Thalia setzt auf Präsenz: Warum zu viel Onlinegeschäft ein Warnsignal wäre

02. Mai 2026
Bitte den Bilderdownload in den Einstellungen oberhalb dieses Briefings aktivieren.
Thalia CEO Ingo Kretzschmar zu Besuch im Table.Today Podcast Studio. (Eva Simmelbauer)

Der größte deutsche Buchhändler Thalia hält seinen Online-Anteil bewusst stabil. Der Online-Anteil am Gesamtumsatz liegt bei rund 39 Prozent und hat sich seit dem Corona‑Höhepunkt eingependelt. Ein weiterer Anstieg ist ausdrücklich kein Ziel. „Wenn der Online‑Umsatz zu hoch gehen würde, wäre das für uns ein Indikator, dass wir zu wenig präsent sind“, sagte Thalia-CEO Ingo Kretzschmar im Podcast Table.Today. Der stationäre und haptische Verkauf soll dauerhaft mehr als die Hälfte des Umsatzes ausmachen.

Gleichzeitig verschärfen sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für den Buchhandel insgesamt. In den vergangenen fünf Jahren ist die Zahl der Buchhandlungen in Deutschland um 24 Prozent gesunken, jeder fünfte Arbeitsplatz ging verloren. Kretzschmar führt dies vor allem auf stark gestiegene Kosten für Energie, Mieten und Personal zurück. Zugleich könnten Händler Preissteigerungen nur begrenzt weitergeben, da die Buchpreisbindung den finanziellen Spielraum einschränke.

Vor diesem Hintergrund stößt auch die von der Bundesregierung beschlossene Entlastungsprämie bei Kretzschmar auf Kritik. Unternehmen sollen ihren Beschäftigten eine steuer‑ und abgabenfreie Sonderzahlung von bis zu 1.000 Euro zahlen dürfen, um gestiegene Energie‑ und Lebenshaltungskosten abzufedern. Die Zahlung ist freiwillig, ein Rechtsanspruch besteht nicht. Die Idee habe Kretzschmar dennoch „extrem geärgert“, weil politische Erwartungen geweckt würden, während viele Arbeitgeber wirtschaftlich kaum Spielraum hätten.

Im Geschäftsjahr 2024/25 konnte Thalia seinen Umsatz um 14 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro steigern. Das im Branchenvergleich höhere Wachstum führt Konzernchef Kretzschmar auf Effizienzgewinne, frühe Trenderkennung und eine breitere Sortimentsstrategie zurück. Thalia habe Trends wie Young Adult oder englischsprachige Bücher schneller erkannt und konsequent in die Fläche gebracht. Hinzu komme der gezielte Ausbau der Zusatzsortimente. Der Non‑Book‑Anteil liegt inzwischen bei rund 32 bis 33 Prozent des Gesamtumsatzes, Spiele allein machen etwa zwölf Prozent aus. „Nur mit dem Buch allein kann man am Ende nicht mehr erfolgreich sein“, sagt Kretzschmar. Zusatzsortimente dienten zugleich dazu, neue – insbesondere junge – Zielgruppen für Bücher zu gewinnen.

Welche Sorgen Thalia‑Chef Ingo Kretzschmar mit Blick auf die Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen umtreiben und warum er darin ein gesellschaftliches Risiko sieht, hören Sie im Podcast Table.Today.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 02. Mai 2026