China-Reise von Merz: Größte Wirtschaftsdelegation seit Merkels erster Amtszeit

14. Februar 2026

Wenn Bundeskanzler Friedrich Merz vom 24. bis 27. Februar erstmals als Regierungschef nach China reist, wird ihn eine 30-köpfige Wirtschaftsdelegation begleiten – die größte seit der ersten Amtszeit von Angela Merkel. Für deutsche Unternehmen stehen dabei zentrale wirtschaftliche Fragen im Mittelpunkt: Exportkontrollen, Wettbewerbsverzerrungen durch die chinesische Währung Renminbi, Marktzugang sowie faire Wettbewerbsbedingungen.

Derweil ist die wirtschaftliche Abhängigkeit von China zuletzt deutlich gesunken. Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft hingen 2021 noch rund 1,1 Millionen Jobs direkt oder indirekt vom China-Geschäft ab, inzwischen sind es rund 400.000 weniger. Der Anteil der Volksrepublik an den deutschen Exporten sank von 8,5 auf 5,2 Prozent. Das liegt auch daran, dass deutsche und europäische Unternehmen verstärkt mit einer Lokalisierungsstrategie den chinesischen Markt von vor Ort bedienen und sich der Wettbewerb verschärft hat.

Trotz des Rückgangs bleibt China für viele Konzerne strategisch bedeutend. Bei Volkswagen etwa dürfte es bald statt „In China, für China“ „In China, für die Welt“ heißen. Die dort entwickelten Modelle sollen verstärkt in Drittmärkte exportiert werden, um global wettbewerbsfähig zu bleiben. „Die in China entwickelten Technologien und Produkte eröffnen uns neue Exportchancen – in Regionen, die wir bislang von Europa aus nicht zielgerichtet bedienen konnten“, sagt VW-CEO Oliver Blume gegenüber Table.Briefings. Niedrige Produktionskosten, kürzere Entwicklungszeiten und ein günstiger Renminbi schaffen Vorteile, verschärfen aber auch den Zielkonflikt zwischen globaler Wettbewerbsfähigkeit und europäischer Wertschöpfung.

Auch Mercedes-Benz spürt den Druck: 2025 sank das Konzernergebnis um die Hälfte auf 5,3 Milliarden Euro bei einem Umsatzrückgang auf 132 Milliarden Euro, ein Minus von neun Prozent. Als Grund nennt der Autohersteller unter anderem das schwache China-Geschäft. In China ist der Absatz von Mercedes-Benz um rund ein Fünftel zurückgegangen.

Auf EU-Ebene wächst der Handlungsdruck. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen warnt vor Deindustrialisierung, Subventionen und Überkapazitäten, insbesondere aus China. Während Frankreich auf eine „Made in Europe“-Strategie und gemeinsame Schulden drängt, setzt Deutschland auf Produktivitätssteigerungen und neue Handlungsabkommen. Einig ist man sich vor allem in einem Punkt: Europas Wettbewerbsfähigkeit steht unter massivem Zeitdruck und das Verhältnis von China ist dabei ein zentraler Faktor. Lisa Brunßen

Mehr Analysen und Einordnungen zum Thema lesen Sie im China.Table.

Briefings wie CEO.Table per E-Mail erhalten

Keine Bankdaten. Keine automatische Verlängerung.

Sie haben bereits das Table.Briefing Abonnement?

Anmelden

Letzte Aktualisierung: 14. Februar 2026