Themenschwerpunkte


China muss sich zwischen Wachstum und Null-Covid entscheiden

Dieser Inhalt ist Lizenznehmern unserer Vollversion vorbehalten.
  • Die verschärften Corona-Regelungen im März und April 2022 haben der chinesischen Wirtschaft schweren Schaden zugefügt. Im April sank die Wertschöpfung des Industriesektors um 2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr, während sie im März noch um 5,0 Prozent gestiegen war.
  • Wie die Daten für Mai zeigen, stieg die Wertschöpfung im Industriesektor erneut leicht um 0,7 Prozent, was auf die schrittweise Lockerung der Maßnahmen in Peking und Shanghai sowie auf die Auswirkungen der vom Staatsrat ergriffenen umfassenden Konjunkturmaßnahmen zurückzuführen ist.
  • Chinas wirtschaftspolitische Entscheider sind sich der Störungen bewusst, die Corona-Beschränkungen sowohl auf der Angebots- als auch auf der Nachfrageseite verursachen. Daher ergreifen sie verstärkt politische Maßnahmen, um die Wiederaufnahme von Produktion und Logistik zu beschleunigen. Gleichzeitig werden Unternehmen durch Senkung oder Aussetzung von Steuern und Sozialabgaben entlastet.
  • Vor allem aber folgen viele Konjunkturmaßnahmen dem üblichen Schema und konzentrieren sich auf verstärkte Investitionen in Infrastrukturprojekte. Die politischen Bemühungen zur Ankurbelung des Verbrauchs, insbesondere im Automobilsektor, sind im Vergleich dazu eher verhalten.
  • Ob die Technokraten die effizientesten Instrumente einsetzen, ist fraglich. Die Art der Maßnahmen ändert jedoch nichts an der grundlegenden Tatsache, dass mögliche erneute Lockdowns im Rahmen der derzeitigen Null-Covid-Strategie die Wirtschaft sofort erneut schädigen werden, unabhängig davon, welche Konjunkturmaßnahmen ergriffen werden.
  • Konjunkturprogramme und Null-Covid können nicht gleichzeitig funktionieren. Um ein stabiles Wirtschaftswachstum zu gewährleisten, müsste die chinesische Regierung Null-Covid aufgeben und nach alternativen Lösungen suchen, um „mit dem Virus zu leben“.

Sinolytics ist ein europäisches Beratungs- und Analyseunternehmen, das sich auf China spezialisiert hat. Es berät europäische Unternehmen bei der strategischen Ausrichtung und den konkreten Geschäftsaktivitäten in der Volksrepublik.

Mehr zum Thema

    China genießt besseren Ruf in Entwicklungsländern
    Geopolitik: Chinas wachsende Bedeutung für die europäische Chip-Industrie
    Wachstumspolitik: Der steinige Pfad zur wirtschaftlichen Erholung
    Ausländische Unternehmen: Kapital für das Wirtschaftswachstum