Wählerwandel: Junge Menschen entwickeln stärkere Parteienbindungen

CR
22. April 2026
Entwicklung der Parteibindung

Wählerwandel: Junge Menschen entwickeln stärkere Parteienbindungen. An den Rändern entstehen neue, loyale Stammwählerschaften. Das ist das Ergebnis einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Parteibindung und Parteiaffinität, die Table.Briefings vorliegt. Wählerinnen und Wähler unter 30 Jahren entwickeln demnach ebenso häufig feste Parteibindungen wie ältere Generationen, tendieren jedoch stärker zu Grünen, Linken und AfD. Junge Wähler zeigten allerdings seltener Mehrfachaffinitäten und schwankten kaum zwischen Parteien. Das mache ihre politische Bindung besonders stark. Dabei fällt auf, dass junge Frauen (25 Prozent) besonders oft die Linke unterstützen. Bei der AfD liegen junge Männer und Frauen mit etwa 12 bis 13 Prozent fast gleichauf.

Dazu liefert die Studie den strukturellen Befund: Parteienaffinität ersetzt zunehmend die klassische Parteibindung. Im Westen ist die Parteibindung seit 1976 stark gesunken, heute sind 40 Prozent nicht an Parteien gebunden. Im Osten liegt dieser Anteil mit 47 Prozent noch höher. Entscheidend ist dabei, wen man ablehnt: Viele wählen die Partei, die sich am stärksten von einer ungeliebten abgrenzt. Zwei Drittel sympathisieren mit mehreren Parteien, fast alle (87 Prozent) lehnen mindestens zwei explizit ab. Die Studie wertet das als Beleg für ein polarisiertes Parteiensystem, in dem negative Abgrenzung in den letzten 15 Jahren stark an Bedeutung gewonnen hat. Wen Menschen wählen, hänge heute ebenso sehr davon ab, wen sie mögen, wie davon, wen sie ablehnen. Die KAS hat für die Studie eigene Befragungen durchführen lassen und Daten des Politbarometers der Forschungsgruppe Wahlen ausgewertet. Chiara Rautenberg

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Letzte Aktualisierung: 22. April 2026