Die Tech-Eliten und Trump: Warum Palantirs Manifest ein Symptom für den Rechtsruck der US-Techkonzerne ist

Ein politisches Manifest von Palantir ruft zu technologischer Stärke, nationaler Mobilisierung und kultureller Selbstbehauptung des Westens auf. Für Historiker Thomas Zimmer ist das kein Einzelfall, sondern Teil einer politischen Verschiebung.

25. April 2026

Ein 22-Punkte-Manifest, das der US-Datenanalysekonzerns Palantir in dieser Woche auf X veröffentlicht hat, liest sich wie eine Aufforderung zu einer neuen politischen Verortung der US-amerikanischen Tech-Branche.

Gefordert wird darin unter anderem eine stärkere Ausrichtung der Technologie auf geopolitische Konkurrenz, militärische Handlungsfähigkeit und nationale Interessen. Künstliche Intelligenz sei ein strategisches Instrument, kultureller Pluralismus eher eine Schwäche. Wörtlich heißt es dort etwa: „Das Silicon Valley steht in einer moralischen Schuld gegenüber dem Land, das seinen Aufstieg ermöglicht hat. Die Ingenieurselite des Silicon Valley hat die ausdrückliche Pflicht, sich an der Verteidigung der Nation zu beteiligen.“

Zentrale Akteure des Silicon Valley positionieren sich politisch neu. Der Historiker Thomas Zimmer beschreibt diese Entwicklung als tiefgreifenden Wandel. In seiner aktuellen Kolumne für Table.Briefings schreibt er: „Die Anführer des Silicon Valley haben sich nach rechts bewegt und unterstützen nun den Trumpistischen Angriff auf die freie Gesellschaft.“ Gleichzeitig wandern immer mehr Unternehmen auch geografisch aus dem kalifornischen Silicon Valley in republikanisch regierte Bundesstaaten wie Texas oder, im Fall von Palantir, Florida ab.

Der Palantir-CEO Alexander C. Karp beschreibt Technologie und Apps nicht mehr als Konsumgut oder Werkzeuge für die Gesellschaft, sondern als Machtressource im Wettbewerb rivalisierender Staaten. Fortschritt werde dort vor allem in Kategorien von Stärke, Wehrfähigkeit und Durchsetzungsvermögen gedacht. Das hat Karp ausführlich in seinem Buch The Technological Republic beschrieben. Die 22 Thesen sind eine Kurzzusammenfassung dieses Manifests.

Der frühere Anspruch, mit Innovation gesellschaftlichen Fortschritt zu erzeugen, werde zunehmend durch eine Sprache der Macht, Konkurrenz und Ordnung ersetzt. Das Palantir-Manifest, so Zimmers Überzeugung, sei deshalb mehr als ein Einzeltext. Es stehe für eine Strömung, in der sich technologische Führungsansprüche mit einer deutlichen Skepsis gegenüber pluralistischer Demokratie verbinden.

Warum Kritiker vor einem erweiterten Machtanspruch der Branche warnen und wo diese ihre Wurzeln hat, lesen Sie im Research.Table. Tim Gabel

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Letzte Aktualisierung: 25. April 2026