Carsten Träger – ein Naturschützer mit Herz und Kompass

Mit Carsten Träger verlieren wir einen Politiker, der immer Mensch geblieben ist und seinen Kompass nie verloren hat. Einen Menschen, der keinen Gegensatz gesehen hat zwischen sozialer Gerechtigkeit und dem Schutz unserer Lebensgrundlagen. Für ihn gehörte beides zusammen. Immer. Mit ihm verlieren wir einen Freund.

KN
25. März 2026
Carsten Träger im vergangenen September bei einer Veranstaltung in Berlin. (picture alliance / dts-Agentur)

Carsten Träger war als Artenschützer eine besondere Spezies Politiker. Während Naturschutz in den meisten Fraktionen nicht als das Lieblingskind des Abgeordneten gilt, hat er schon früh sein Herz an den Schutz unserer Lebensgrundlagen verloren.

Für ihn waren Natur- und Artenschutz keine austauschbaren Themen, keine Randnotizen in Sonntagsreden. Er hat für sie eingestanden – klar, verlässlich, ohne sich aufzudrängen. Und er ist dabei immer Mensch geblieben: zugewandt und ansprechbar, mit einem feinen Gespür für das, was andere bewegt – und zwar unabhängig davon, ob er mit Bürger:innen, Kolleg:innen oder anderen Naturschützer:innen sprach. Carsten Träger ohne Naturschutz war nie denkbar. Naturschutz ohne ihn ist schwer vorstellbar.

Seit seinem ersten Tag im Bundestag war eine nachhaltigere Zukunft das Thema von Carsten Träger. 2013 als nachhaltigkeitspolitischer Sprecher gestartet, stand er dafür ein, die Global Goals in konkrete Politik für die Menschen zu übersetzen. Dabei war er immer überzeugt: Es braucht nicht bunte Kampagnen, sondern wirksame Gesetze.

Carsten Träger war kein Mann der großen Geste. In einer Zeit, in der oft die lauteste Schlagzeile gewinnt, war er einer, der auf Wirkung – vor allem hinter der Bühne – gesetzt hat. Für ihn zählte nicht die schnelle Pointe, sondern das Ergebnis. Er wusste: Polarisieren mag kurzfristig Aufmerksamkeit bringen. Aber es bringt ihn nicht ins Ziel. Deshalb hat er verbunden, statt zu spalten.

Im Deutschen Naturschutzring habe ich Carsten Träger als verlässlichen Partner erlebt. Einen, der sich keinem Gespräch verweigerte, der immer erreichbar war. Der an die Stärke des Rechtsstaats glaubte. Für ihn gehörten gute Gesetze und ein starkes Miteinander von Bürger:innen und Staat untrennbar zusammen. Für ihn waren Diskussionen und Kontroversen keine lästigen Stolpersteine. Im Gegenteil: Carsten Träger sah in den Bürgerinnen und Bürgern die Baumeister einer gelingenden Transformation in eine nachhaltigere, resilientere Zukunft.

In der Deutschen Bundesstiftung Umwelt habe ich ihn als Kämpfer für den Erhalt unseres Naturerbes erlebt. Als jemanden, der verstehen wollte, warum Dinge gut – und manchmal auch weniger gut – laufen. Als jemanden, der – für einen Franken vielleicht nicht das Naheliegendste – eine besondere Leidenschaft für den Schutz unserer Meere entwickelt hat. Wie weitsichtig!

Und ich habe ihn als Freund erlebt. Als jemanden, der bei aller fachlichen Klarheit immer ein herzlicher und bodenständiger Mensch geblieben ist. Als jemanden, mit dem ich oft auch lachen konnte.

Carsten Träger hinterlässt eine große Lücke – und ein Erbe, das wir nun gemeinsam einlösen müssen: Er hat früh dafür geworben, Natur nicht als „Wenn noch Geld übrig ist“-Politik zu behandeln, sondern als das, was sie ist – die natürliche Infrastruktur, die uns schützt. Moore, die Wasser speichern. Auen, die Hochwasser abpuffern. Wälder, die Hitze dämpfen. Für ihn war klar: Diese natürliche Infrastruktur ist so systemrelevant wie Straßen, Stromnetze und all das, worauf wir uns jeden Tag verlassen.

Dass nun ein Gesetz auf den Weg gebracht wird, das diese natürliche Infrastruktur stärken soll, trägt seine Handschrift. Er hat diese Idee in die Fraktion, in die Koalitionsverhandlungen, in die Regierung getragen. Jetzt sind wir gefragt, dieses Gesetz zum Erfolg zu führen. Für Carsten Träger. Aber vor allem für uns alle.

Kai Niebert ist seit 2015 Präsident des Deutschen Naturschutzrings. Er kannte Carsten Träger aus vielen Jahren gemeinsamer Arbeit an Umweltthemen. Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium Carsten Träger ist vergangenen Samstag unerwartet verstorben.

Letzte Aktualisierung: 25. März 2026