Wadephuls Strategie in Washington: Freundlich bleiben, allen Demütigungen zum Trotz

12. Januar 2026
Johann Wadephul mit Weltbankpräsident Ajay Banga (picture alliance/dpa | Michael Kappeler)

Wadephuls Strategie in Washington: Freundlich bleiben, allen Demütigungen zum Trotz. Nach anderthalb Tagen in der US-Hauptstadt lässt sich für den deutschen Außenminister festhalten: Marco Rubio verschiebt Termine, wie es ihm gefällt. Und auch sonst wollte oder konnte den Gast aus Berlin kaum jemand treffen. Stundenlang wurden mögliche Gesprächspartner im Kongress geprüft, am Ende ist nicht viel geblieben. Als Bilanz stehen knapp 30 Minuten mit dem US-Außenminister, ein kurzes Treffen mit dem Weltbankpräsidenten Ajay Banga (den Wadephul eigentlich gar nicht auf der Liste hatte) und ein Mini-Besuch bei António Guterres in New York – als Zeichen demonstrativer Solidarität, nachdem Donald Trump vor wenigen Tagen die Zusammenarbeit mit 66 internationalen Organisationen beendete, ein Teil davon unter dem Dach der Vereinten Nationen.

Die Reiseerfahrungen des Außenministers zeigen, wie fragil das Verhältnis inzwischen geworden ist. Wadephul mühte sich, die Trump-Administration in den Regularien und Gesprächsfäden der Nato zu halten. Das Wort von der „Auflösung“ der transatlantischen Partnerschaft, das Finanzminister Lars Klingbeil gerade in einem Zeit-Interview benutzt hat, wollte sich Wadephul nicht zu eigen machen. Wohl auch, weil er Trumps Bedrohung Grönlands irgendwie unter Kontrolle halten möchte. Mehr als einmal betonte der Außenminister, man sei immer zu Gesprächen bereit, aber „bitte im Nato-Rahmen“. Ob er an der Stelle von Rubio irgendwelche Zeichen des Entgegenkommens erhalten hat, blieb aber zunächst ebenso offen wie die Frage, ob es neben oberflächlicher Freundlichkeit überhaupt etwas von Substanz gegeben hat.

Zutage getreten ist, dass sich Reisen wie diese immer weniger an die US-Regierung und immer mehr an alle anderen richten. Wadephul wird zu einem Kämpfer für das Unerreichbare, aber mag nicht aufgeben. Nach dem Motto: Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitermachen. Das ist nicht schmerzfrei zu haben, aber macht in alle Richtungen deutlich, dass er sich nicht abschrecken lässt, sondern dranbleiben wird. Immer bemüht darum, die eigenen Interessen (und Sorgen) vorzutragen, und sei die Atmosphäre noch so ungemütlich. Seine Hoffnung: dass seine Worte und Argumente im US-Kongress Schrittchen für Schrittchen doch hängen bleiben – und allen Partnern in Europa (oder auch in Island) kontinuierlich Sicherheit geben. Dass er dabei, jedenfalls in Washington, immer mehr an Sisyphus erinnert, gehört in Trump-Zeiten wohl einfach dazu. Stefan Braun

Table.Today mit Michael Bröcker und Helene Bubrowski. "Wie tief ist der atlantische Graben?"

Briefings wie Berlin.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 12. Januar 2026