für einen Gesetzesvorschlag. Derweil warnt die Finanz-NGO Finance Watch, dass eine Deregulierung die Finanzstabilität gefährden würde, ohne die Finanzierungsbedingungen für die Realwirtschaft wesentlich zu verbessern. Wie die nächsten Schritte aussehen, lesen Sie im Europe.Table. János Allenbach-Ammann

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Klimaklagen: Umweltverbände warnen vor Gesetzesnovelle. Umweltschutzorganisationen sehen ihre Möglichkeiten, für die Umwelt vor Gericht zu ziehen, durch Pläne der Bundesregierung gefährdet. Die Novelle des Umwelt-Rechtsbehelfsgesetzes (UmwRG), über die der Bundestag am Donnerstag in erster Lesung berät, schränke ihre Klagerechte stark ein, warnen sie – zum Schaden von Natur und Klima. In Deutschland können nur anerkannte Verbände für die Umwelt klagen. Werden sie darin eingeschränkt, verliert die Natur an Rechtsschutz. Die Verbände fordern deshalb Änderungen im parlamentarischen Verfahren.

Die Bundesregierung will mit dem Gesetzesvorhaben unter anderem Infrastrukturprojekte beschleunigen. Dabei seien Verbandsklagen „nicht das Blockadeinstrument, als das manche sie sehen“, sagt Sabine Schlacke, Verwaltungs- und Umweltrechtlerin an der Uni Greifswald, sondern dienten „der Kontrolle von Verwaltungsentscheidungen“. Verbandsklagen sind vor Gericht auch oft erfolgreich – was dafür spricht, dass man sie braucht. Erst vor kurzem hatte das Bundesverwaltungsgericht das Recht der DUH bestätigt, auf Basis einer Verbandsklage von der Bundesregierung bessere Klimaschutzprogramme zu fordern. Was die Regierung ändern will und was die Verbände kritisieren, lesen Sie im Climate.Table. Alexandra Endres

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Neue Wohnungen: Zahl der Baugenehmigungen steigt um elf Prozent. In den meisten Bundesländern wurden 2025 im Vergleich zum Vorjahr mehr Wohnungen genehmigt. Das geht aus dem Bericht des BMWSB zu einer Erhebung des Statistischen Bundesamts hervor. Nur in Bremen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg sank die Zahl, in Thüringen blieb sie unverändert. Insgesamt gab es fast 238.500 Genehmigungen, gut 23.000 mehr als 2024. Die Entwicklung sei die Folge „wieder stabilerer Rahmenbedingungen bei Zinsen und Baupreisen sowie der zielgerichteten Wohnungspolitik der Bundesregierung“, heißt es in dem Papier, das am Mittwoch Thema im Bauausschuss war. Okan Bellikli

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Landtagswahl 2027: NRW-Kabinett legt Termin fest. Eine der wichtigsten Landtagswahlen des kommenden Jahres findet in Nordrhein-Westfalen statt. Jetzt hat das NRW-Kabinett den Termin für die Wahl festgelegt. Rund 13 Millionen Wahlberechtigte sind am 25. April 2027 aufgerufen, einen neuen Landtag zu bestimmen. Aktuell liegt die CDU laut einer Infratest-Umfrage mit 35 Prozent vor der SPD mit 20 Prozent und der AfD mit 15 Prozent. Der Koalitionspartner der CDU, die Grünen, kommen laut der Umfrage auf 13 Prozent. Die FDP liegt bei 4 Prozent und muss weiter um den Einzug in das Parlament zittern. Michael Bröcker

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Table.Today Podcast

Es sind hohe Erwartungen, die die Regierung an sich selbst stellt. Sie will einen „Paradigmenwechsel“ in der Rentenpolitik, das Gesundheitssystem vom Kopf auf die Füße stellen und tiefgreifende Reformen im Sozialstaat. Bis jetzt hat sich allerdings der große Erfolg noch nicht eingestellt. Wie reformfähig sind die Koalitionspartner? Darüber spricht Michael Bröcker mit dem SPD-Fraktionsvize Esra Limbacher. Das Gespräch hören Sie ab 5 Uhr hier.

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Table.Documents

Heads

Tricia Tuttle, Leiterin der Berlinale, könnte womöglich ihren Job verlieren. Das berichtet Bild. Dem Vernehmen nach hat Wolfram Weimer für Donnerstagvormittag eine außerordentliche Sitzung einberufen, in der es um die zukünftige Ausrichtung des Festivals gehen soll. Zu Details wollten sich weder der Kulturstaatsminister noch die Berlinale äußern. Hintergrund ist eine Debatte um Antisemitismus. Auf der Preisverleihung am Samstag hatte der syrisch-palästinensische Filmemacher Abdallah Alkhatib als Gewinner des besten Debütfilms der Bundesregierung vorgeworfen, Partner Israels beim „Völkermord im Gazastreifen“ zu sein. „Wir werden uns an jeden erinnern, der an unserer Seite stand, und wir werden uns an jeden erinnern, der gegen uns war“, sagte er. Nach der Rede kam es zu Wortgefechten im Saal: „Free, free Palestine“ war zu hören; „Free Palestine from Hamas“ kam kurz danach als Antwort; Moderatorin Désirée Nosbusch hatte mit den Tränen zu kämpfen. Wie bereits das gesamte Festival stand auch die Abschlusszeremonie unter starkem Druck von pro-palästinischen Aktivisten. Leonard Schulz

Manja Schüle (SPD) ist von Mitgliedern des Deutschen Hochschulverbands (DHV) zur Wissenschaftsministerin des Jahres gewählt worden. Auf der an Schulnoten orientierten Skala erhielt die Politikerin, die in Brandenburg seit 2019 Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur ist, eine glatte Zwei. Wer auf den Plätzen folgt, lesen Sie im Research.Table. Markus Weisskopf

Hubert Otten, Professor an der Hochschule Niederrhein und sein Team, erhalten den Gesundheitspreis „Ideas for Impact“ 2026, wie Table.Briefings erfuhr. Ausgezeichnet werden die Forschenden für die Entwicklung eines KI-basierten Systems, das Diabetes-Patienten unterstützt. Der Gesundheitspreis „Ideas for Impact“ 2026 ist mit 100.000 Euro dotiert und wird vom Bosch Health Campus im Namen der Robert Bosch Stiftung verliehen. Magdalena Latz

Natalie Winzenhöller (Linke) und Bianca Heine (CDU) sind zwei von acht Kandidierenden bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, die von der überparteilichen Initiative Brand New Bundestag (BNB) unterstützt werden. 23 von ihr geförderte Abgeordnete sitzen schon im Bundestag und elf in Landtagen. Mehr als 30 MdBs gehören einem progressiven Parlamentskreis“ an, der im Austausch mit BNB steht. Die Initiative unterstützt mit Ausnahme der AfD Kandidierende aller größeren Parteien. Eine Übersicht finden Sie hier, die schon gewählten Abgeordneten hier. Okan Bellikli

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Best of Table

Security.Table: Run auf Drohnenabwehrsysteme. Auf der Rüstungsmesse Enforce Tac in Nürnberg stellten Dutzende Unternehmen ihre Produkte zur Abwehr von Kleindrohnen vor. Weshalb Netzfanglösungen zum Schutz Kritischer Infrastruktur immer mehr nachgefragt werden, lesen Sie hier.

Security.Table: US-Verteidigungs-Startups wollen den deutschen Markt erschließen. Doch die EU treibt ihre Bemühungen voran, die Abhängigkeit von US-Waffensystemen zu verringern. Welche Strategien Shield AI und Anduril nutzen, um in Europa Fuß zu fassen, lesen Sie hier.

Europe.Table: Staaten warnen vor Aufweichung der Wettbewerbsregel. In einem Papier, das Table.Briefings vorliegt, warnen sechs mittelgroße EU-Mitgliedstaaten vor einer Lockerung der EU-Wettbewerbsregeln. Was sich größere Mitgliedstaaten von der Überarbeitung der Fusionsleitlinien erhoffen, lesen Sie hier.

Asia.Table: Indien als neue Verheißung für deutsche Unternehmen. Während sich die Blicke auf Friedrich Merz in China richten, wirbt Webasto-CEO Jörg Buchheim für den Zukunftsmarkt Indien. Wo der Automobilzulieferer die größten Chancen sieht, lesen Sie hier.

China.Table: Ressourcenrennen um Altbatterien. Mit der Batterieverordnung schreibt die EU der Industrie verbindliche Recyclingziele vor. Doch China hat bei der Technologie die Nase vorn. Weshalb sich eine Konkurrenz um Rohstoffe für die Recyclingverfahren anbahnt, lesen Sie hier.

Research.Table: Wie die Pläne für Fusionskraftwerk vorangehen. Die Bundesregierung hat ambitionierte Pläne für ein Fusionskraftwerk. Eine exklusive Datenanalyse zeigt aber, dass das forschungsstarke Deutschland beim Transfer noch aufholen muss. Wie es in dem Bereich vorangeht, lesen Sie hier.

Research.Table: Bürokratieabbau in der Wissenschaft steht noch am Anfang. Um von kleinteiliger Regulierung befreit zu werden, setzen Hochschulen und Forschungsorganisationen vor allem auf das geplante Innovationsfreiheitsgesetz. Wie weit es ist, lesen Sie hier.

Research.Table: Was über die Plagiatsvorwürfe gegen Alena Buyx bekannt ist. Der sogenannte Plagiatsjäger Stefan Weber erhebt Vorwürfe gegen die frühere Ethikratsvorsitzende Alena Buyx. Die Universität Münster unterzieht deren Dissertation nun einer Vorprüfung. Warum das noch nichts über den wissenschaftlichen Wert der Arbeit aussagt, lesen Sie hier.

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Einladung: Volkes.Stimmen – Demokratie in Bewegung. Wie blicken Menschen in diesem Land auf Politik, Medien und die Zukunft des Journalismus. 04. März um 18:30 Uhr. Jetzt anmelden.

Time.Table

Außenpolitik: Friedrich Merz beendet seine China-Reise mit einem Besuch bei Siemens Energy und Unitree Robotic in Hangzhou sowie einem Gespräch mit dem Chef der Kommunistischen Partei der Provinz Zhejiang, Wang Hao.

Ehrung: Alexander Dobrindt würdigt den Einsatz von Beamtinnen und Beamten, die aus internationalen Einsätzen zurückkehren. Berlin, 17 Uhr

Sicherheitspolitik: Konferenz „Junge Sicherheitskonferenz“ der Schwarzkopf-Stiftung und der Hertie-Stiftung. Berlin, 26. bis 27. Februar. Weitere Informationen

Austausch: 15. Hans-Böckler-Forum zum Arbeits- und Sozialrecht. U. a. mit Bärbel Bas und dem Vizepräsidenten des EuGH, Thomas von Danwitz. Berlin. Weitere Informationen

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Must-Reads

Spiegel: Gründerin von Anti-Hatespeech-NGO wegen Hatespeech in Kritik. Maral Salmassi nannte den Investor George Soros im Netz einen Parasiten, beleidigte die Moderatorin Enissa Amani und bezeichnete Pro-Palästina-Aktivismus als „arabischen Nationalsozialismus“. Dabei setzt sich das Zera-Institut, das sie leitet, gegen Polarisierung, Radikalisierung und Hass ein. Die Berliner CDU-Fraktion hatte es erst im vergangenen Jahr mit 390.000 Euro gefördert – als eines von 18 Projekten ohne inhaltliche Prüfung. („Leiterin von CDU-gefördertem Projekt gegen Hass im Netz verbreitete selbst Hass“)

SZ: Parlament bremst Pistorius bei Milliarden-Deal für Drohnen aus. Trotz der angestrebten schnellen Ausrüstung der Litauen-Brigade verweigerten die Haushaltspolitiker von Union und SPD die sofortige Freigabe von bis zu 4,4 Milliarden Euro und deckelten die Aufträge für die Startups Helsing und Stark Defence auf zunächst je eine Milliarde Euro. Grund für die strengen Auflagen sind Zweifel an der Serienreife der Drohnen sowie Bedenken wegen des US-Investors Peter Thiel, der an einem der Unternehmen beteiligt ist. („Klatsche für Pistorius aus den eigenen Reihen“)

FAZ: Staatliche Investitionen steigen massiv, während Privatwirtschaft stagniert. Im vierten Quartal 2023 erhöhte die öffentliche Hand ihre Ausrüstungsinvestitionen um über 50 Prozent, während die privaten Ausgaben für Maschinen und Fahrzeuge einbrachen. Trotz eines leichten Wachstums beim Bruttoinlandsprodukt sanken die gesamtwirtschaftlichen Bruttoanlageinvestitionen damit zum vierten Mal in Folge. Und düstere Beschäftigungserwartungen der Unternehmen trüben die Aussichten bereits wieder. („Wo der Staat 50 Prozent mehr investiert“)

Spiegel: Unternehmer nach Millionen-Deal mit Corona-Masken zu Haftstrafe verurteilt. Der 39-Jährige erhielt für den Verkauf von FFP2-Masken an den Bund rund 22 Millionen Euro, hinterzog jedoch über eine Schweizer Briefkastenfirma Steuern in Höhe von knapp 11 Millionen Euro. Ein Münchner Landgericht verurteilte ihn zu fünf Jahren und zehn Monaten Haft. Seinen Diplomatenstatus eines afrikanischen Landes ließ das Gericht nicht gelten. („Bayerischer Unternehmer soll wegen Geschäften mit Coronamasken in Haft“)

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Schlagzeilen von morgen

Meistgelesenes von heute

Heute Abend in den Talkshows

phoenix runde, 22:15 Uhr: Rüdiger Bachmann, Christian Schiffer, Sonja Álvarez, Gerlinde Groitl

Maischberger, 22:50 Uhr: Iris Berben, Sandra Navidi, Theo Koll, Anna Lehmann, Marc Felix Serrao

Markus Lanz, 0 Uhr: Carsten Linnemann, Ulrike Herrmann

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Interviews von morgen

Deutschlandfunk

6:50 Uhr: Christoph Schmid, stellvertretender verteidigungspolitischer Sprecher (SPD): Drohnen-Beschaffung

7:15 Uhr: Norbert Röttgen, stellvertretender Unionsfraktionsvorsitzender (CDU): Merz in China

8:10 Uhr: Katharina Dröge, Co-Fraktionschefin der Grünen: Gebäudemodernisierungsgesetz

ARD

7:10 Uhr: Konstantin von Notz, stellvertretender Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums (Grüne): Luftsicherheitsgesetz

8:10 Uhr: Lennart Feldmann, Energieberater: Gebäudemodernisierungsgesetz

rbb24–Inforadio

7:05 Uhr: Sebastian Schäfer, haushaltspolitischer Sprecher der Grünen: Drohnen-Beschaffung

7:45 Uhr: Sebastian Roloff, Vorsitzender der Bayern-SPD: Gebäudemodernisierungsgesetz

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Geburtstage von morgen

Martin Plum, MdB (CDU), 44

Carl-Philipp Sassenrath, MdB (CDU), 36

Irene Maria Plank, Botschafterin in Bulgarien, 65

Katharina Stasch, Abteilungsleiterin im BMZ, 54

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Nachttisch

Unser Tipp führt Sie heute zu der Neuverfilmung eines britischen Klassikers. „Wuthering Heights“ handelt von der verbotenen Liebe zwischen Catherine (Margot Robbie) und Heathcliff (Jacob Elordi). Der eigentliche Star ist jedoch die Ästhetik: Das Szenenbild zwischen Düsterkeit und Extravaganz inmitten von Moorlandschaften, die opulenten Kostüme und der Soundtrack von Popstar Charli XCX haben einen regelrechten Hype um den Film geschaffen. Kritik gibt es jedoch aus der Schwarzen Community, weil die Rolle von Elordi nicht wie im Buch beschrieben von einer Schwarzen Person besetzt wurde, obwohl dies elementar für die Handlung sei. Franziska Klemenz

Emerald Fennell: „Wuthering Heights“ | im Kino

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Das war’s für heute. Good night and good luck!

Heute haben János Allenbach-Ammann, Nico Beckert, Okan Bellikli, Michael Bröcker, Helene Bubrowski, Alexandra Endres, Damir Fras, Daniel Friesen, Franziska Klemenz, Malte Kreutzfeldt, Magdalena Latz, Vincent Mikoteit, Leonard Schulz, Sven Siebert und Markus Weisskopf mitgewirkt.

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