Themenschwerpunkte


Sicherung der Lieferketten bleibt 2022 schwierig

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Die chinesische Regierung wird nicht von ihrer Null-Covid-Strategie abrücken

  • Chinas strikte Null-Covid-Strategie hat zur Schließung mehrerer Häfen und Fabriken geführt. So wurden beispielsweise BYD-, VW- und Toyota-Fabriken in Xi’an, Tianjin und Ningbo geschlossen. Aufgrund des Aufkommens von Omikron und des Mangels an mRNA-Impfstoffen in China werden regionale Lockdowns und Fabrikschließungen 2022 wahrscheinlich zunehmen (die mögliche Einführung von Walvax, einem chinesischen mRNA-Impfstoff, wird Chinas Covid-Strategie 2022 wahrscheinlich nicht beeinflussen).
  • Angesichts der Olympischen Winterspiele und des Parteikongresses ist eine Lockerung der chinesischen Covid-Beschränkungen nicht zu erwarten. Die Unternehmen müssen bei der Planung ihrer Lieferketten höhere Transportkosten und -zeiten einkalkulieren, die durch die Überlastung oder Schließung von Häfen sowie durch Unterbrechungen bei der Herstellung von Zwischenprodukten in China verursacht werden.

Geopolitische Spannungen werden im Lieferketten-Management immer wichtiger werden

  • Der technologische Wettbewerb als dominante strukturelle Triebkraft der Beziehungen zwischen den USA, der EU und China wird nicht verschwinden. Die Biden-Administration beschränkt weiterhin den Abfluss von US-Technologien nach China und bereits 40 % der deutschen Unternehmen in China geben an, dass sie sich durch die Entkopplung zwischen den USA und China geschädigt fühlen (AHK-Umfrage). 
  • Darüber hinaus wollen die EU und die USA 2022 die Schrauben in Bezug auf chinesische Kerninteressen wie Xinjiang, Hongkong und Taiwan anziehen. Die EU wird über ein geplantes Gesetz zur Sorgfaltspflicht in Lieferketten beraten; Deutschland hat bereits ein Lieferkettengesetz verabschiedet, das 2023 in Kraft treten wird.
  • Als Reaktion darauf hat China mit handelspolitischen Vergeltungsmaßnahmen und Verbraucherboykotten Druck auf europäische/amerikanische Unternehmen ausgeübt. Da Xi eine dritte Amtszeit anstrebt, ist mit einer selbstbewussteren Außenpolitik zu rechnen, um der heimischen Bevölkerung Stärke zu demonstrieren. Fälle wie H&M oder Intel, die sich wegen Xinjiang dem Druck der chinesischen Medien ausgesetzt sahen, werden wahrscheinlich häufiger vorkommen.
  • Unternehmen bewegen sich also auf einem schmalen Grat zwischen der Einhaltung der EU- und US-Gesetze und der Vermeidung des Zorns der chinesischen Aufsichtsbehörden, was eine systematische Einbeziehung geopolitischer Entwicklungen in das Lieferkettenmanagement unabdingbar macht. 

Insbesondere Unternehmen, die von kritischen Rohstoffen oder elektronischen Produkten abhängig sind, stehen vor schwierigen Entscheidungen

  • Auf China entfallen rund 52 % des Gesamtwerts der EU-Einfuhren von Produkten, die vom Ausland abhängig sind. Das bedeutet, dass China derzeit für die Lieferketten der meisten multinationalen Unternehmen unverzichtbar ist. Vor allem kritische Rohstoffe wie Ferrolegierungen, Silizium und Seltene Erden, aber auch Elektronikprodukte sind stark von China abhängig.
  • In Anbetracht der zusätzlichen Komplexität, die sich aus den allgegenwärtigen Handelsbeschränkungen ergibt, müssen Unternehmen prüfen, ob eine starke Abhängigkeit von China noch in ihr Risikokalkül passt und ob der Aufbau von Redundanzen in der Lieferkette zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit eine Überlegung wert sein könnte.

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