Diplomatie in Nahost: Wie Wadephul Deutschland als verlässlichen Partner präsentiert

09. April 2026
Johann Wadephul in Riad (picture alliance/dpa/Sebastian Gollnow)

Diplomatie in Nahost: Wie Wadephul Deutschland als verlässlichen Partner präsentiert. Die Ankündigung von Friedrich Merz kam überraschend: Man werde in Absprache mit der US-Regierung und europäischen Verbündeten Gespräche mit dem Iran aufnehmen, sagte der Kanzler am Donnerstagnachmittag. Damit deutete sich die Möglichkeit an, dass Berlin zur Entspannung der Lage die über viele Jahre durchaus tragfähigen Gesprächsfäden nach Teheran wieder aufnimmt. Man will Hilfe leisten bei dem Versuch, aus der Waffenruhe mehr als eine kurze Pause zu machen.

Johann Wadephul arbeitet schon länger an einer besseren Vernetzung mit der Region. Im Schatten der Aufregungen um den Krieg der USA gegen den Iran knüpft er Verbindungen zu den Golfstaaten und weiteren Ländern des Nahen und Mittleren Ostens. Nahezu rund um die Uhr telefoniere er mit seinen Kollegen in Katar, Saudi-Arabien, Oman und den VAE ebenso wie mit den Außenministern Ägyptens, Jordaniens oder auch des Irak, heißt es. Was nach üblichem Krisenmanagement klingt, geht laut AA weit darüber hinaus. Wadephul will dort Vertrauen ausbauen, wo andere es gefährdet haben. Gemeint sind vor allem die wirtschaftlich bedeutsamen Golfstaaten; sie lernen gerade neu, wie wichtig berechenbare Partner sind. Schmerzhaft mussten sie erleben, dass ihr großer Verbündeter USA alle Bitten und Warnungen vor einem Irankrieg ignoriert hat.

Wadephul kommen vor allem im Verhältnis zu den arabischen Staaten seine Geschichte und Berlins Zurückhaltung in der Libyen-Krise zugute. Schon als einfacher Parlamentarier hatte der CDU-Politiker Beziehungen in die Region geknüpft, die er – kaum im Amt – mit mehreren Reisen untermauerte. In weniger als einem Jahr ist er fünfmal zwischen Kairo und Doha unterwegs gewesen. Dabei geht es zuallererst um ein stabiles und vertrauensvolles Netz in die Golfstaaten für die Zeit nach der Krise. Wohlwissend, dass diese Länder am Golf – deren Geschäftsmodell durch den Krieg bedroht ist – gerade jetzt sehr genau hinsehen, wer sich in der Not um sie kümmert.

Berlins Einsatz beschränkt sich nicht auf freundliche Worte. Fast unbemerkt hat die Bundesregierung zuletzt die Exportkontrollen gelockert, um Waffenverkäufe deutscher Unternehmen an die Golfstaaten zu erleichtern. Zum Beispiel, um Drohnen abzuwehren, mit denen der Iran das für Katar lebenswichtige Gasfeld attackiert und teilweise zerstört hat. Wie weit das führen wird, kann niemand sagen. Aber Berlins Hoffnung ist, dass Deutschland davon nach Ende der Krise auch wirtschaftlich profitieren wird. Dass die arabischen Staaten ein gutes Gedächtnis haben, bestätigte Wadephul jüngst, als er hervorhob, wie sehr er noch heute von Deutschlands Zurückhaltung im Libyenkrieg 2011 profitiere. Stefan Braun

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Letzte Aktualisierung: 09. April 2026