Koalition: Wie SPD und CSU eine besondere Beziehung pflegen

18. März 2026
Lars Klingbeil und Markus Söder (picture alliance/dpa/Carsten Koall)

In der Koalition hat sich durchgesetzt, was Markus Söder von Anfang an wollte: dass nicht das Kabinett als Zentrum der Macht fungiert, sondern der Koalitionsausschuss. So ist Söder nie ausgeschlossen. Ob es ums Rentenpaket geht, um eine Reform der Schuldenbremse oder um die Wahlrechtsreform – der CSU-Chef ist stets dabei. Dabei sticht eine Beziehung besonders hervor: die von Söder und SPD-Chef Lars Klingbeil.

Beide Männer verbindet die Leidenschaft für den FC Bayern München. Das unterscheidet sie deutlich von Friedrich Merz, der – wenn – im Stadion des Dauerrivalen Borussia Dortmund sitzt. Doch Gemeinsamkeiten haben SPD und CSU nicht nur beim Fußball, sondern auch bei zentralen politischen Themen. Gerade deswegen könnte diese Beziehung für Merz noch problematisch werden.

Während die Genossen oft mit den Augen rollen, wenn es um die CDU geht, hört man über die CSU viel Positives. Aus SPD-Regierungskreisen heißt es: „Die CSU ist sehr konstruktiv und hilfreich.“ Selbst in der Migrationspolitik sei Alexander Dobrindt „verlässlich“. Die CSU-Spitze wiederum lobt die gute Zusammenarbeit. Man sei sehr angetan von Klingbeils Verlässlichkeit. Bei vielen Themen sei man sich zudem näher, als manche denken. Die Mütterrente finden zum Beispiel viele in der SPD gar nicht so verkehrt.

Wie gut sich die beiden Parteien verstehen, zeigt eine Reise des konservativen Flügels der SPD, des Seeheimer Kreises, in die bayerische Landeshauptstadt. Jedes Jahr fährt der Flügel rund um das Oktoberfest zu einer mehrtägigen Klausur nach München. Der Ausflug im vergangenen Jahr war allerdings besonders: Denn auf der Tagesordnung stand ein Besuch bei Markus Söder.

Der CSU-Chef nahm sich zwei Stunden Zeit für die SPD-Abgeordneten aus Berlin. Das ist viel für einen vielbeschäftigten Ministerpräsidenten. In der SPD-Reisedelegation waren der NRW-SPD-Chef Achim Post, der Seeheimer-Sprecher und Fraktionsvize Esra Limbacher, der Parlamentarische Geschäftsführer Dirk Wiese und einige mehr. Mit einer Charmeoffensive und bei einer Brotzeit mit Weißwurst, Brezeln und Obazda habe Söder die Gruppe um den Finger gewickelt, sagt ein Genosse. „Die Arme wurden weit aufgemacht“, berichtet ein Teilnehmer Table.Briefings. In den zwei Stunden wurde SPD-seitig „viel genickt“, heißt es.

Bei Sozialstaatsthemen denke man in dieselbe Richtung, soll Söder gesagt haben. Die Gruppe habe über die Essensfotos des Ministerpräsidenten auf Instagram gesprochen und über den Umgang mit der AfD. Ein Abgeordneter sagt Table.Briefings: „Ich hätte alles so unterschreiben können, was der Söder gesagt hat.“

Die SPD will dieses Treffen als Bemühung um eine gute Regierungszusammenarbeit verstehen. „Die Koalition aus CDU, CSU und SPD arbeitet vertrauensvoller zusammen, als manche vermuten. Der enge Austausch zwischen dem Seeheimer Kreis und der CSU in München um Markus Söder ist dafür ein gutes Beispiel“, sagt Seeheimer-Sprecher Limbacher Table.Briefings. Doch Söder weiß auch, wie man Allianzen bildet. Zwar sind in der SPD einige von seinem Charme und Witz angetan, wissen aber zugleich, dass er sich seine Verbündeten sucht, wie es ihm zupass kommt. Und ein starkes Bündnis zwischen SPD und CSU dürfte dem Kanzler nicht sonderlich schmecken. Auch wenn das Verhältnis zwischen Merz und Söder gerade geeint scheint, weiß der Kanzler um Söders Unberechenbarkeit.

Der sozialdemokratisch-christsoziale Austausch endete im Übrigen nicht nach dem Besuch in der bayerischen Staatskanzlei. Am nächsten Tag ging es weiter zum Oktoberfest. Der Seeheimer Kreis hatte einen Tisch im Käfer-Zelt reserviert. Teil der Runde war dann auch Vizekanzler und Seeheimer-Mitglied Klingbeil, der erst nach dem Söder-Termin in München eintraf. Im Zelt kam dann auch noch Besuch aus der CSU dazu: Innenminister Dobrindt und Forschungsministerin Dorothee Bär. Und auch hier zeigte sich, wie eng das Verhältnis geworden ist. Klingbeil und Dobrindt seien so in ihr Gespräch vertieft gewesen, dass die restliche Gruppe kaum ein Wort mit dem Innenminister habe wechseln können.

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Letzte Aktualisierung: 18. März 2026