Die 100 entscheidenden Köpfe der Raumfahrt-Szene – Politik

Lernen Sie die „Top of the Table 2025/26“ kennen: Die 100 entscheidenden Köpfe der Raumfahrt-Szene. Ausgewählt von der Space.Table-Redaktion in zehn Kategorien, von Politik, Unternehmen, Beratung, Verbänden, Thinktanks bis Stiftungen, Wissenschaft, NGOs und Gesellschaft. Heute: Politik.

11. Februar 2026
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Dorothee Bär

Dorothee Bär

Bundesministerin, Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Die Politikwissenschaftlerin sitzt seit 2002 für die CSU im Deutschen Bundestag und führt seit Mai 2025 das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Die Rückverlagerung der Raumfahrtzuständigkeit aus dem Wirtschafts- in ihr Ressort war ein Schritt, der in Berlin weit über eine organisatorische Korrektur hinausging – und entsprechend intensive Debatten auslöste. Seither setzt sie mit freundlichem Nachdruck Akzente: Deutschland tritt selbstbewusster in Esa-Programmen auf, der private Raumfahrtsektor erhält mehr Aufmerksamkeit, und die Verknüpfung von Technologiepolitik und Raumfahrt gewinnt an Gewicht. Den deutlich erhöhten deutschen Beitrag zum Esa-Budget oder die Perspektive einer deutschen Beteiligung an kommenden Mondmissionen kann sie als Erfolg verbuchen.

Boris Pistorius

Boris Pistorius

Bundesminister, Bundesministerium der Verteidigung

Boris Pistorius hat der deutschen Raumfahrt eine sicherheitspolitische Dringlichkeit verliehen, die sich im Herbst 2025 auf dem BDI‑Weltraumkongress unüberhörbar zeigte: Die Ankündigung, bis 2030 rund 35 Milliarden Euro in Weltraumsicherheit zu investieren, markiert einen Paradigmenwechsel für Aufklärung, Kommunikation und Resilienz im Orbit. Der Sozialdemokrat argumentiert offen mit der realen Bedrohungslage im All und skizziert eine Architektur, die eigene Konstellationen, robuste Kommunikationsnetze und präzise Lagebilder umfasst, inklusive der Fähigkeit, Störungen und Angriffe einordnen zu können. Der Verteidigungsminister gilt privat als ausgewiesener Star‑Trek-Fan – ein Detail, das nicht romantisiert wird, aber durchaus erklärt, wie selbstverständlich er technologische Zukunftsfähigkeit und strategische Handlungsfähigkeit zusammendenkt.

Klaus-Peter Willsch

Klaus-Peter Willsch

Vorsitzender der Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt im Bundestag

Der studierte Volkswirt ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestages für die Unionsfraktion. Seit 2009 leitet er die fraktionsübergreifende Parlamentsgruppe Luft- und Raumfahrt. Sie pflegt enge Kontakte zu Industrie und Wissenschaft, ist in der Außenkommunikation jedoch eher zurückhaltend – anders als Willsch, der die Wirkmacht klarer Worte schätzt. Er tauscht sich zudem mit weiteren europäischen Parlamentariergruppen aus, die sich mit Raumfahrt befassen, wurde erst kürzlich in den Beirat des European Space Policy Institute (ESPI) Wien geholt. Auch wenn er nur stellvertretendes Mitglied im zuständigen Forschungsausschuss ist, bleibt Willsch eine starke Stimme der Raumfahrt.

Thomas Reiter

Leiter der Abteilung R (Raumfahrt und Sicherheit), Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt

Im BMFTR kommt der Abteilung R eine besondere Bedeutung zu: Raumfahrt und Sicherheit – zwei wichtige und sehr dynamische Themen kommen hier zusammen. Mit Thomas Reiter hat Dorothee Bär einen überzeugenden Abteilungsleiter gewonnen. Als Astronaut und langjähriger Manager bei DLR und Esa kennt er alle Facetten der Raumfahrt. Als ehemaliger Brigadegeneral ist Reiter ebenso mit dem Thema Sicherheit vertraut. Trotz einer beeindruckenden Karriere sind ihm Allüren fremd, ist er zugewandt und verbindlich. Seine Analysen haben Gewicht.

Claudia Müller

Berichterstatterin Raumfahrt, Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

Wie kaum eine andere Partei vollziehen Bündnis 90/Die Grünen einen tiefgreifenden Wandel ihrer Position zur Raumfahrt. Über Chancen und Notwendigkeiten wird anders diskutiert als noch vor Jahren. Claudia Müller ist eine der Akteurinnen, die diesen Diskurs beleben, nach außen und nach innen. Insbesondere die geopolitische Dimension der Raumfahrt, die aktuell mehr Fragen als Antworten aufwirft, ist ihr ein zentrales Anliegen.

Mona Neubaur

Wirtschaftsministerin, NRW-Landesregierung

Klug und engagiert kämpft sie dafür, dass Nordrhein-Westfalen endlich als Raumfahrtland wahrgenommen wird. Zwar sind Institutionen wie DLR und Esa seit langem dort präsent und einschlägige Unternehmen aktiv – dennoch suggerieren Bayern, Baden-Württemberg und Bremen mitunter, sie wären die einzigen Space-Akteure. In NRW wächst die Raumfahrt, etwa in Gestalt des GovSatCom-Hubs, einem zentralen Netzwerkknoten für sichere Satellitenkommunikationsdienste. Die Grünen-Politikerin hat als Wirtschaftsministerin und stellvertretende Ministerpräsidentin entscheidenden Anteil an diesem Aufschwung. Spätestens mit dem Chancenpapier Raumfahrt, veröffentlicht im Januar, ist ihr Anspruch klar formuliert: Potenziale strategisch auszubauen und international sichtbar zu machen.

Carolin Wagner

Berichterstatterin Raumfahrt, SPD-Bundestagsfraktion

Carolin Wagner, seit 2023 Co‑Vorsitzende der bayerischen SPD‑Landesgruppe, zählt in ihrer Fraktion zu den Abgeordneten, die Raumfahrtfragen kontinuierlich begleiten. Bei ihrem Besuch am DLR‑Standort Oberpfaffenhofen im Juli 2025 informierte sie sich über zentrale operative Bereiche der deutschen Raumfahrt – vom GSOC über die Datenverarbeitung im DFD bis zu Radartechnologien, Robotik‑Transfer und Maßnahmen gegen Störungen von Satellitennavigation (Jamming, Spoofing). Wagner ist in zahlreichen Gremien tätig, die für digitale und technische Infrastruktur relevant sind – darunter Bundesnetzagentur, Mobilfunkinfrastrukturgesellschaft und das Kompetenzzentrum Technik‑Diversity‑Chancengleichheit. Aufgewachsen in der nördlichen Oberpfalz, verbindet sie wissenschaftliche Erfahrung, regionale Verankerung und ein wachsendes Engagement für Raumfahrt‑ und Technologiepolitik.

Carsten Bockstette

Referent Weltraumpolitik, Bundesministerium der Verteidigung

Carsten Bockstette ist ein Generalstabsoffizier der Luftwaffe, der über eine außergewöhnliche internationale Expertise an der Schnittstelle von Verteidigung und Weltraum auszeichnet. Er verbrachte fünf Jahre als Verbindungsoffizier beim Joint Functional Component Command for Integrated Missile Defense des US-Space Command in Colorado Springs und kennt sich daher bestens mit der amerikanischen Space- und Missile-Defence-Community aus. Seine akademische Laufbahn umfasst eine Promotion an der Universität der Bundeswehr Hamburg im Jahr 2002, in der er die Entstehung der EADS untersuchte und dabei bereits den Fokus auf die Wechselwirkungen zwischen Rüstungsindustrie, Politik und Raumfahrt legte. Darüber hinaus absolvierte er ein Masterstudium an der U.S. Air Force Air University School of Advanced Air and Space Studies und erwarb einen Master of Philosophy (M. Phil.). Aktuell ist Bockstette als Referent Weltraumpolitik im Bundesministerium der Verteidigung tätig.

Michael Traut

Leiter Weltraumkommando, Bundeswehr

Michael Traut baut Deutschlands militärische Weltraumfähigkeiten praktisch von Grund auf. Seit 2021 führt der Generalmajor das Weltraumkommando in Uedem – und damit die Antwort der Bundeswehr auf eine Dimension, die rasant an strategischer Brisanz gewinnt: Mit einem geplanten Investitionsvolumen von 35 Milliarden Euro bis 2030, eigenen Satellitenkonstellationen und dem Aufbau einer europäischen Newspace-Industrie als Partner hat Traut eine der ambitioniertesten Ausbauagenden der Bundeswehr zu verantworten. Der Informatiker und Radarleitoffizier bringt dafür Einsatzerfahrung aus Afghanistan, britische Stabsausbildung am Royal College of Defence Studies und jahrelange Führungserfahrung als Kommandeur der Offizierschule der Luftwaffe mit. 2024 schuf er den ersten Karrierepfad „Weltraum" für Offiziere – ein Signal, dass die Dimension dauerhaft im Kern der Bundeswehr ankommen soll.

Florian Müller

Forschungspolitischer Sprecher, CDU-Bundestagsfraktion

Florian Müller, MdB (CDU), ist seit Mai 2025 der forschungspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Deutschen Bundestag. Er trat nach dem Weggang von Thomas Jarzombek ins Digitalministerium in große Fußstapfen. Während jetzt auch das Ministerium in Unionshänden ist, fallen Müller die parlamentarischen Aushandlungsprozesse für viele anstehende Gesetze im Forschungsbereich zu. Sein Fokus liegt neben der Raumfahrt auf der Hightech-Agenda. Er will, dass Deutschland auch künftig ein international führender Innovationsstandort ist und sucht dazu den engen Austausch mit Forschungseinrichtungen, Universitäten, Unternehmen sowie den Akteuren der Raumfahrt.

Eine Übersicht über die „Top 100 of the Table 2025/26“ von Table.Briefings finden Sie hier.

Letzte Aktualisierung: 27. März 2026