Wie die Bürokratie den Wohnungsbau ausbremst

In seinem Gastbeitrag beschreibt Thomas Bader, CEO eines mittelständischen Baustoffherstellers, wie überbordende Bürokratie den Neubau lähmt – und welche Schritte Bauen schneller und bezahlbarer machen könnten.

21. März 2026
Im Jahr 2026 werden noch weniger Neubauwohnungen fertiggestellt als im vergangenen Jahr. Das geht aus dem aktuellen Frühjahrsgutachten des Rates der Immobilienweisen hervor.

Hohe Baukosten sind kein abstraktes Problem der Bauwirtschaft, sondern eine zentrale soziale Frage und ein wachsender Brennpunkt unserer Gesellschaft. Wenn Bauen immer teurer wird, verschwindet bezahlbarer Wohnraum. Sofern überhaupt noch gebaut wird. Trotz politischer Ankündigungen eines „Bau-Boosters“ scheitern weiterhin viele Bauvorhaben an der Komplexität der Bürokratie.

Wir erleben das seit Jahren und können einige Beispiele benennen:

  • Unterschiedliche Landesbauordnungen: Abweichende Regelungen in den Landesbauordnungen und Bebauungspläne mit zu hoher Detailtiefe verhindern Skaleneffekte. Das verhindert standardisiertes, serielles und modulares und damit kosteneffizientes Bauen.

  • Überhöhte technische Anforderungen: Vorgaben aus GEG, EEWärmeG, BImSchV sowie aus dem Schall- und Lärmschutz addieren sich zu einem komplexen Regelungs- und Zuständigkeitsgeflecht. Das macht wirtschaftliches Bauen zunehmend schwierig.

  • Überzogener Umwelt- und Naturschutz: Ob beim Abriss von Gebäuden oder der Abfuhr natürlich gewachsener Böden aus Baugruben: Unverhältnismäßige Umweltvorschriften bremsen Bauprojekte aus, schon bevor der Grundstein gelegt wurde.

  • Vollzugsdefizit und Strukturversagen der Verwaltung: Genehmigungsbehörden wurden vielerorts zur Verhinderungsbehörde. Komplexe Bauvorhaben werden oft von Sachbearbeitern allein bearbeitet. Teilzeitmodelle ohne Vertretungsmodelle führen zu Verzögerungen. Zuständigkeiten sind unklar, Bearbeitungsstände schwer nachvollziehbar. Dies führt zu Zeitverzögerungen entlang der gesamten Projektkette.

  • Strengere Regularien für Banken: Verschärfte Vorgaben führen zu restriktiveren Kreditentscheidungen. Investitionen werden verzögert oder ganz aufgegeben, obwohl politisch mehr gebaut werden soll.

Erkenntnis allein reicht nicht, entscheidend ist Umsetzung. Deswegen meine Impulse für schnelleres und bezahlbareres Bauen:

  • Mentalitätswandel in der Verwaltung: Bauämter müssen wieder als Genehmigungsbehörde agieren. Es bedarf einer echten Veränderung hin zu mehr Bürger- und Serviceorientiertheit. Ein Bauverfahren muss mindestens von zwei Sachbearbeitern betreut und Arbeitszeitmodelle müssen an die Anforderungen einer kontinuierlichen Sachbearbeitung angepasst werden.

  • Digitalisierung der Verwaltung: Ein echter digitaler Zugang zu allen Behörden bedarf einer einheitlichen Digital-Plattform mit transparenten Prozessen.

  • Ausweitung und Stärkung der Genehmigungsfiktion: Genehmigungsfiktionen müssen gestärkt und konsequenter verankert werden. Das bekannte Verzögerungsmodell schrittweiser Nachforderung muss unterbunden werden.

  • Mehr Verhältnismäßigkeit im Naturschutzrecht: Verhinderungsmöglichkeiten durch Naturschutzbehörden müssen eingeschränkt werden. Einmal genehmigte Bauvorhaben sollten nicht nachträglich blockiert werden können.

  • Harmonisierung der Bauordnungen: Landesbauordnungen sowie Nebengesetze und Verordnungen sollten bundesweit vereinheitlicht werden, um Komplexität und Kosten zu reduzieren.

  • Sicherstellung der Versorgung mit Baumaterial: Entlastung heimischer Hersteller von Baustoffen, zum Beispiel durch einfachere Genehmigungen für die regionale Rohstoffgewinnung oder die Erleichterung des Einsatzes von Recyclingbaustoffen.

  • Mehr Innovationen: Musterbauvorhaben sollten gezielt gefördert, Nachweiserteilungen und Zulassungen vereinfacht und beschleunigt werden. Mit Experimentierklauseln können innerhalb der Bürokratie die erforderlichen Freiräume geschaffen werden.

Gute Projektideen und Investitionsbereitschaft reichen nicht aus. Die Bauwirtschaft will ihren Beitrag zur Lösung der Wohnungsproblematik leisten. Hierfür müssen die bürokratischen Rahmenbedingungen und politische Ziele mit den gesellschaftlichen Bedürfnissen und Zielen Schritt halten. Die notwendigen Ideen sind bekannt. Jetzt kommt es auf Umsetzung und Priorisierung an.

Thomas Bader ist geschäftsführender Gesellschafter von Leipfinger‑Bader, einem familiengeführten mittelständischen Baustoffhersteller.

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Letzte Aktualisierung: 21. März 2026