Sahel: Wie der Irankrieg die Machtkämpfe um Westafrika befeuert

Der Irankrieg verschärft den globalen Machtkampf um Einfluss in Afrika. Staaten wie Burkina Faso geraten in einen riskanten Balanceakt – und auch die EU ringt noch um ihre Strategie.

19. April 2026
Freunde in Moskau: Ibrahim Traoré zu Gast bei Wladimir Putin (picture alliance/ZUMAPRESS.com/Gavriil Grigorov)

Der Irankrieg sorgt in Afrika für weitreichende Verwerfungen und verschärft das Ringen um Einfluss von Drittmächten, insbesondere in Westafrika und dem Sahel. Hauptakteure sind neben Russland, China und dem Iran auch die Ukraine und Israel, wie sich an jüngsten Entwicklungen in der Region zeigt. Europa versucht, die Zusammenarbeit mit der Region südlich der Sahara wieder zu stabilisieren. Deutschland ist dabei eine treibende Kraft.

Für die Staaten des Sahel ist es oft ein Balanceakt. In Burkina Faso lässt sich das beobachten. Für die Militärregierung von Hauptmann Ibrahim Traoré ist Russland seit mehreren Jahren ein offensiv beworbener Partner. Nun pflegt Traoré gleichzeitig Beziehungen zum Iran und zu Israel. So erhielt der israelische Botschafter, der in der israelischen Botschaft in der Elfenbeinküste seinen Sitz hat, einem Medienbericht zufolge kürzlich sein Agrément.

Eine Reihe afrikanischer Staaten nutzt israelische Überwachungstechnologien. Die neue Art der Nähe zu Israel sei auch vor diesem Hintergrund zu sehen, sagt Andrew Lebovich, Wissenschaftler vom niederländischen Clingendael Institut Table.Briefings.Was wir auch gesehen haben, ist, dass Burkina Faso die Angriffe auf den Iran nicht öffentlich verurteilt hat.“ Allerdings schickte Ouagadougou Ende Februar seinen Kriegsminister Célestin Simporé nach Teheran. Dort verhandelte er auf höchster Ebene über eine verstärkte Zusammenarbeit in Sicherheitsfragen. „Der Iran versucht wie Russland mit mehr Engagement dem Westen zu schaden, unter anderem durch die Unterstützung von Militärregierungen im Sahel und von schiitischen Gruppen“, sagt Ulf Laessing von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bamako.

Die EU versucht, ihren Einfluss wieder zu verstärken. Allerdings ist der Weg dahin noch nicht richtig klar. Innerhalb der EU wird diskutiert, in welchem Rahmen künftig Entwicklungsgelder an den Sahel fließen sollen. Deutschland nimmt in diesem Zusammenhang eine führende Rolle ein. Im Gebergremium der Sahel-Allianz, das sich nach Table.Briefings Informationen derzeit ebenfalls in einem Reformprozess befindet, hatte Deutschland zuletzt mit der damaligen Entwicklungsministerin Svenja Schulze den Vorsitz. Der EU-Sonderbeauftragte João Gomes Cravinho betreibt derzeit eine intensive Reisediplomatie in Westafrika. Nach einer Konferenz-Teilnahme in Lomé, der Hauptstadt Togos, stehen nach Informationen von Table.Briefings Dakar im Senegal und Banjul, Gambia, auf dem Programm.

Auch für Europa ist das ein Balanceakt. In Togo – in der Region ein wichtiger Vermittler – traf Cravinho nicht nur auf seine Kollegen aus Kanada und Frankreich oder auf den deutschen Botschafter Claudius Fischbach. Auf dem neutralen Terrain trafen die Europäer auch mit Tatiana Dovgalenko zusammen, einer Vertreterin aus dem russischen Außenministerium, die für die Beziehungen zwischen Moskau und den drei Sahel-Staaten Mali, Burkina Faso und Niger, zuständig ist. Diese drei Staaten entsandten wiederum ihre Außenminister, während die Europäer aufgrund der Militärregierungen einen direkten hochrangigen politischen Kontakt meiden.

Auch die USA versuchen derzeit ein Comeback in Westafrika, aber noch ohne konkrete neue Strukturen. „Was die USA angeht, sehen wir noch keinen systematischen politischen Ansatz“, sagt Lebovich. Nach dem Rauswurf der US-Amerikaner aus Niger und der Schließung der großen Drohnenbasis im Norden des Landes hatten die Amerikaner zunehmend an Rückhalt im Sahel verloren. Zum Jahresanfang schickte Washington mehrfach hochrangige Vertreter nach Westafrika, intensivierte außerdem wieder den Dialog mit Nigeria und griff Ende 2025 auch militärisch im Norden ein, um nach US-Angaben Christen vor Verfolgung von Muslimen zu schützen – eine Beschreibung, die von Experten angesichts der Sachlage als nichtzutreffend eingestuft wird. Mehr zum Machtkampf in Afrika lesen Sie am Dienstag im Africa.Table.

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Letzte Aktualisierung: 19. April 2026