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Importierte Feiertage

Vor uns liegt eine ganze Reihe von Valentinstagen. Einige zählen das Laternenfest (Yuanxiao) zu diesen romantischen Feiertagen. Dieses Jahr fällt es auf den 5. Februar. Aber dem Valentinstag nach amerikanischem Vorbild am 14. Februar wird wesentlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Er ist vor allem bei der jüngeren Generation beliebt, da er aus dem Westen importiert wurde. Üblicherweise schenken an diesem Tag die Frauen ihren Partnern Schokolade, um damit ihre Liebe zu zeigen. Von den Männern wird erwartet, dass sie sich später dafür erkenntlich zeigen.

Manche behaupten dagegen, der eigentliche chinesische Valentinstag sei der 7. Juli nach dem Mondkalender. Dieses Datum hat tatsächlich eine romantische Bedeutung. Der Volksglaube besagt, dass ein unglückliches Paar – ein Kuhhirte und eine Weberin – von einer bösen Göttin auf unterschiedliche Seiten der Milchstraße verbannt wurde. Nur einmal im Jahr, an diesem Tag, ist es ihnen erlaubt, sich auf einer Brücke zu treffen, die von Elstern des guten Willens gebildet wird. 

Als sich dieser Tag im alten China allmählich zu einem Feiertag entwickelte, beteten die Mädchen an diesem Tag eigentlich um Gaben für den Haushalt, insbesondere für Näharbeiten, und nicht um die Liebe. Der Grund dafür war offensichtlich. Romantische Liebe wurde zwar schon in der alten chinesischen Literatur thematisiert, aber vom herrschenden Wertesystem nie befürwortet. Die Liebe war in China zwar Privatsache, die aber erst ab den 1980er-Jahren von den Eingriffen des Staates und der Familie verschont blieb.   

Zahlreiche Feste sind sowohl in China als auch in anderen Teilen der Welt offizielle Feiertage, beispielsweise das Neujahrsfest, der Tag der Arbeit am 1. Mai und der Weltfrauentag am 8. März. Dieser gilt in China zwar nicht als gesetzlicher Feiertag, aber die meisten Arbeitgeber erlauben ihren weiblichen Angestellten, schon mittags Feierabend zu machen. Diese drei Tage sind schon seit Jahrzehnten ein fester Teil des chinesischen Kalenders. Obwohl sie alle ihren Ursprung im Ausland haben, werden sie längst nicht mehr als fremde Feiertage angesehen. 

Dann sind da noch einige exotische Feiertage, die keine gesetzlichen Feiertage sind, aber von einigen Chinesen, vor allem in den Großstädten, gefeiert werden. Dazu gehören Erntedank, Halloween, der Muttertag im Mai und der Vatertag im Juni. Das bekannteste Fest ist natürlich Weihnachten.

Bemerkenswert ist, dass die in China offen gefeierten importierten Feiertage – sowohl die offiziellen als auch die inoffiziellen – allesamt aus dem Westen stammen, hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten. Das Erntedankfest, Muttertag und Vatertag werden in verschiedenen Ländern an unterschiedlichen Tagen begangen. Die Chinesen, die sie feiern, orientieren sich am US-Kalender. Neben der Beliebtheit von Halloween ist dies ein weiteres Zeichen für die Faszination für die amerikanische Popkultur. Damit einher geht der typisch amerikanische Stil: übertrieben, zuckersüß, manchmal sogar etwas kitschig.  

Die Akzeptanz inoffizieller westlichen Feiertage zeugt von der zunehmenden Wertschätzung davon, seine Gefühle auszudrücken und von einem wachsenden Bedürfnis nach Unterhaltung. Sie werden von der Regierung in der Regel toleriert, mit Ausnahme von Weihnachten.

Die Regierung verachtet Weihnachten

In China ist Santa Claus eine bekannte Figur. Ein großväterlicher, rot gekleideter Mann, der auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten Geschenke an Kinder verteilt: Das ist etwas, das die Herzen der Menschen verschiedener Kulturen mit Leichtigkeit erobert.  

Große, funkelnde Weihnachtsbäume stehen auch vor den Einkaufszentren in den chinesischen Großstädten. Trendbewusste Menschen haben ihren Partner an Heiligabend zu einem schicken Abendessen auszuführen, doch in der vergangenen Jahresendsaison fielen Shoppen und Fressen aus Angst vor Corona leider meist aus.

Darüber hinaus hat sich in den letzten zehn Jahren unter den jungen Chinesen eine neue skurrile Weihnachtstradition eingebürgert: Sie schenken einander einen Apfel, genannt „Früchte für den Frieden“. Der Heiligabend heißt auf Chinesisch „Friedliche Nacht“, Ping An Ye (平安夜). Und der Apfel heißt Ping Guo (苹果). Beide Wörter haben ein Zeichen, das Ping ausgesprochen wird. Das klingt weit hergeholt und geradezu kitschig, aber es ist ein gutes Beispiel dafür, wie einer fremden Tradition eine einheimische Note verliehen wird. 

Und selbstverständlich gibt es Menschen, die Weihnachten aus religiösen Gründen feiern: die Millionen von chinesischen Christen. Dennoch ist Weihnachten kein gesetzlicher Feiertag in China. Ganz im Gegenteil, Ausbrüche von Fremdenfeindlichkeit und Angst vor dem wachsenden Einfluss des Christentums haben zuweilen zu Aufrufen zum Boykott von Weihnachten geführt, insbesondere an Universitäten. Die Universitätsleitungen wollen ihre Studenten von weihnachtlichen Veranstaltungen fernhalten. 

Obgleich einige westliche Feiertage ihren Weg nach China gefunden haben, werden die Feste ethnischer Minderheiten in China in den mehrheitlich von der Han-Bevölkerung bewohnten Regionen nicht gefeiert. 

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