Stimmungslage der Bundes-CDU am Abend: Berlin trifft keine Schuld

08. März 2026
Carsten Linnemann (ARD)

Stimmungslage der Bundes-CDU am Abend: Berlin trifft keine Schuld. Nach einer schlecht gelaufenen Wahl dauert es in der Regel nicht lange, bis die Frage nach den Ursachen gestellt wird. In der CDU hat das Geraune schon vor dem Wahlabend begonnen. Spätestens seit die Grünen auf den letzten Metern mit der CDU gleichzogen, begannen erste Christdemokraten Fragen zu stellen. Liegt es am Spitzenkandidaten Manuel Hagel? Oder ist es nicht auch die Performance im Bund? Waren es die Debatten über Lifestyle-Teilzeit und Zahnarztleistungen? Oder fehlt den Menschen schlicht das Vertrauen, dass die CDU ihre Wahlkampfversprechen auch umsetzt?

Carsten Linnemann weiß, dass auch nach dieser voraussichtlichen Wahlniederlage mit dem Finger auf die Arbeit der Partei in Berlin gezeigt wird. Der Generalsekretär will deshalb gleich am Sonntagabend die Fronten klären: Der Bund habe bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg „erheblichen Rückenwind“ gegeben, sagt er nach ersten Prognosen in einem Interview mit der ARD. Eine Mitschuld am Ergebnis weist er sehr klar zurück. Die CDU habe einen erfolgreichen Parteitag gehabt, sie habe einen Kanzler, der Führung zeige – in der Welt. Da müsse man sich nur mal den Deutschlandtrend ansehen, der zeige immerhin einen Zuwachs von zwei Prozentpunkten.

Nur zeigen die Umfragen auch, dass die CDU im Bund eben doch eine Schuld trifft. Sie hat im vergangenen Jahr Vertrauen eingebüßt. Laut infratest dimap finden 78 Prozent, die Partei habe vor der Bundestagswahl „viel versprochen, aber wenig davon gehalten“. 71 Prozent sagen, die CDU habe „zu wenig für die Senkung von Steuern und Abgaben getan“ und 54 Prozent der Befragten sind „entsetzt, dass die CDU im Bund so viele Schulden aufgenommen hat“. Fragt man in der Partei, teilen zwar viele das Lob von Linnemann, wonach Friedrich Merz Führung in der Welt übernimmt. Sie wünschen sich aber auch, dass der Kanzler mehr innenpolitisches Engagement zeigt. Gerade beim Thema Wirtschaft und Reformen sei noch viel Luft nach oben, so heißt es.

Im Konrad-Adenauer-Haus sind sie am Abend bemüht um Schadensbegrenzung. Einerseits will man mit dem Finger nur ungern auf den Kandidaten Hagel zeigen. Gleichzeitig wollen sie in Berlin um jeden Preis vermeiden, dass die Niederlage an Merz hängen bleibt. Denn in der Parteispitze schaut man schon jetzt besorgt auf die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz. Gelingt der SPD dort in zwei Wochen, was die Grünen in Baden-Württemberg geschafft haben, dürfte das Beben im Bund kaum noch ausbleiben. Sara Sievert

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Letzte Aktualisierung: 08. März 2026