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Besuch in Saudi-Arabien - Wie Katherina Reiche zur Botschafterin der Energiewende wird

Katherina Reiche wird in Saudi-Arabien bei den Verhandlungen um grünen Wasserstoff zur Botschafterin der Energiewende. Das Land möchte sich von fossilen Energien lösen und plant große Anlagen zur Produktion und zum Export.

01. Februar 2026
Der saudische Energieminister Abdulaziz bin Salman Al Saud und Katherina Reiche (picture alliance / BMWE/photothek.de | Thomas Imo)

Es ist eine ungewohnte Rolle für die Wirtschaftsministerin: Während sie sich in Deutschland zuletzt eher dafür ausgesprochen hat, beim Ausbau der erneuerbaren Energien etwas auf die Bremse zu treten, wird sie in Saudi-Arabien gerade wegen der deutschen Energiewende umworben. Er sei ein „Bewunderer“ der deutschen Energiepolitik, sagte der saudische Energieminister Abdulaziz bin Salman Al Saud, als er Katherina Reiche am Sonntag bei einem Wirtschaftsdialog in Riad begrüßt. „Sie müssen auch andere Länder von dem überzeugen, was Sie tun“, fordert er.

Bisher steht Saudi-Arabien vor allem für fossile Energien. Doch die Annahme, dass Deutschland von dort viel Öl und Gas bezieht, ist falsch: Gas exportiert das Land mangels LNG-Infrastruktur bisher fast gar nicht. Obwohl Saudi-Arabien der weltgrößte Öl-Exporteur ist, stammen weniger als zwei Prozent der deutschen Öl-Importe von dort. Und während die saudische Volkswirtschaft bisher noch stark vom Öl dominiert wird, will die Regierung die Abhängigkeit davon in den nächsten Jahren deutlich reduzieren.

Eine wichtige Rolle dabei soll der Export von grünem Wasserstoff spielen. Für dessen Herstellung bietet Saudi-Arabien mit viel Sonne, Wind und Fläche optimale Voraussetzungen. Davon zeigte sich auch Reiche beeindruckt: Das Land könne Solarstrom „für ein bisschen mehr als einen Cent pro Kilowattstunde“ erzeugen, berichtete sie – was ein Bruchteil der Kosten in Deutschland ist. Daraus soll demnächst Wasserstoff erzeugt werden, der dann zum Transport in Ammoniak verwandelt und per Schiff exportiert wird. Eine erste Anlage, in die knapp 9 Milliarden Dollar investiert werden, soll im nächsten Jahr in Neom am Roten Meer den Betrieb aufnehmen und pro Jahr etwa 1,2 Millionen Tonnen Ammoniak verschiffen, was über 200.000 Tonnen Wasserstoff entspricht.

Eine zweite, etwa doppelt so große Anlage in Yanbu soll gemeinsam mit deutschen Unternehmen entwickelt werden. In Anwesenheit von Reiche und ihrem saudischen Amtskollegen wurden dafür am Sonntag drei Absichtserklärungen mit dem saudischen Energiekonzern ACWA unterzeichnet. EnBW will gemeinsam mit der Gas-Tochter VNG und dem Rostocker Hafen den Transport des Ammoniums und seine Rückverwandlung in Wasserstoff in einem sogenannten Cracker in Rostock organisieren; Siemens Energy und Linde wollen bei der Herstellung des Wasserstoffs und des Ammoniaks mitwirken. „Wir wollen eine Energiebrücke zwischen Saudi-Arabien und Deutschland bauen“, sagte ACWA-CEO Marco Arcelli Table.Briefings. Deutschland sei unter anderem wegen des geplanten Wasserstoff-Netzes ein idealer Partner. Der Import sei nicht nur aus Gründen des Klimaschutzes sinnvoll, sondern auch aus wirtschaftlichen. Der grüne Wasserstoff aus Saudi-Arabien werde inklusive Transport und Umwandlung billiger sein, als es aus Erdgas erzeugter Wasserstoff im Schnitt der letzten Jahre gewesen sei, sagte Arcelli.

Neben erneuerbaren Energien spielt auch die klassische Wirtschaft auf der Reise eine wichtige Rolle. So traf Reiche auch den Industrie- und den Investitionsminister, und am Dienstag besucht sie in Djidda die Baustelle für Werke von Mercedes und Liebherr, die dort gemeinsam mit saudischen Partnern eine Produktion aufbauen. Zudem ist eine Zusammenarbeit deutscher Startups mit saudischen Partnern geplant. Loslassen wird das Energiethema Reiche aber auch am Montag nicht: Ihr saudischer Amtskollege war vom mehrstündigen Treffen am Sonntag so angetan, dass er kurzerhand beschloss, Reiche am nächsten Tag nach Djidda zu begleiten – was in der deutschen Delegation neben Freude auch für einige Hektik sorgte.

Doch nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geopolitisch spielt Saudi-Arabien für Deutschland eine wichtige Rolle. Das zeigt sich daran, dass unmittelbar nach Reiche auch Friedrich Merz nach Riad reisen will. „Wenn Partnerschaften, auf die man sich Jahrzehnte verlassen hat, anfangen, brüchig zu werden, müssen wir nach neuen Partnern suchen”, sagte Reiche. Gerade angesichts der angespannten Lage im Iran seien die Kontakte zu Saudi-Arabien wichtig. Das Land hat sich in den letzten Jahren gesellschaftlich sehr viel stärker geöffnet und nimmt auch gegenüber Israel eine gemäßigte Position ein. Die Menschenrechtslage gilt aber weiter als angespannt; inwieweit diese während Reiches Reise angesprochen wurde, blieb offen.

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Letzte Aktualisierung: 02. Februar 2026