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Was bringt das Jahr des Wasser-Tigers?

Von Felix Lee
Das Jahr des Tierkreiszeichens des Wassertigers beginnt Anfang Februar 2022.

Eigentlich ist der Tiger in China ein beliebtes Tier. Die prächtige Raubkatze steht für Stärke, Vitalität, Risikobereitschaft und Abenteuer. Noch vor zwölf Jahren, als das vorige Jahr des Tigers begrüßt wurde, verbanden Millionen Chinesinnen und Chinesen das Tierkreiszeichen mit Aufbruch, Öffnung und Stärke. Das fing die Stimmung des Jahres 2010 gut ein. Es war das Jahr der Expo in Shanghai, zwei Jahre nach den erfolgreichen Olympischen Sommerspielen in Beijing, im Westen herrschten die Folgen der Finanzkrise, China hatte Oberwasser. 

Tatsächlich ist China seitdem zwar stärker geworden. Doch mit der Freude gehen nun auch kompliziertere Gefühle einher, als im Tiger-Jahr 2010. Staats- und Parteichef Xi Jinping ist in der Zwischenzeit an die Regierung gekommen – und zeigt sich so stark wie lange kein chinesischer Machthaber vor ihm.

Ein Teil der Diskreditierung des Tigers hat nun unmittelbar mit seiner Politik zu tun. Xi hatte kurz nach Beginn seiner Amtszeit 2012 der Korruption den Kampf angesagt. Seitdem verwendet er exzessiv die Metapher, mit seiner umfassenden Antikorruptionskampagne nicht nur gegen „Fliegen“, sondern auch gegen „Tiger“ vorzugehen. Was er damit meinte: Er werde nicht nur einfache Beamte belangen, sondern auch hochrangige Parteikader und reiche Unternehmer. 

Und er hat Wort gehalten. Hunderttausende Parteimitglieder, einige schätzen gar bis zu einer Million, hat er seitdem festnehmen lassen, darunter Top-Kader wie den einst mächtigen Sicherheitschef Zhou Yongkang, der seine Macht sicherlich willkürlich ausgeübt hat und bestechlich war. Doch Xi ging auch gegen Leute vor, die ihm einfach politisch nicht passten. So ist die Freude, wenn am 1. Februar nach dem traditionellen chinesischen Mondkalender 1,5 Milliarden Chinesinnen und Chinesen weltweit das neue Jahr des Tigers begrüßen, bei einigen denn auch durchwachsen. Manche verbinden mit dem Begriff Tiger inzwischen Angst und Schrecken

Das Tierkreiszeichen Tiger ist das 3. im 12-Jahres-Zyklus.

Doch auch die traditionelle Astrologie schreibt dem Tiger weiterhin zwei Seiten zu. Der Tiger ist in dem Zwölfjahreszyklus nach Ratte und Büffel die Nummer drei im Tierkreiszeichen. Wer in einem Jahr des Tigers geboren ist (also 1938, 1950, 1962, 1974, 1986, 1998 oder 2010), gilt charakterlich als durchsetzungsstark, mutig und abenteuerlustig. Tigern wird auch Spürsinn und eine Neigung dazu, sich Herausforderungen zu stellen, nachgesagt. Eigenschaften also, die mit einem echten Tiger in Verbindung gebracht werden. Tiger gelten aber auch als angriffslustig, aufbrausend, launisch und unberechenbar. Zudem sind Tiger Einzelgänger. Angenehme Zeitgenosse sind „Tiger“ also an und für sich nicht. Turbulent, gar wild könnte auch das Tiger-Jahr werden. Das verspricht kein gutes Jahr – gäbe es nicht das Zusatzelement. 

Das Wasser macht den Tiger harmonisch

Denn jedes Tierkreiszeichen wird mit einem der fünf Elemente verbunden: Metall, Holz, Wasser, Feuer und Erde. Das Jahr 2022 trifft auf das Element Wasser. Und Wasser besänftigt. Es macht die Übergänge zwischen den Ereignissen fließend und harmonisch. Wasser ist zudem flexibel, nicht allzu emotional geprägt, und es reinigt. Das Element Wasser besänftigt den Tiger also gewissermaßen. 

An und für sich würde 2022 ein Jahr von Konflikten, womöglich gar Kriegen werden, sagt der Hongkonger Feng-Shui-Meister Raymond Lo, einer von weltweit fünf Astrologen, die von der Internationalen Feng Shui Association (IFSA) den Titel „Großer Meister“ verliehen bekam. „Aber es scheint, dass das Jahr des Wassertigers positiv und produktiver werden wird.“ Das Bedürfnis nach „einem heilenden Jahr nach der katastrophalen Covid-19-Pandemie der vorangegangenen zwei Jahre“ sei groß, sagt Lo. Wird die Ukraine-Krise also womöglich doch noch in friedlichen Bahnen enden? Und könnte der Taiwan-Konflikt 2022 an Schärfe verlieren? Zu hoffen wäre es ja. 

Das Tierkreiszeichen Tiger sagt für das kommende Jahr eher Turbulenzen und Konflikte voraus.

Menschen, die in einem Tiger-Jahr geboren sind, können 2022 wichtige Projekte vorantreiben. Das Jahr des Tigers verlangt ihnen zwar viel Anstrengungen ab, diese werden aber entsprechend belohnt. Wer sich etwa im Beruf verändern möchte, hat 2022 gute Voraussetzungen dafür.

Aber auch für andere Tierkreiszeichen ist es den Astrologen zufolge ratsam, sich an die Glücksbringer zu halten, die das Tierkreiszeichen des Tigers mit sich bringt. Farben, die im Tigerjahr Glück versprechen, sind Blau, Grau, Weiß und Orange. 

Und die Tiger selbst? Das eigene Jahr des Tierkreiszeichens ist keineswegs ein Glücksjahr. Im sogenannten Benming-Nian 本命年 könnte sich der chinesischen Astrologie zufolge der Gott des Alters beleidigt fühlen. Um Unglück abzuwehren, sollten daher alle, auf denen ihr Tierjahr fällt, das ganze Jahr über etwas Rotes am Leibe tragen. Viele in China tragen deswegen ein rotes Bändchen ums Handgelenk. Eine rote Unterhose tut’s auch.

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