CDU vor der Wahl in BaWü: „Das wird arschknapp“

03. März 2026
Umfrage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg

CDU vor der Wahl in BaWü: „Das wird arschknapp“. Trotz knapper Umfragewerte warnen erfahrene CDU-Politiker die eigene Partei davor, wenige Tage vor der Wahl einen Strategiewechsel auch nur anzudenken. „Der Wahlkampf wird zum Finale rauer“, sagte ein führender Christdemokrat aus dem Südwesten Table.Briefings. „Aber würden wir alles umwerfen, wäre das ein denkbar schlechtes Signal, das wir unbedingt vermeiden müssen.“

Die CDU sieht sich in einer Lage, die sie verhindern wollte. Neben dem klassischen Kampf Schwarz gegen Grün rückt immer stärker das Duell der Kandidaten in den Vordergrund. Eine Entwicklung, die der grüne Bewerber Cem Özdemir immer erhofft hatte. Seit Monaten liegt Özdemir im persönlichen Vergleich deutlich vor Manuel Hagel. In der Landesspitze der CDU ist nun zu hören, man müsse auf den Punkt bringen, wie groß die Differenzen zwischen Özdemir und seiner Partei seien. „Es gibt einen Unterschied zwischen Wahlkampfparolen und Regierungsprogramm“, betont Hagel.

Eine neue Plakatkampagne soll es offenbar nicht mehr geben. Wohl aber eine Verschärfung der Tonlage. Und das bedeutet auch, dass die Südwest-CDU das Kopf-an-Kopf-Rennen nutzen will, um potenziellen AfD-Wählern zu zeigen, dass es für sie besser sein könnte, jetzt die CDU zu stärken. Der Slogan, der dazu gehört und auf Veranstaltungen zu hören ist: Wer AfD wählt, bekommt einen grünen Ministerpräsidenten. Ob das wirkt, weiß niemand. Aber diese Art der Zweitstimmen-Kampagne hat es so auch noch nicht gegeben.

Für die CDU hat sich binnen weniger Wochen die Lage gefährlich gedreht. Lange Zeit war sie sich sicher, dass bei den Wahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz (am 22. März) kaum noch etwas schief gehen könne. Von einem „März für Merz“ war schon die Rede. Gelinge es, sich in Baden-Württemberg gegen die Grünen und in Rheinland-Pfalz gegen die SPD durchzusetzen, habe die CDU die Chance, zehn Ministerpräsidenten zu stellen – ein historischer Erfolg. Friedrich Merz könnte ihn gut gebrauchen. Entsprechend positiv war die Stimmung – bis vor wenigen Tagen.

Dass es „arschknapp“ wird, wie es einer in Stuttgart ausdrückt, hat mehr als einen Grund. In der CDU kursieren mindestens drei Lesarten. Die eine lautet, dass der Kandidat nicht funktioniert habe. Eine MP-Wahl ähnele eben mehr einer Bürgermeisterwahl als einer Bundestagswahl, heißt es. Und da habe der junge Hagel zu wenig Profil geboten. Andere verweisen auf Teilzeit-Debatte und Zahnersatz-Forderungen; das Vorpreschen einiger Wirtschaftspolitiker habe das Klischee einer kalten CDU neu befeuert. Und dann gibt es ein leises, aber vernehmbares Gegrummel, dass es aus Berlin keinen Rückenwind gegeben habe. Die Koalition habe das Gegenteil geliefert. Für den Kanzler kann das noch unangenehm werden. Stefan Braun, Sara Sievert

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Letzte Aktualisierung: 03. März 2026