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Geopolitik: Chinas wachsende Bedeutung für die europäische Chip-Industrie

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Politisierung der Chip-Industrie erreicht neue Dimensionen

  • Im vergangenen Jahr wurde keine andere Branche so stark politisiert wie die Halbleiterindustrie. Im Oktober eskalierten die USA den Technologiewettbewerb mit China, indem sie ihre Exportbeschränkungen ausweiteten und Chinas Halbleiterindustrie praktisch zum Stillstand brachten.
  • Die USA stellten außerdem 52,7 Milliarden Dollar für den Ausbau der heimischen Produktion bereit und erklärten, dass das Ziel der US-Politik darin bestehe, „einen möglichst großen Vorsprung“ vor China beizubehalten.

EU Lieferketten-Pläne im Fokus

  • Die EU plant Investitionen in Höhe von 43 Milliarden Euro, um die europäischen Produktionskapazitäten zu stärken. Das erklärte Ziel ist es, die EU weniger anfällig für geopolitische Krisen in Ostasien zu machen und der zunehmenden Abhängigkeit von China entgegenzusteuern.
  • Im Rückblick hat Chinas Halbleiterindustrie für Europa an Bedeutung gewonnen, sowohl als Bestandteil der Wertschöpfungskette – insbesondere für Montage, Prüfung und Verpackung (ATP) – als auch als Absatzmarkt.
  • Im Jahr 2022 importierte die EU integrierte Schaltungen (IC) im Wert von 6 Milliarden Euro aus China. Dieser Anteil dürfte weiter steigen, da China massiv in Chips älterer Bauart investiert, die für mehrere Industriezweige, beispielsweise die Automobilindustrie, weiterhin unverzichtbar bleiben werden.
  • Auch als Exportmarkt ist China für die EU von großer Bedeutung, denn nach China gehen mehr als ein Drittel der IC-Exporte. Den eigenen Chipherstellern den Zugang zum chinesischen Markt zu verwehren, würde ihre Wettbewerbsfähigkeit erheblich schädigen.

EU muss 2023 Balanceakt vollziehen

  • Die EU wird sich dem wachsenden Druck der USA stellen müssen, ihre Exportbeschränkungen ebenfalls zu verschärfen. Die EU-Politik muss jedoch ein Gleichgewicht zwischen dem Schutz von Lieferketten und der Aufrechterhaltung eines offenen chinesischen Marktes für europäische Chiphersteller finden.
  • Sollten die europäischen Exportbeschränkungen deutlich verschärft werden, könnten die nachgelagerten Abnehmer auf die chinesischen Lieferketten zurückgreifen, um ihre Geschäfte abzusichern. Dies könnte einen erheblichen Verlust an Marktanteilen europäischer Chipfirmen bedeuten und die Abhängigkeit von China eher erhöhen als verringern.

Sinolytics ist ein europäisches Beratungs- und Analyseunternehmen, das sich auf China spezialisiert hat. Es berät europäische Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung und den konkreten Geschäftsaktivitäten in der Volksrepublik.

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