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Chinesische Stars wie Jackie Chan

Vergessen Sie einmal Hu Jintao und Xi Jinping und richten einmal den Blick auf andere internationale Berühmtheiten aus China.

So einige chinesische Stars haben sich auch international einen Namen gemacht. Aber längst nicht alle von ihnen sind chinesische Chinesen. Die Kung-Fu-Schauspielerin Michelle Yeoh stammt aus Malaysia; der gefeierte Filmregisseur Ang Lee kommt aus Taiwan. Der Cellist Yo-yo Ma wurde in Paris geboren und wuchs in Frankreich und den Vereinigten Staaten auf. Streicht man diese Namen von der Liste, dann bleiben nur noch wenige übrig.

Unter ihnen ist der Pianist Lang Lang. Die Menschen in China sind stolz darauf, dass ihr Land einen Weltklassekünstler wie ihn hervorgebracht hat, wenngleich auch viele sich nicht mit seinem extravaganten Stil anfreunden können. Lang Lang war trotz seines vollen Terminkalenders zwischen Welttourneen hin und wieder bei großen Zeremonien und Gala-Shows in China zu Gast.

Im Jahr 2011 spielte er auf einem Staatsbankett, das US-Präsident Barack Obama für seinen chinesischen Amtskollegen Hu Jintao gab (damals fand er den Weg noch selbst). Eines der von Lang gespielten Stücke war eine Adaption eines Liedes, das jeder Chinese kennt. Das Lied mit dem Titel „Mein Vaterland“ stammt ursprünglich aus einem Film aus dem Jahr 1956 über eine Schlacht zwischen China und den USA während des Koreakriegs. Der Text enthält die Liedzeile „Falls Schakale und Wölfe kommen, haben wir Jagdgewehre, sie zu empfangen“, wobei Wölfe eine Metapher für die US-Armee ist.

Dieser Vorfall löste einige kleinere Kontroversen aus, woraufhin das Weiße Haus und Lang selbst in den Medien die politische Bedeutung des Stücks herunterspielten. Lang dürfte froh gewesen sein, dass die Sache nicht zu einem großen Eklat geführt hat. Aber es hat ihm mit Sicherheit gezeigt, wie vorsichtig man sein muss, um politische Stolpersteine zu vermeiden.

Jackie Chan hat einen Oskar – und ist glühender Patriot

Es gibt aber auch Prominente, wie etwa Jackie Chan, die sich die Politik zunutze machen, um sich auf dem chinesischen Markt zu profilieren.

Mit 68 Jahren ist der Kung-Fu-Filmstar aus Hongkong vermutlich immer noch der bekannteste lebende Chinese der Welt, der nicht aus der Politik stammt. Hollywood verlieh ihm 2016 sogar einen Ehren-Oscar für sein Lebenswerk.

Dabei steht Chan der chinesischen Regierung eigentlich sehr nahe. Er sprach sich offen gegen die Demokratiebewegung in Hongkong aus und sorgte in China mit Aussagen wie „Die Menschen in Hongkong und Taiwan haben zu viel Freiheit, deshalb herrscht dort ein großes Chaos“ oder „Chinesen müssen diszipliniert werden“ für Aufsehen.

Chan ist seit langem Mitglied der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, einem hochrangigen politischen Beratungsgremium. Damit ist er faktisch ein Teil des Regierungssystems.

Angesichts seiner politischen Verdienste und seines internationalen Ruhmes genießt Chan in der chinesischen Unterhaltungsindustrie ein beispielloses Ansehen. Wann immer er mit anderen chinesischen Künstlern auftritt, steht er fast immer im Mittelpunkt. Seine Kollegen vom Festland dürfen ihn unterwürfig „Großer Bruder Cheng Long“ nennen (So lautet sein Name auf Mandarin), um ihm Respekt zu zollen.

Dagegen wurden viele seiner Filmkollegen aus Hongkong, wie etwa der Schauspieler Chow Yun-fat (Tiger and Dragon) und die Sängerin Anita Mui, von Peking auf die schwarze Liste gesetzt. Chow Yun-fat unterstützte öffentlich Dissidenten, Anita Mui spielte eine wichtige Rolle bei der Flucht chinesischer Studenten nach dem Tiananmen-Massaker im Jahr 1989.

Deshalb war es für liberale Chinesen umso bitterer, als Chan mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Nach Meinung seiner Kritiker hätte das politisch korrekte Hollywood ihn wegen seiner engen Beziehungen zur chinesischen Regierung und öffentlichen Ablehnung der Demokratiebewegung in Hongkong vor zwei Jahren eigentlich fallen lassen müssen.

Ob sich die Jury der US-Academy of Motion Picture Arts and Sciences der politischen Neigung und Zugehörigkeit Chans bewusst war, ist nicht bekannt. Zumindest wurde dieses Detail von den westlichen Medien übersehen, sodass eine Kontroverse um die Entscheidung der Oscar-Jury ausblieb.

Jack Ma stolperte über seinen Konflikt mit dem Staat

Chan verdiente auf dem chinesischen Markt ein stattliches Sümmchen. Aber sein kommerzieller Erfolg verblasst im Vergleich zu den Leistungen vieler echter Geschäftsleute in China, wie beispielsweise von Jack Ma, dem Gründer des E-Commerce-Unternehmens Alibaba.

Aber wo befindet sich Jack Ma derzeit? Kaum jemand weiß es.

In seiner Glanzzeit trug er manchmal den Spitznamen Daddy Ma, weil sich viele scherzhaft wünschten, dass Ma, der damals reichste Mann Chinas, ihr Vater sei.

Der wortgewandte ehemalige Englischlehrer genoss seinen internationalen Einfluss als Startup-Guru und als Aushängeschild der chinesischen Geschäftswelt. Er gehörte UN-Ausschüssen für digitale Entwicklung an und saß in den Vorständen führender internationaler NGOs. Er gründete auch eine Hochschule für Unternehmer. In seiner Freizeit gab er unter anderem in Fernsehinterviews Lebensweisheiten zum Besten und spielte in einem Kurzfilm neben echten Filmstars einen Kung-Fu-Meister.

Sein glamouröses öffentliches Leben nahm vor zwei Jahren ein jähes Ende, als es zu einem halboffenen Konflikt zwischen ihm und den chinesischen Behörden über den Börsengang einer Finanztochter von Alibaba kam.

Hinter seinem Rückzug aus der Öffentlichkeit vermutet man die Entscheidung Xi Jinpings, den Privatsektor an die Leine zu legen. Zahlreiche politische Maßnahmen wurden ergriffen, um große Privatunternehmen zu entmachten, insbesondere die IT-Unternehmen, was zu einem drastischen Stellenabbau führte.

Offenbar duldet Xi Jinping es nicht, von anderen in den Schatten gestellt zu werden. Nach zwei Jahren wird immer deutlicher, dass nur Xi das alleinige Recht hat im Rampenlicht zu stehen.

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