Zwischen Hype und Realität: Warum KI den Jobmarkt noch kaum bewegt

Der deutsche Arbeitsmarkt leidet unter konjunktureller Schwäche, nicht durch KI-Einsatz. Nur wenige Stellenanzeigen erwähnen KI-Fähigkeiten, während sich eher die Aufgabenprofile wandeln.

14. Februar 2026
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Die angespannte Lage am deutschen Arbeitsmarkt hängt weniger mit möglichen Produktivitätsgewinnen durch Künstliche Intelligenz zusammen als mit der allgemeinen konjunkturellen Schwäche. Die Jobplattform Indeed meldete im Januar erneut einen Rückgang der veröffentlichten Stellenanzeigen um 1,5 Prozent gegenüber dem Vormonat – der Arbeitsmarktindex sank damit auf 113,3 Punkte, den niedrigsten Stand seit Mai 2022 (siehe Grafik). „Der Rückgang der Stellenausschreibungen in Büro‑ und Tech-Berufen setzte aber schon vor dem Release von ChatGPT ein. Wer diesen Rückgang heute vollständig der KI zuschreibt, vermengt zeitliche Koinzidenz mit echter Kausalität“, erklärt die Arbeitsmarktökonomin von Indeed, Virginia Sondergeld, im Gespräch mit Table.Briefings.

Was sie meint: Nur weil der Rückgang der Stellenanzeigen im Tech-Segment zeitlich mit dem Aufkommen von KI‑Tools zusammenfällt, bedeutet das nicht automatisch, dass KI die Ursache hierfür ist. Sondergeld verweist stattdessen auf den konjunkturellen Abschwung und eine Korrektur des überhitzten Pandemie‑Booms, „in dem Firmen stark digitalisierten und ungewöhnlich viele Tech‑Fachkräfte einstellten“. Der aktuelle Rückgang im Tech‑Sektor sollte daher, so Sondergeld, nicht allein auf den Einsatz von KI zurückgeführt werden.

Gleichzeitig zeigt der Blick auf die Stellenausschreibungen, dass KI in den meisten Unternehmen noch keine dominante Rolle spielt. Sondergeld zufolge stehen viele Betriebe beim Einsatz der Technologie erst am Anfang und suchen gezielt Mitarbeitende, die helfen, deren Potenziale zu erschließen. Das spiegelt sich auch im Datenmaterial: Nur rund 3,5 Prozent der auf Indeed veröffentlichten Anzeigen erwähnen aktuell überhaupt KI‑Begriffe.

In der Praxis ändern sich in den Unternehmen vor allem die Aufgabenprofile. Die DHL Group teilt auf Anfrage mit, dass repetitive und physisch anstrengende Tätigkeiten zunehmend automatisiert oder durch KI unterstützt werden. Gleichzeitig gewinne menschliches Urteilsvermögen, Empathie und Entscheidungsfähigkeit an Bedeutung. Zudem, so das Unternehmen, steige „der Bedarf an Kompetenzen in Datenanalyse, IT und im Umgang mit Künstlicher Intelligenz“. Auch die Rollen verschieben sich laut DHL hin zu anspruchsvolleren Tätigkeiten mit größerer Wertschöpfungstiefe.

Paul Achleitner, der ehemalige Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, sieht in der industriellen Struktur Deutschlands trotz KI-Veränderungen eine Chance. Im Podcast Table.Today argumentiert er, dass Deutschlands Stärke im industriellen Kern künftig an Bedeutung gewinnen könnte: „Hardware erlebt seine Renaissance. Auch handwerkliche Fähigkeiten kann mir die KI nicht ersetzen.“

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Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2026