CEO.Table Executive Summary

Warum der globale Kapitaldruck Europa zwingt, seine Innovationskraft endlich selbst zu finanzieren

Europa zieht internationales Investorenkapital immer stärker an. Gleichzeitig fehlt es in späteren Finanzierungsrunden an ausreichend Wachstumskapital. Diese Lücke gefährdet die langfristige Innovationskraft des Kontinents.

07. Februar 2026
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Internationale Investoren setzen verstärkt auf Europa. (Imago Images)

Der globale Wettbewerb um privates Wachstumskapital in Europa verschärft sich deutlich. Amerikanische Fonds treten zunehmend aggressiv auf, während zugleich das Interesse internationaler Investoren am europäischen Markt steigt. Das zwingt auch Investoren stärker in die Öffentlichkeit zu gehen. „Typisch schweizerisch haben wir uns lange öffentlich kaum geäußert. Doch angesichts des zunehmenden Wettbewerbs ist heute eine stärkere öffentliche Positionierung wichtig “, sagt  Oliver Pabst, General Partner des Schweizer Investors Redalpine. Das Unternehmen zählt mit über einer Milliarde Euro verwaltetem Vermögen zu den größten europäischen Frühphaseninvestoren.

Die Zahlen zeigen deutlich, dass Europa für internationale Investoren immer attraktiver wird. Während 2020 rund 60 Prozent aller Private-Equity-Deals in der DACH-Region mindestens einen ausländischen Investor einschlossen, waren es 2025 bereits rund 70 Prozent, wie Daten von PitchBook ausweisen. Auch die Plattform Moonfare, die privaten und institutionellen Anlegern Zugang zu internationalen Private-Markets-Fonds bietet, beobachtet, dass globale Investoren Europa verstärkt nutzen, um ihr US-Engagement zu diversifizieren. Deutschland profitiert besonders davon: Die Bundesrepublik stellt inzwischen über 80 Prozent des DACH-Dealvolumens, und die Zahl deutschsprachiger Family Offices hat sich in fünf Jahren verfünffacht.

Dass die Frühphase in Europa funktioniert, zeigt das Start-up Proxima Fusion. Das Spinoff des Max-Planck-Instituts entwickelt ein modernes Stellarator-Konzept und arbeitet an einer Demonstrationsanlage, die belegen soll, dass Energie aus Fusion technisch möglich ist. In frühen Finanzierungsrunden fand das Team schnell Kapital. Für die nächsten Schritte benötigt Proxima jedoch rund zwei Milliarden Euro bis 2030. Genau hier zeigt sich das strukturelle Problem: In späteren Finanzierungsrunden steht in Europa häufig nicht genug Wachstumskapital bereit. Lucio Milanese, Co‑Founder & Chief External Affairs Officer von Proxima, sagt: „Für Gründer im Deep-Tech-Bereich zählt nicht nur die Menge des Kapitals, sondern auch die Qualität der Partnerschaft. Wer Mission, Komplexität und Ambition versteht, macht den Unterschied. Für uns gilt: Fusion wird kommen und die einzige Frage ist, ob Europa bei dieser Entwicklung vorangeht oder nur zuschaut.“

Im entscheidenden Wachstumssegment steht Europa trotz steigender Aufmerksamkeit erheblich unter Druck.Sebastian Becker, ebenfalls General Partner von Redalpine, warnt im Gespräch mit Table.Briefings, dass es an ausreichend großen Finanzierungsrunden in der späten Phase fehlt. Seit dem Höchststand 2022 ist das eingesammelte Wachstumskapital in Europa von knapp 39 Milliarden Euro auf rund zwölf Milliarden Euro gefallen. Diese Lücke entscheidet zunehmend darüber, ob erfolgreiche Unternehmen in Europa bleiben oder Kapital im Ausland suchen. Europa ist für Investoren attraktiver denn je – doch wenn der Kontinent seine Innovationskraft langfristig halten will, muss er sie nun konsequent selbst finanzieren.

Auch die Politik hat das Problem erkannt. Deutschland, Frankreich und das Europäische Parlament wollen die Wachstumsbedingungen für Start‑ups in Europa verbessern. Die gemeinsame Initiative FIVE – Financing Innovative Ventures in Europe – schlägt mehrere Maßnahmen vor, um die Lücke zu schließen, darunter Reformen der Zusatzrenten, gezielte öffentliche Kapitalinitiativen, Unterstützung innovativer Unternehmen, wettbewerbsfähigere Börsenplätze und ein EU‑weites „28. Regime“. Mehr dazu lesen Sie im Europe.Table.

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Letzte Aktualisierung: 07. Februar 2026