Themenschwerpunkte


Sanktionen schrecken chinesische Unternehmen ab

Dieser Inhalt ist Lizenznehmern unserer Vollversion vorbehalten.
  • Chinesische Exporte nach Russland sind im April im Vergleich zum Vorjahr um 26 Prozent zurückgegangen, obwohl das chinesische Handelsministerium seine Unternehmen auffordert, „sich nicht äußerem Druck zu beugen und keine unangemessenen Erklärungen nach außen abzugeben“.
  • Der Rückgang geht vor allem auf Unternehmen zurück, die über eine große globale Präsenz verfügen und befürchten, bei einem andauernden Handel mit Russland von Sekundärsanktionen getroffen zu werden. So haben beispielsweise die chinesischen Hightech-Unternehmen Lenovo und Xiaomi Berichten zufolge ihre Lieferungen nach Russland gestoppt und Huawei hat einige seiner Mitarbeiter in Russland entlassen. Der Autohersteller Geely hat die Produktion in seinem belarussischen Werk, welches nach Russland exportiert, gestoppt.
  • Nur wenige chinesische Unternehmen haben sich bislang vollständig aus dem russischen Markt zurückgezogen. Das liegt zum Teil daran, dass ein solcher Schritt auf dem chinesischen Markt Empörung auslösen kann. Nationalistische Verbraucher haben bereits den Fahrdienstleister Didi für eine vorzeitige Rückzugsankündigung abgestraft, die das Unternehmen inzwischen wieder zurückgezogen hat.
  • Zu den wenigen Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit in Russland vollständig aufgegeben haben, zählen hauptsächlich Banken, die durch einen Ausschluss vom Zahlungssystem SWIFT nicht mehr in der Lage wären, internationale Zahlungen durchzuführen.
  • Abgesehen von Gas und Öl sind die chinesischen Importe aus Russland im März ebenfalls zurückgegangen. Der starke Anstieg von Einfuhren von russischem Gas und Öl ist auf die steigenden Marktpreise zurückzuführen.
  • Doch Berichten zufolge führen chinesische Staatskonzerne bereits Gespräche mit russischen Energieunternehmen, um die Lieferungen nach China langfristig zu erhöhen. Im April stiegen die Rohöllieferungen aus Russland nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg auf dem Seeweg bereits um 20 Prozent an. Es ist jedoch unwahrscheinlich, dass China die erheblichen Einbußen Russlands ausgleichen kann, sollte Europa tatsächlich ein Embargo gegen russisches Öl verhängen.

Sinolytics ist ein europäisches Beratungs- und Analyseunternehmen, das sich auf China spezialisiert hat. Es berät europäische Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung und den konkreten Geschäftsaktivitäten in der Volksrepublik.

Mehr zum Thema

    Das unsichtbare Rückgrat von Chinas Sozialkredit-System
    Asean-Länder wollen neutral bleiben
    Ausländische Unternehmen verlieren an Bedeutung
    Der Keqiang-Index als Alternative zum BIP