Paula Cipierre (Palantir): „Wir wollen transparent kommunizieren“

Paula Cipierre ist EU-Leiterin für Privacy und Public Policy bei Palantir Technologies in Berlin.
Paula Cipierre ist EU-Leiterin für Privacy und Public Policy bei Palantir Technologies in Berlin.

Wie sich ein Leben mit wenig Privatsphäre anfühlen kann, das hat Paula Cipierre schon als Jugendliche erlebt. Mit sechzehn Jahren hat die Tochter einer deutschen Mutter und eines englischen Vaters Deutschland verlassen, um die letzten zwei Jahre ihrer Schulzeit auf einem internationalen Internat, dem United World College in Norwegen, zu verbringen. „Wir waren in Fünferzimmern untergebracht“, erinnert sich die 32-Jährige. „Zu meinen Bettnachbarinnen zählten Mädchen aus Litauen, Norwegen, Tibet und der Westsahara, zwei davon waren Geflüchtete.“  

Sechzehn Jahre später ist Paula Cipierre als EU-Leiterin für Privacy und Public Policy des Softwareherstellers Palantir Technologies eine Expertin für Datenschutz-Themen. Das Unternehmen bietet – durchaus umstrittene – Produkte wie die Plattform Gotham an, die Sicherheitsbehörden im Bereich der Strafverfolgung und Verteidigung einsetzen. Hier arbeiten Softwareingenieur:innen und Data Scientists Hand in Hand mit Jurist:innen und Ethikexpert:innen. Paula Cipierre hat also bis heute tagtäglich Kontakt zu unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichsten Hintergründen – was möglicherweise daran liegt, dass sie selbst gerne ungewöhnliche Wege geht.

Von der Sprachwissenschaft zum Datenschutz

Cipierre ist eine von wenigen jungen Frauen, die sich in einem Software-Unternehmen mit Datenschutzthemen befassen. Sie ist von Hause aus Geistes- und Kulturwissenschaftlerin: Französische Literaturwissenschaft, Europäische Kulturstudien und Nahoststudien hat sie studiert, und zwar an der renommierten Princeton University in den USA. Während ihres Masterstudiums in Public Policy an der Hertie School of Governance half sie 2012 als studentische Mitarbeiterin am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft (HIIG) dabei, eine Konferenz zur damals geplanten EU-Datenschutzgrundverordnung zu organisieren. Seitdem lässt sie das Thema mit seinen rechtlichen und kulturellen Facetten nicht mehr los. 

Kurz nachdem Edward Snowden die Ausspähung von Internetnutzern durch den US-Auslandsgeheimdienst aufdeckte, widmete Paula Cipierre ihre Masterarbeit der Transatlantischen Privacy Governance, um dann bei einer Philosophin an der New York University eine Promotion in „Medien, Kultur und Kommunikation“ zu beginnen – zu dem Thema, wie man rechtliche und normative Datenschutz-Anforderungen in die Gestaltung von neuen Technologien von Beginn an einbauen kann. Ein Thema, das sonst vor allem Jurist*innen und Computerwissenschaftler*innen beschäftigt. 

Interdisziplinäres Denken im Wirtschaftsunternehmen 

Die Promotion legte Cipierre Ende 2016 erst mal auf Eis, um bei Palantir anzuheuern, zunächst in New York, dann in München und schließlich in Berlin. „Ich wollte näher an den Themen dran sein, zu denen ich jahrelang geforscht hatte.“

Als Verantwortliche für die Themen Privacy und Public Policy des Unternehmens ist sie nun unter anderem dafür zuständig, Regierungs- und privaten Kunden, aber auch der breiteren Öffentlichkeit zu erklären, wie Palantir mit den Themen Datenschutz und Datenethik in der Praxis umgeht: „Sowohl im Regierungsbereich als auch im kommerziellen Bereich arbeiten wir zu gesellschaftlich wichtigen Themen. Wir wollen als Firma transparent kommunizieren: Was können unsere Plattformen? Und welche Schutzmöglichkeiten sind dort eingebaut?“

Cipierre lebt in Berlin und studiert derzeit berufsbegleitend Informationstechnologierecht, bildet sich also auch juristisch weiter – und profitiert nach wie vor von ihrem ersten Studium, in dem sie Französisch, Spanisch und auch Hebräisch gelernt hat: „In unterschiedlichen Sprachen denkt man unterschiedlich über gewisse Konzepte. Programmiersprachen sind auch Sprachen. Nun helfe ich, rechtliche und ethische Prinzipien in unsere Software zu übersetzen.“ Janna Degener-Storr

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