Themenschwerpunkte


Der Keqiang-Index als Alternative zum BIP

Dieser Inhalt ist Lizenznehmern unserer Vollversion vorbehalten.
  • Die Abweichungen zwischen dem von China gemeldeten BIP-Wachstum im ersten Quartal 2022 und der größtenteils stagnierenden Realwirtschaft haben erneut Zweifel an der Glaubwürdigkeit offizieller Wirtschaftsdaten geweckt.
  • Daher erweist sich der Keqiang-Index, der sich aus dem gewichteten Durchschnitt des Wachstums des Schienengüterverkehrs, des Stromverbrauchs und der mittel- bis langfristigen Bankkredite zusammensetzt, als sinnvolle Alternative zur Erfassung der chinesischen Realwirtschaft.
  • Der Index wurde von der britischen Wirtschaftszeitung The Economist im Jahr 2010 erstmals vorgestellt, nachdem bekannt wurde, dass Premierminister Li Keqiang diese drei Indikatoren zur Beobachtung der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas parallel zu offiziellen Zahlen verwendet.
  • Der Keqiang-Index erwies sich als zuverlässiger Indikator für die Industrieproduktion und weist eine hohe Relevanz für die Entwicklung der weltweiten Rohstoffpreise auf.
  • Viele Experten sind jedoch der Meinung, dass der Index nicht in der Lage ist, den Wandel der chinesischen Wirtschaft hin zu einer zunehmend technologie- und dienstleistungsorientierten Wirtschaft zu erfassen, wodurch er zunehmend seine Aussagekraft verliert.
  • Angesichts der anhaltenden Belastungen durch die Corona-Pandemie verabschiedete die Regierung in Peking ein weiteres umfassendes Konjunkturprogramm, das zu großen Teilen den während der Finanzkrise getroffenen Maßnahmen ähnelt und darauf abzielt, Investitionen in die Infrastruktur zu fördern, Unternehmen zu entlasten und das Vertrauen der Verbraucher zu stärken.
  • So eignet sich der Keqiang-Index wieder zunehmend als Indikator für ein durch Investitionen gestütztes Wirtschaftswachstum und das weitgehend ohne die Gefahr einer Verfälschung durch Datenmanipulation.
  • Der Keqiang-Index für April und Anfang Mai 2022 zeichnet ein beunruhigendes Bild der chinesischen Wirtschaft und zeigt, dass die politischen Entscheidungsträger vor großen Herausforderungen stehen.

Sinolytics ist ein europäisches Beratungs- und Analyseunternehmen, das sich auf China spezialisiert hat. Es berät europäische Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung und den konkreten Geschäftsaktivitäten in der Volksrepublik.

Mehr zum Thema

    Ausländische Unternehmen verlieren an Bedeutung
    Neuausrichtung auf Kohle gefährdet Klimaziele
    Banken sollen Chinas Staatshaushalt stützen
    Jeder fünfte junge Mensch arbeitslos